Siebeneinhalb Jahre

23. Dezember 2011 16:11; Akt: 23.12.2011 16:11 Print

Hinter Gitter, weil sie zu laut Klavier spielt

Wieder und wieder spielte sie Klavier. In den Ohren der Nachbarin so laut, dass diese die Pianistin vor Gericht zerrte. Nun droht der 26-Jährigen eine lange Haftstrafe.

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«Schlafstörungen, Irritationen und Ängste» soll die junge Pianistin bei ihrer Nachbarin ausgelöst haben. (Bild: Keystone)

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Einer jungen spanischen Klavierspielerin droht eine Gefängnisstrafe von siebeneinhalb Jahren, weil sie mit ihren Übungen eine Nachbarin zu stark genervt hat. Die gleiche Haftstrafe wird für die Eltern der jungen Frau gefordert.

Die ungewöhnlich harten Strafen forderte die Staatsanwaltschaft in der Provinz Girona im Nordosten Spaniens. Die 26-jährige Laia Martín habe einer Nachbarin durch Lärmbelästigung psychischen Schaden zugefügt, berichtete die katalanische Zeitung «La Vanguardia» am Freitag. Die Eltern hatten 2003 in ihrer Wohnung in der Ortschaft Puigcerdà ein Klavier für ihre musikalisch begabte Tochter aufgestellt, ohne den Raum schalldicht zu machen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft spielte die junge Frau seitdem mindestens fünf Tage in der Woche von 9 bis 13 und von 14 bis 18 Uhr. Die Nachbarin hatte sie schliesslich verklagt, weil sie wegen des Lärms unter Schlafstörungen, Irritationen und Ängsten leide. Zudem habe sie Probleme bei ihrer Schwangerschaft gehabt.

«Ein Klavier ist keine Disco»

Der Anwalt der Eltern, Marc Molins Raich, sagte «La Vanguardia», die geforderte Haftstrafe sei eindeutig unverhältnismässig. Es sei ungerecht, das Klavierspielen mit dem Lärm einer Disco oder eines Flughafens zu vergleichen.

Die Karriere der talentierten Pianistin sei bedroht, weil die Staatsanwaltschaft zudem ein vierjähriges Spielverbot fordere.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael Palomino (*1964) am 24.12.2011 00:23 Report Diesen Beitrag melden

    Lösungen

    Lösungen wären: eigenes Haus, ein Raum in einem Kulturzentrum mieten, Luftschutzkeller oder Gummizelle. Das gilt auch für Schlagzeuger, die viel üben, für Musikgruppen, die jeden Tag musizieren etc. Ein Musikzimmer sollte so gelegen sein, dass Nachbarn nicht direkt davon betroffen sind, sondern zumindest ein Raum dazwischenliegt, wo nicht musiziert wird.

  • M. Meyer am 23.12.2011 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nervtötend

    Pianospielen in Wohnungen, Reihenhäusern usw. kann absolut nervtötend und störend sein, auch wenn "Talentierte" üben. Wer jeden Tag stundenlang übt, sollte besser ein Silent Piano kaufen, denn damit kann man auch via Kopfhörer üben und bei Bedarf live + mit normalem Saitenklang performen. Bedenke: Wenn jeder sich die Freiheit des musikalischen Lärmens untertags herausnimmt, wohin kommen wir da? Gegenseitige Rücksichtnahme, por favor!

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  • rolf am 23.12.2011 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt eine Hörprobe

    Man müsste mal hören, wie die Dame spielt. Vielleicht sind es ja tatsächlich folterähnliche Klänge. Andererseits Schlafstörungen von Morgens 9 bis Abends 18 Uhr sind ja nicht unbedingt ein Problem. Einfacher wäre allerdings eine Sammelaktion für Eierkartons - eignet sich als Schalldämm-Material und ist nicht so teuer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peschä am 24.12.2011 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig absurd

    Wie kommt den diese Staatsanwaltschaft auf solche Ideen?!? Gegen Lärmprobleme gibt's wohl andere Massnahmen als Haftstrafen und Spielverbote. Man könnte z.B. gewisse Spielzeiten eingrenzen, die Auflage erteilen, den Raum gegen Lärm zu dämmen oder nicht in der Wohnung zu spielen. Im Falle von groben Verstössen gegen solche Auflagen könnte man schlimmstenfalls das Klavier konfiszieren. Für die Forderung der Haftstrafe sollte man die Staatsanwaltschaft selbst mal ein paar Tage einsperren, damit sie Zeit haben, zur Besinnung zu kommen.

  • Carlos Ramires Fuente am 24.12.2011 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht ist diese umwerfend neue Information noch nicht in Spanien angekommen. Es gibt Elektropianos wo man sich einen Kopfhörer aufsetzen kann.

  • Cla Vierer am 24.12.2011 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Üben mit Rücksicht

    ... macht man einfach nicht in einer Mietwohnung. Ein Klavier/Flügel ist derart laut, da kannst du dir weder mit Stöpseln noch eigener Musik helfen. 1 Stunde liegt drin, länger ist lästig. Diese Dinger sind richtige Crashmachines. Ich spiele übrigens selber oft bis zu vier Stunden. Aber tu das bitte deinen Nachbarn, ob Spanien oder Schweiz, nicht an. Sonst hör dir mal 3 Stunden lang die selbe CD an... Stundenlanges Üben, ständig dieselben Tonfolgen mit Fingersätzen, ist nicht erbauend. Übrigens, Üben am E-Piano ersetzt tatsächlich das wohltemperierte Klavier/Flügel niemals. Aber Gefängnis...?

  • Nadja am 24.12.2011 05:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die haben noch andere Probleme?

    Also sie spielte nicht einmal Nachts, was ich dann irgendwie nachvollziehen könnte (abgesehen von der Straffanorderung). Und wenn 5 Tage in der Woche dann sicher auch nicht SA und SO. Wenn nicht Spanien stehen würde, könnte man meinen der Bericht stamme aus Amerika.

  • Robi am 24.12.2011 01:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unverhältnismässig

    Also Knast geht wohl gar nicht! Die richterliche Anordnung auf 1-2 Stunden pro Tag wäre wohl ausreichend.