Lago Maggiore

13. November 2014 06:24; Akt: 13.11.2014 11:50 Print

Hochwasser fordert erstes Todesopfer

Nach heftigen Regenfällen im Tessin und in Norditalien ist ein erstes Todesopfer zu beklagen. Ein Mann ertrank im See, als er sich auf ein Schiff retten wollte.

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Auch am 13. November prägt das Hochwasser noch das Stadtbild von Locarno. Überflutete Strassen sind nur über Holzstege passierbar. Ein Herrchen samt Hund hält das jedoch nicht vom Gassigehen ab. Andere Menschen begeben sich sogar auf Reisen. Ein Steg, der über Booten errichtet wurde, machts möglich. Blick auf eine überflutete Fläche der Magadino-Ebene bei Gordola TI. Ein Passant schiesst Erinnerungsfotos von einer überfluteten Strasse in Locarno. Die überflutete Magadino-Ebene erscheint unter bestimmten Lichtverhältnissen beinahe idyllisch. Ein Parkplatz in Locarno ist wegen der Fluten unbenutzbar. Für die Gegend oberhalb des Lago Maggiore rund um Locarno hat der Bund am Dienstagnachmittag, 11. November 2014, die höchste Warnstufe ausgerufen. Zivilschützer bauen in der Nähe der Uferpromenade Stege für die Fussgänger. Im Hintergrund sieht man bereits das Wasser des Sees in den Strassen. Im Bereich von Verbano steht das Ufer schon tief im Wasser. Der Campingplatz musste evakuiert und zahlreiche fest installierte Wohnwagen abtransportiert werden. Mancherorts in Locarno ist das Wasser schon weiter vorgedrungen ... ... und bringt erste Strassenzüge zum Verschwinden. An der Uferpromenade schwappt der See bisher nur leicht über. Noch kann man mit gutem Schuhwerk dem See entlang laufen. Am 17. November 2002 sah dies anders aus. Damals ragten die Bänke nur noch knapp aus dem Wasser. Der Lago Maggiore erreichte damals einen Höchststand von 196,19 Metern. Mit derzeit 195,37 Metern ist der See davon noch einiges entfernt. Doch die Prognosen rechnen mit einem Anstieg auf 196,7 Metern - noch deutlich höher als im Jahr 2002. Dann wird es in Locarno noch deutlich schlimmer aussehen als 2002. Doch Silvano Stern Kommandant der Gemeindepolizei beruhigt: «Es gab zwar schon lang kein Hochwasser mehr, aber wir sind vorbereitet.» Der Höchststand soll in der Nacht auf Donnerstag erreicht worden sein. Beim Hochwasser 2002 waren nur kleine Stege nötig, damit die Bewohner trockenen Fusses in ihre Häuser kamen. Schon damals musste man zum Teil schwimmende Brücken bauen. Und: Eine weitere Gefahr ist nicht gebannt. Für Erdrutsche besteht laut Geologen im Tessin eine grosse Gefahr. Man beobachte derzeit zahlreiche Hot-Spots. Eine Mure könne sich praktisch überall lösen. «Die Hänge sind so voller Wasser», sagt Giorgio Valenti vom kantonalen Amt für Naturgefahren.

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Auf der italienischen Seite des Lago Maggiore hat das Hochwasser ein Todesopfer gefordert. Ein Mann in Ispra sei ertrunken, als er sich von seinem kleinen Boot in ein grösseres Schiff habe retten wollen, berichtet das italienische Newsportal Corriere.it.

Nachdem es im Tessin und in Norditalien in den letzten Tagen heftig geregnet hatte, sieht die Region heute einer Wetterbesserung entgegen. Die Pegel der Seen bleiben jedoch weiter gefährlich hoch. Das Bundesamt für Umwelt warnt auch heute am Lago Maggiore und am Lago di Lugano vor grosser Hochwassergefahr.

Von den Überschwemmungen der letzten beiden Tage seien rund 600 Bewohner betroffen, sagt der Leiter des Zivilschutz Locarno, Raffaele Dadò am Donnerstag der Nachrichtenagentur sda. 50 Zivilschützer seien am Mittwoch dauerhaft im Einsatz gewesen, um Stege auszulegen und die ufernahen Häuser durch Trennbalken vor den Fluten zu schützen - darunter auch 20 Freiwillige, die in solchen Notfällen auf Abruf bereitstehen.

(cho/sda)