Damm gebrochen

19. Januar 2011 06:30; Akt: 19.01.2011 10:07 Print

Hochwasser bedroht weitere Stadt

Die Überschwemmungen in Australien finden kein Ende. Während die Stadt Kerang nach einem Dammbruch von den Fluten bedroht wird, steigen die Kosten ins Unermessliche.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Wasser hat den Bundesstaat Victoria erreicht. Ein achtjähriger Junge ist am 18. Januar in einem Wasserloch verschwunden und wohl ertrunken. Bewohner des südlichen Bundesstaates Victoria füllen am 17. Januar Sandsäcke, um sich gegen die drohenden Wassermassen zu schützen. Diese Jungs scheinen ob der gewaltigen Wassermassen den Humor nicht verloren zu haben. Viele Häuser wurden völlig verwüstet. Am 14. Januar konnten in den ersten Quartieren von Brisbane die Aufräumarbeiten beginnen. Es wurde vor allem viel Schutt angeschwemmt, der jetzt weggeräumt werden muss. Bei den Aufräumarbeiten bleiben die Kleider nicht sauber. Die Wassermassen haben die unterschiedlichsten Gegenstände angeschwemmt, welche jetzt auf den Strassen liegen bleiben. Aus den Häusern muss das Wasser entfernt und der Boden geputzt werden. Freiwillige versuchen den Schlamm vom Boden zu wegzuwischen. Das Wasser geht langsam zurück – LKWs stehen aber noch immer bis zur Hälfte im Wasser. Und auch das Boot bleibt immer noch das beste Fortbewegungsmittel. Leichtes Aufatmen in Brisbane: Das Hochwasser hat am 13. Januar seinen Höchststand erreicht. Der Pegel blieb unter jenem der Flutkatastrophe von 1974. Am 12. Januar steigt der Pegel des Brisbane River unaufhörlich an. Die Regierung evakuiert Teile der Stadt und ruft die Bevölkerung auf zu flüchten. 20 000 Häuser sind vom Wasser bedroht. Brisbane unter Wasser: Die Grossstadt im Osten Australiens ist am 11. Januar von der Flut heimgesucht worden. Teile der Bevölkerung sind bereits evakuiert worden. Die Wasserpegel steigen immer weiter an. Gebäude stehen unter Wasser. Viele Menschen schauen sich das Natur-Spektakel aus der Nähe an. Am 10. Januar wird Toowoomba in der Nähe von Brisbane von den Fluten heimgesucht. Manchen bleibt nur das Zuschauen. Die Fluten strömen durch die Strassen und zerstören die Infrastruktur Toowoombas. Nachdem das Wasser abgezogen ist, bleiben Autos ineinandergekeilt. 6. Januar: Brad Carter (nicht im Bild), der Bürgermeister von Rockhampton, will «völlig unverantwortliche» Einwohner, die entgegen der Anweisung in ihren Häusern bleiben, nicht mehr mit Lebensmitteln versorgen. Die Gefahr für die Helfer sei wegen Schlangen und anderen gefährlichen Tieren zu gross. Im Bild eine Polizeipatrouille gegen Plünderer. Gary Russell (vorne) und seine Frau Robyn warten auf ihre Evakuation. Ein Mann will von seinem Boot aus in sein Auto einsteigen. Der Flughafen bleibt weiterhin überschwemmt. Der Scheitelpunkt war am 5. Januar aber erreicht (Satellitenbild der NASA). In Rockhampten regnete es noch einmal in der Nacht zum 6. Januar. Danach wurden keine weiteren Niederschläge erwartet. 3. Januar: Touristen werden in Darwin evakuiert. Fische und ... ... Schlangen tummeln sich im Hochwasser. Die Bevölkerung wird vor Gefahren im Wasser gewarnt. In Queensland bedeckten die von massiven Regenfällen ausgelösten Überschwemmungen mindestens eine Fläche von der Grösse Deutschlands und Frankreichs. Am 2. Januar 2011 mussten die Hauptzufahrtsstrassen aus Norden und Süden entlang der Ostküste gesperrt werden. Die Fluten setzten 22 Städte unter Wasser oder schnitten sie von der Aussenwelt ab. In der Innenstadt von Rockhampton trat der Fluss Fitzroy über die Ufer. Rund 40 Prozent der Stadt ist überflutet worden, 4000 Gebäude lagen in der unmittelbaren Gefahrenzone. Rund 200 000 Menschen flohen vor dem Hochwasser aus ihren Häusern. Der Finanzminister von Queensland, Andrew Fraser, sprach von einer «Katastrophe biblischen Ausmasses». Im Bundesstaat Queensland wurden rund 1000 Menschen in Notunterkünften untergebracht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Staat Victoria brach am Mittwoch in der Stadt Kerang ein Schutzdamm an mehreren Stellen. Bis zu 1500 Häuser könnten überschwemmt werden, wenn der Lodden River weiter steigt.

Die Behörden forderten die betroffenen Bewohner auf, ihre Häuser zu verlassen und sich mit Lebensmitteln für drei Tage einzudecken. Mehr als 3500 Menschen im Norden des Staates Victoria mussten ihre Häuser bereits verlassen, 51 Städte sind bislang von den Überschwemmungen betroffen.

Seit Beginn der Hochwasserkatastrophe vergangene Woche im nordöstlichen Staat Queensland sind bereits 30 Menschen in den Fluten ums Leben gekommen.

Versicherer mit Problemen

Die jüngsten Überschwemmungen in Australien kommen die Rückversicherungsbranche Bermudas teuer zu stehen. Der versicherte Schaden könnte über sechs Milliarden Dollar liegen, teilte Barclays Capital am Dienstag mit. Die Quartalsergebnisse der Rückversicherer seien gefährdet.

Weil die Überschwemmungen im Dezember und Januar so gravierend gewesen und in verschiedenen Kalenderjahren passiert seien, könnte der versicherte Schaden die Erwartungen für das letzte und das laufende Jahr übersteigen. Die Kosten für den Wiederaufbau in Australien werden auf bis zu 20 Milliarden Dollar geschätzt.

Die wichtigsten Rückversicherer in der Karibik sind ACE und XL Group. Rückversicherer haben auf den Bermudas häufig ihre Firmensitze. Das britische Überseegebiet rund 1000 Kilometer vor der Ostküste der Vereinigten Staaten hat relativ niedrige Steuern, vergleichsweise lockere Vorschriften und ist nicht weit vom US-Markt entfernt.

(sda)