Halbnackt mit Helm

27. März 2019 07:03; Akt: 27.03.2019 09:57 Print

«Wer hat sich diese Kampagne ausgedacht?»

Eine deutsche Präventionskampagne zeigt Models mit Velohelm – und in Unterwäsche. Auf Social Media gibts dafür Kritik und Spott.

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«Looks like shit. But saves my life» oder auf Deutsch: «Sieht scheisse aus. Aber rettet mein Leben». Unter diesem nicht gerade in typischer Beamtensprache formulierten Slogan fährt das deutsche Bundesverkehrsministeriums zurzeit eine Kampagne, die vor allem junge Leute dazu bringen soll, beim Velofahren öfter einen Helm zu tragen.

Zu sehen sind leicht bekleidete weibliche und männliche Models mit Helm auf dem Kopf – darunter die 18-jährige Alicija Köhler, die derzeit als Kandidatin bei «Germany's Next Top Model» (GNTM) mitmacht. Die Aktion solle zeigen, dass Sicherheit wichtiger sei als Eitelkeit, schreibt das Ministerium. Dass die vom britischen Star-Fotografen Rankin verführerisch in Szene gesetzten Models nur Unterwäsche tragen, passt dabei für manche nicht ganz ins Bild.

Die Kampagne sei «peinlich, altbacken und sexistisch»

Andreas Scheuer (CSU) ist als Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur der verantwortliche Politiker hinter der Kampagne – und er muss einiges an Kritik einstecken. Zwar spreche die Kampagne das richtige Thema an, sagte SPD-Fraktionsvize Katja Mast der «Passauer Neuen Presse». Die Bilder aber findet sie «peinlich, altbacken und sexistisch». Und weiter: «Halb nackte Frauen und Männer sollten nicht mit Steuergeldern auf Plakate gebannt werden.»

In den sozialen Medien regen sich die User ebenfalls über die Bilder auf und machen sich über die Kampagne lustig:



Auch die Zusammenarbeit mit «Germany's Next Top Model» ruft die Kritiker auf den Plan:


Die gemeinsam mit GNTM umgesetzte Plakataktion hat das Verkehrsministerium 400'000 Euro gekostet – allerdings beteuert das Ministerium, dass dabei kein Geld an die Fernsehsendung geflossen sei.


Scheuers Kabinettskollegin Franziska Giffey von der SPD macht einen Gegenvorschlag:

Das sagt das Ministerium

Nach der heftigen Kritik an der Kampagne verteidigt das Bundesverkehrsministerium die Motivwahl. Mit den Bildern solle eine «schwer erreichbare Zielgruppe angesprochen werden», nämlich die der 17- bis 30-Jährigen, so eine Sprecherin. Das Ministerium sei «überzeugt», diese junge Zielgruppe mit der Kampagne auch anzusprechen. Und doch: «Es ist so, dass wir die Kritik absolut nachvollziehen können», sagte die Sprecherin weiter. Allerdings solle die Kampagne «aufrütteln und polarisieren» sowie «Aufmerksamkeit erzeugen». Und das passiere auch. In der jungen Zielgruppe tragen nach Angaben des Verkehrsministeriums nur acht Prozent einen Fahrradhelm.

Der Verkehrsminister selbst sieht die Aufregung über die Kampagne positiv. Er freue sich, dass sie von Werbeprofis gut aufgenommen und als mutig bezeichnet werde, sagte Andreas Scheuer (CSU). Es tue ihm leid, wenn sich jemand von der Kampagne verletzt fühle.



(zos/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mertin Meller am 27.03.2019 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gelungen auch wenn komisch

    Da sich nun im web so arg darüber unterhalten wird, war diese Kampagne ein Erfolg, egal ob man es nun mag oder nicht so funktioniert Marketing.

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  • Leorg am 27.03.2019 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Message ist klar und alle Medien berichten darüber. Ziel erreicht, würde ich mal sagen. Schlimm daran ist eher dass ohne Provokation die Medien nicht über solche Präventionskampagnen berichten würden.

  • Anony Mouse am 27.03.2019 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Und ich dachte immer...

    Man soll ein Kondom benutzen. Jetzt ist klar das man besser einen Velohelm benutzen sollte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • IhreKompaktheit am 28.03.2019 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Teil 3

    So fand ich meine Berufung. Helmprävention. Ich mache Helmprävention an Schulen und meine Erfahrung dabei ist folgende: Kinder und Jugendliche freiwillig und gerne einen Helm tragen, wenn man ihnen klar aufzeigt hat, was die Folgen einer Hirnverletzung sind und mit was für Problemen sich da rumschlagen muss. Darum sag ich: Liebt und schätzt Euch und Eure Gesundheit!

    • IhreKompaktheit am 28.03.2019 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      So macht das nicht so viel Sinn (Ich weiss, den le

      Teilt bitte auch Teil 1 und 2.

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  • IhreKompaktheit am 28.03.2019 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Teil 2

    In meiner Zeit in der Reha lerne ich Menschen kennen, die ohne Helm stürzten und noch mit viel schlimmeren Folgen zu kämpfen hatten als ich. Zuerst habe ich mich geschämt. Weil ich so stark rumgejammert habe. Nachher wurde mir bewusst, wie viel Glück ich doch hatte, damals in meiner Zeit in der 3. Sek. Ich war damals ziemlich dumm und beeinflussbar und nur, weil sich andere über mich lustig machten, war das für mich ein Motiv den Helm am Fahrradlenker spazieren zu fahren. und ich dachte mir: Hätte ich damals gewusst, was ich jetzt weiss, hätten ich niemals auf einen Helm verzichtet.

  • the one am 28.03.2019 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    wunderbar

    kurz und bündig, sagt ja alles, finde ich supergut und stimmt ja schlussendlich, sieht absolut blöd aus so ein Velohelm

  • Deny54 am 28.03.2019 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Auf der suche neue und besser Ideen

    Schweizer sind auch nicht besser! Bfu Werbung war geschmacklos, "Denk mit - mit Sportunfälle"

  • Thomas am 28.03.2019 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Und?

    Sowohl Männlein wie Weiblein sind gleichermassen für die Werbung verwendet worden. Männlein sogar oben ohne! Also wo liegt das Problem? In der Badi sieht man genau gleich viel und die Models machen das freiwillig.