Vermont und Kalifornien

26. März 2015 16:51; Akt: 26.03.2015 16:51 Print

Hat Robert Durst weitere Frauen getötet?

Das FBI und Ermittler ungelöster Fälle sind alarmiert: Der Millionär Robert Durst könnte auch Frauen in Vermont und Kalifornien umgebracht haben.

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Hat der Millionärserbe Robert Durst Lynne Schulze ermordet? Die College-Studentin verschwand 1971 spurlos in der Nähe eines Health-Food-Ladens, den Durst damals in Vermont betrieb. Auch für das Verschwinden von Karen Mitchell könnte er verantwortlich sein. Durst soll die 16-Jährige 1997 in Eureka, Kalifornien, gekannt haben. Mitchell stieg zuletzt in ein Auto ein. Am Steuer sass ein Mann, den ein Zeichner wie im Bild links skizzierte - verblüffend ähnlich dem Foto von Robert Durst aus der gleichen Zeit (rechts). Der Buchautor Matt Birkbeck vertritt die These, Durst könnte Mitchell ermordet und ihre Leiche zum Verschwinden gebracht haben. Robert Durst musste am 23. März in New Orleans vor Gericht zu einem Kautionshearing antraben. Bild: 17. März 2015. Der Richter verweigerte dem Millionenerben einer Immobiliendynastie die Freilassung auf Kaution. Derweil beschuldigt ihn die Ex-Richterin Susan Criss, er habe ihr den Kopf einet toten Katze vor die Haustür gelegt, um sie zu bedrohen. Criss leitete 2003 den Mordprozess gegen Durst. Er wurde damals freigesprochen, obwohl er gestand, seinen Nachbarn in Galveston, Texas, getötet und zerstückelt zu haben. Criss glaubt, Durst habe die Technik des Zerstückelns an sieben Hunden geübt, die nacheinander verschwanden. Sie waren Alaska Malamutes und hiessen alle Igor. Nach über 30 Jahren als Verdächtiger muss sich Douglas Durst jetzt wegen Mordes verantworten - und zwar in einem von drei Fällen. Bild: August 2014 in Houston. Am Samstag, 14. März 2015, wurde Durst in New Orleans festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles verdächtigt den Spross einer reichen Immobiliendynastie aus New York, im Jahr 2000 seine Pressesprecherin erschossen zu haben. In orangem Overall und mit Handschellen wurde er am Montag vor Gericht geführt. Durst verzichtete darauf, seine Auslieferung nach Kalifornien anzufechten. Dick DeGuerin, einer von Dursts vier Anwälten, gab sich vor dem Gerichtsgebäude sicher, dass der Mordvorwurf abgewehrt werden könne. Wenn es zur Anklageerhebung kommt, dann wegen des HBO-Filmemachers Andrew Jaretzki. In dessen sechsteiligem Dokudrama «The Jinx» (Der Verhexer) führt Jaretzki neue Beweise gegen Durst vor, darunter ein auf einer Toilette aufgenommenes Geständnis. Der geschäftlich unzuverlässige Durst entfremdete sich früh von seinem Vater Seymour (Bild), weshalb die Führung des Immobilienimperiums an Roberts Bruder Douglas übergeben wurde. Unter Verdacht geriet Durst schon 1982, als seine Frau Kathleen spurlos verschwand. Bild: die Hochzeit 1973. Durst dürfte auch des Mordes an Susan Berman angeklagt werden. Die Pressefrau war seine Vertraute, und Durst könnte 2001 befürchtet haben, dass die Polizei sie als Zeugin befragen würde. Vor Gericht kam Durst 2003, nachdem er zugegeben hatte, einen Nachbarn in Galveston, Texas, erschossen und zerstückelt zu haben. Bild: Titelblatt der «New York Post» im September 2003. Vor Gericht führte Durst vor, wie sich der Schuss auf den Nachbarn während eines Gerangels gelöst haben soll. Er will aus Notwehr gehandelt haben. Die Geschworenen glaubten ihm und sprachen ihn frei. Bild: Nach dem Freispruch am 11. November 2003 umarmt Durst seinen Anwalt DeGuerin. Daneben steht Anwalt Mike Ramsey. Das stärkste Beweismittel aus dem Dok-Film: Der Ortsname «Beverley Hills» ist auf dem Brief des Mörders (oben) genau gleich falsch mit einem «e» vor dem «y» geschrieben wie auf einem Brief Dursts an die später ermordete Susan Berman (unten). Auch die Handschrift ist dieselbe.

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Anfang Woche wurde die US-Bundespolizei FBI aktiv: In einem Rundschreiben forderte sie lokale Ermittler in mehreren Gliedstaaten auf, ungelöste Mordfälle neu zu untersuchen. Laut CNN gilt der Aufruf für alle Orte, wo der des Mordes angeklagte Millionenerbe Robert Durst in den vergangenen fünf Jahrzehnten gelebt hat.

Das FBI hält es für durchaus möglich, dass Durst neben den drei bekannten Todesfällen (Kathleen McCormack Durst, Susan Berman, Morris Black) auch für das Verschwinden von weiteren Personen verantwortlich sein könnte. Die alten Fälle betreffen den Gliedstaat Vermont, das nördliche New York, die Gegend um San Francisco sowie Südkalifornien.

Zeugin beseitigt?

Derzeit weilt Durst im Untersuchungsgefängnis in New Orleans. Er wurde am 14. März 2015 festgenommen, nachdem eine Dok-Serie auf neue Beweismittel im Fall des Mords an Susan Berman gestossen war. Die frühere Vertraute soll laut der Anklage gegen Durst im Dezember 2000 von ihm erschossen worden sein. Er könnte mit dem Mord dafür gesorgt haben, dass Berman nicht gegen ihn aussagen konnte.

Der gefallene Sohn einer New Yorker Immobilienfamilie wird nämlich verdächtigt, 1982 seine Frau Kathleen getötet und danach die Leiche beseitigt zu haben. Zum Zeitpunkt des Mordes an Berman lief eine Untersuchung gegen Durst. Sie kam jedoch zu keinem Abschluss.

Pflaume an Bushaltestelle

Weiter ist der heute 71-Jährige geständig, im Jahr 2001 in Galveston, Texas, einen Nachbarn getötet und zerstückelt zu haben. Doch im Mordprozess glaubten die Geschworenen seiner Darstellung, wonach er in Notwehr gehandelt habe.

Einer der alten Fälle betrifft die College-Studentin Lynne Schulze, die 1971 vom Middlebury College in Vermont spurlos verschwand (siehe Diashow oben). In der südlich von Burlington gelegenen Stadt führte Durst damals einen Health-Food-Laden namens All Good Things. Wie Polizeiermittler Kris Bowdish Buzzfeed erzählte, stand die Studentin am 10. Dezember 1971 an einer Bushaltestelle gegenüber Dursts Laden. Laut «Burlington Free Press» ass sie eine Pflaume, die sie zuvor in dem Geschäft gekauft hatte. Sie wurde danach nie mehr gesehen.

Das Spiel von «Beschuldige Bob»

Polizeichef Thomas Hanley von Middlebury geht nicht so weit, Durst einen Verdächtigen zu nennen. Aber er sei «eine Person, die eine nahe Verbindung zu einer vermissten Person hatte», sagte er der «New York Post».

Laut Dursts Anwalt Dick DeGuerin hat sein Mandant «keine Verbindung zum Fall in Vermont oder anderen Fällen, bei denen Gesetzeshüter Verdächtigungen aussprechen». Der «New York Post» schrieb DeGuerin über Durst: «Er ist ein einfaches Opfer für dieses Spiel namens ‹beschuldige Bob›.»

Gleiche Haare, gleiche Brille

Ein anderer Fall dreht sich um die 16-jährige Karen Mitchell. Sie wurde am 25. November 1997 in Eureka, Kalifornien, zum letzten Mal gesehen. Buchautor Matt Birkbeck glaubt, dass Durst die Teenagerin kannte. «Karen arbeitete als Freiwillige in einem Obdachlosenheim in Eureka, das Durst häufig besuchte», sagte er CNN. Er sei auch in einem von Karens Tante geführten Schuhladen gesichtet worden.

Nach Newsberichten von damals stieg Karen Mitchell zuletzt in ein hellblaues Auto ein, an dessen Steuer ein Mann mit grosser Brille sass. Laut Birkbeck sieht die Polizeiskizze des Lenkers Durst bemerkenswert ähnlich: Er hatte gleiche Haare und trug ebenfalls eine grosse Brille.

«Inside Edition» über den Fall Karen Mitchell (auf Englisch):

(Quelle: Youtube/Inside Edition)

(sut)