26. April 2005 18:17; Akt: 26.04.2005 18:19 Print

Hohe Geldstrafe für von Hagens

Wegen Titelmissbrauchs ist der von den «Körperwelten»-Ausstellungen bekannte Anatom Gunther von Hagens zu einer Geldstrafe von 108.000 Euro verurteilt worden.

Fehler gesehen?

Amtsrichter Norbert Will sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der Wissenschaftler in vier Fällen Schriftstücke unterschrieben hatte, bei denen nicht auf die Herkunft seines ausländischen Professorentitels hingewiesen worden war. Die Staatsanwaltschaft hatte 192.000 Euro Geldstrafe gefordert. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt.

Das Gericht verhängte 90 Tagessätze zu je 1.200 Euro. Von Hagens bezeichnete das Urteil als ungerechtfertigt. «Ich fühle mich unschuldig», sagte er. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung wollen prüfen, ob sie gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.

In seinem Schlusswort vor Gericht hatte der Anatom betont: «Ich bin kein Hochstapler.» Er habe nie Wert auf Titel gelegt und ihn nur aus Höflichkeit getragen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sich von Hagens in mehreren Fällen als Professor bezeichnet, ohne darauf hinzuweisen, dass ihm dieser Titel in China verliehen worden war.

In vier (richtig) weiteren Fällen wurde der Anatom freigesprochen - unter anderem im Zusammenhang bei der Verwendung des Titels auf Katalog und Eintrittskarte der «Körperwelten»-Ausstellung in Frankfurt am Main sowie auf der Website des Instituts für Plastination. In diesen Fällen hatte die Verteidigung argumentiert, dass mit dem Titel ohne Wissen von Hagens Werbung gemacht worden sei.

Nach einer Anzeige der Universität Heidelberg hatte das zuständige Amtsgericht im Februar 2004 einen Strafbefehl über 144.000 Euro verhängt. Anfang Januar 2005 folgte der zweite Strafbefehl über 168.000 Euro. Dagegen legte Hagens Widerspruch ein, der nun vor dem Gericht verhandelt werden musste.

Professorentitel für fünf Jahre

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte von Hagens erklärt, dass er in Zukunft auf seinen Professorentitel verzichtet. Der in China lebende Anatom hatte den Titel 1999 von der Universität Dalian in China aber ohnehin nur für fünf Jahre verliehen bekommen. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium hatte ihm zwar erlaubt, den Titel auch in Deutschland zu führen - allerdings mit der Auflage, dabei immer mit dem Zusatz «VRC» auf die Herkunft Volksrepublik China zu verweisen.

Von Hagens Verteidiger Holger Schmitz beklagte vor dem Amtsgericht: «Der berühmteste Anatom der Welt wird zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt.» Sein Mandant habe so weit wie möglich auf die Herkunft des umstrittenen Professorentitels hingewiesen.

Von Hagens hat eine Technik zur Konservierung von Leichen entwickelt, die er als Plastination bezeichnet. Dabei wird die Gewebeflüssigkeit der Toten durch aushärtenden Kunststoff ersetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits schon früher zwei Mal wegen Verdachts des Titelmissbrauchs gegen den Anatomen ermittelt.

(ap)