Nazi-Propaganda

03. Juli 2014 18:18; Akt: 03.07.2014 18:18 Print

Hitlers Vorzeige-Baby war jüdisch

Im Alter von 6 Monaten wurde Hessy Taft eines der berühmtesten Babys in Deutschland: Als perfektes Arier-Kind wurde sie auf einer Nazi-Zeitschrift abgebildet. Dabei war Taft Jüdin.

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Fast 80 Jahre ist es her, dass Hessy Taft das Vorzeige-Baby der Nazis wurde. 1935 führte die deutsche NSDAP einen Wettbewerb durch, um das perfekte arische Baby zu finden, berichtet die «Bild».

Dieses sollte als Propaganda auf dem Titelblatt der Nazi-Zeitschrift «Sonne ins Haus» abgebildet werden. Der Minister für Propaganda, Joseph Goebbels, soll das Foto Tafts eigenhändig ausgewählt haben. Obwohl der Zweite Weltkrieg noch nicht ausgebrochen war, lief die nationalsozialistische Propaganda-Maschinerie bereits auf Hochtouren.

Fotograf wollte Nazis lächerlich machen

Das Foto von Hessy entstand zufällig. Die Mutter der Kleinen, Pauline Levinson, brachte das damals sechs Monate alte Mädchen zu einem Berliner Fotografen, um Babyfotos machen zu lassen. Medienberichten zufolge war Levinson erschüttert, als sie das Foto ihrer Tochter einige Monate später auf der Titelseite des populären Familienmagazins «Sonne im Haus» sah.

Sie sei zurück zum Fotografen gegangen und habe gefragt, wieso er das Bild eingereicht hätte – er habe doch gewusst, dass die Familie jüdisch sei. «Ich weiss», soll er gesagt haben: «Ich wollte die Nazis lächerlich machen.»

Angst davor, aufzufliegen

Nach Auftauchen des Fotos hielt die Familie Hessy versteckt. Zu gross war die Angst, dass herauskommen könnte, dass Hessy Jüdin ist. Vor Ausbruch des Krieges floh die ursprünglich aus Lettland stammende Familie zurück nach Lettland, dann nach Paris und später über Kuba in die USA.

Dass Taft Jüdin war, ist nie ans Licht gekommen. Mittlerweile könne sie darüber lachen, sagt sie zur USC Shoah Foundation, aber: «Hätten die Nazis damals gewusst, wer ich war, wäre ich nicht mehr am Leben.» Heute ist Taft 80 Jahre alt und arbeitet immer noch als Chemieprofessorin in New York.

(cfr)