Gastronomie

24. Dezember 2010 13:24; Akt: 24.12.2010 13:29 Print

Holländer ignorieren Rauchverbot

In den niederländischen Kneipen treffen die Kontrolleure immer häufiger brennende Glimmstängel an. Mittlerweile hat die Sünderquote 50 Prozent überschritten.

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Niederländische Raucher erobern die Kneipen zurück (Bild: colourbox)

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Die Ächtung des blauen Dunstes hat in den Niederlanden, wie in den anderen europäischen Ländern auch, schrittweise Einzug gehalten. In öffentlichen Gebäuden wurde das Rauchen 1990 verboten, in öffentlichen Verkehrsmitteln zehn Jahre später. In der Gastronomie wurde das totale Rauchverbot dann am 1. Juli 2008 eingeführt

Die Massnahme stiess im Land der Coffeeshops freilich auf stärkeren Widerstand als in vergleichbaren Ländern. Schon im Vorfeld der Einführung des totalen Rauchverbots hatte sich das Gastgewerbe nicht an die mit den Behörden getroffenen Übereinkünfte gehalten, die eine allmähliche Zunahme der rauchfreien Gastrobetriebe bezweckten. So wurden Nichtraucher- und Raucherräume oft nur unvollständig voneinander getrennt, oder in den Nichtraucherabteilungen waren gar Aschenbecher zu finden.

Akzeptanz auf Tiefstand

Mittlerweile befindet sich die Akzeptanz des totalen Rauchverbots – gut zwei Jahre nach seiner Einführung – auf einem Tiefstand: Stiessen die Inspekteure der «nieuwe Voedsel en Waren Autoriteit» (nVWA) noch im Juni 2010 bei 28 Prozent der überprüften Kneipen und Diskotheken auf Rauchsünder, waren es im September bereits 51 Prozent, wie die niederländische Zeitung «De Telegraaf» berichtet.

In Speiselokalen und Sportkantinen wurde das Verbot dagegen bedeutend besser befolgt. Hier gab es für die Kontrolleure der nVWA lediglich in drei Prozent der überprüften Fälle etwas zu beanstanden.

Keine Kontrolle nach 23 Uhr

Seit Anfang dieses Monats dürfte in den niederländischen Kneipen noch viel mehr geraucht werden. Am 1. Dezember hob die neue Regierung nämlich das Rauchverbot für Gaststätten auf, die kleiner als 70 m² sind und in denen kein Personal beschäftigt wird. Ohnehin wussten die Wirte schon vorher, wie sie die Kontrollen der nVWA unterlaufen konnten. So sei es ein offenes Geheimnis, dass die Inspekteure nie nach elf Uhr abends vorbeikämen. Und in Orten wie Bergen op Zoom sollen sich die Wirte gegenseitig warnen, wenn ein Kontrolleur gesichtet werde.

(dhr)