Gerichtsentscheid

03. Juli 2014 18:44; Akt: 03.07.2014 19:07 Print

Hollands «Schmutzli» ist rassistisch

Weisse Menschen, die sich ihr Gesicht einschwärzen, eine schwarze Perücke tragen und sich unterwürfig geben: Das ist rassistisch, sagt ein holländisches Gericht – und gefährdet eine Tradition.

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Eine Frau schminkt sich, um als Zwarte Piet den Sinterklaas zu begleiten. Sinterklaas ist der heutzutage wohl beliebteste Volksbrauch in den Niederlanden. Sinterklaas ist die niederländische Bezeichnung für Nikolaus von Myra. Er wird traditionellerweise von 40 Gehilfen begleitet, den sogenannten Zwarte Pieten. Zwarte Piet (Schwarzer Peter) ist eigentlich das Äquivalent zu unserem Schmutzli (Bild). Er hat sich aber seit dem 19. Jahrhundert zu einer freundlicheren Figur entwickelt, die fröhliche Spässe macht und die Kinder beschenkt. Der Zwarte Piet steht im Zentrum einer Rassismus-Debatte, die jedes Jahr seit den Sechzigern wieder aufflammt. Dieses Jahr aber ist die Diskussion besonders hitzig. Aufgrund des Vorwurfs einer UNO-Arbeitsgruppe, der Brauch sei rassistisch und solle abgeschafft werden, haben sich die Freunde des Zwarte Piet formiert und verlangen in einer auf Facebook die Beibehaltung des Brauchs. Mit durchschlagendem Erfolg: Innerhalb von 24 Stunden gewann der schwarze Helfer des Nikolaus über eine Million Fans auf Facebook. Die Facebookseite der Piet-Gegner () dümpelt dagegen bei 9000 Likes. «Hände weg von unserem Piet», wüten über 90 Prozent der Niederländer. Eine Frau lässt sich sogar einen Zwarte Piet auf den Rücken tätowieren. Das Sinterklaas-Fest ist einzigartig in der Welt und ein unschuldiges Kinderfest - so sehen es die Niederländer. Nach der Legende kommt der weisse Bischof immer Mitte November mit einem Dampfschiff («Pakjesboot») aus Spanien in den Niederlanden an. Seine Ankunft wird live im Fernsehen übertragen Der gütige Mann mit langem Bart und rotem Mantel reitet auf seinem Schimmel durchs Land, begleitet von einer Schar schwarzer Helfer. Die sind immer zu Spässen aufgelegt, streuen Pfeffernüsse und - nicht ganz unwichtig - sie bringen den Kindern am Abend des 5. Dezember die Geschenke. Nur sind die Pieten eben schwarz. Doch die Farbe, so sagen fast alle der 17 Millionen Piet-Experten im Lande, komme vom Russ der Schornsteine. Durch die klettern die Pieten der Legende nach in die Wohnungen, um die Päckchen abzuliefern. Das ist hübsch, kann die Vorwürfe aber nicht ganz entkräften. Denn die Pieten haben eine Afro-Frisur, rotgeschminkte Lippen und tragen goldene Ohrringe. Kritiker sehen im Zwarte Piet daher eine niederländische Form des sogenannten «Blackface» der früheren amerikanischen Minstrel-Shows, in denen weisse Schauspieler mit geschwärzten Gesichtern Schwarze als dumme Tölpel karikierten. «Das Fest ist eine Rückkehr zur Sklaverei», kritisierte Verene Shepherd. Die Jamaikanerin ist Vorsitzende der UNO-Arbeitsgruppe . In den Niederlanden dürfte sie derzeit die meistgehasste Person sein. Der Amsterdamer Künstler Quinsy Gario reichte Klage beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (EMGH) ein. Schwarze würden als dumm, lustig und vor allem als Knechte dargestellt. 2011 wurde er beim Einzug des Sinterklaas in Dordrecht von der Polizei unsanft festgenommen, weil er ein T-Shirt mit der Aufschrift «Zwarte Piet is Racisme» trug. Vermutlich wird sich so schnell nichts ändern. «Zwarte Piet ist nun einmal schwarz», sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte.

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Die meisten Niederländer lieben ihren «Zwarte Piet», den schwarzen Gehilfen des Nikolaus. Doch ein Gericht sieht darin eine negative Darstellung schwarzer Menschen. Die Stadt Amsterdam muss nun ihre vorweihnachtlichen Feierlichkeiten neu überdenken.

Der niederländische «Schwarze Peter», der traditionelle Gehilfe des Nikolaus, stellt nach Ansicht eines Gerichts ein negatives Klischee über schwarze Menschen dar. Die Stadt Amsterdam müsse deshalb ihre Entscheidung neu überdenken, dem «Zwarte Piet» eine Rolle in dem jährlich von Tausenden Kindern besuchten Spektakel um die Ankunft des Nikolaus einzuräumen, ordneten die Richter am Donnerstag an.

Die Figur des «Schwarzen Peters» wird gewöhnlich von weissen Menschen dargestellt, die dafür ihr Gesicht schwarz schminken, die Lippen dick rot anmalen und einen Afro-Look tragen. Dieses Aussehen, kombiniert mit dem Fakt, dass er oftmals als dumm und unterwürfig charakterisiert werde, mache ihn zu einem «negativen Stereotyp von schwarzen Menschen», hiess es in dem Urteil.

Politiker reagieren verärgert, wenn man sie auf Rassismus anspricht

Bereits in zurückliegenden Jahren hatte sich am «Zwarte Piet» eine heftige Debatte über Rassismus in der ehemaligen Kolonialmacht entzündet. Gegner sehen in ihm eine rassistische Karikatur. Doch die meisten Niederländer - rund 80 Prozent sind weiss - halten eisern an der Tradition fest. Ihrer Meinung nach stellt er eine Fantasiefigur dar, die nicht beabsichtige, jemanden zu beleidigen.

In der niederländischen Version der Geschichte kommt der Nikolaus im November mit einem Dampfschiff aus Spanien, begleitet von einer Flotte mit einer Vielzahl Schwarzer Peter an Bord. Während Nikolaus anschliessend auf einem weissen Pferd reitet, begleiten ihn seine Gehilfen und händigen den wartenden Menschen am Strassenrand Kekse aus. Diese Festlichkeiten gipfeln dann in der Nacht des 5. Dezember mit Geschenken.

Bei seiner Entscheidung stützte sich das Gericht auch auf einen Bericht der niederländischen Menschenrechtskommission. Diese kritisierte kürzlich, dass holländische Führungspersönlichkeiten oftmals mit «Verärgerung und Ablehnung» reagierten, wenn es um Fragen des Rassismus gehe. Dabei sei etwa Diskriminierung am Arbeitsplatz gut dokumentiert, hiess es.

(pwe/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Muster am 03.07.2014 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Othello demnach auch!

    Weit haben wirs gebracht!

  • Chasperli am 03.07.2014 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rassismus

    Und wenn der Nikolaus einen "echten" Schwarzen mitnommt ist es nicht mehr Rassismus? Lang lebe die grün-rote Politik!

  • Peter Frei am 03.07.2014 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dumm

    So dumm ist unsere Gesellschaft mittlerweile!

Die neusten Leser-Kommentare

  • virtual am 03.07.2014 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    lachhaft

    lachhaft, einfach lachhaft, wenn es nicht so traurig wäre...

  • mondstern am 03.07.2014 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt doch endlich die Waffenverkäufe!

    Ich hatte als Kind immer Respekt vor dem "Schmutzli" und habe ihn nie mit dunkelhäutigen Menschen in Verbindung gebracht. Es ist doch 1000end Mal wichtiger, dass die Waffenverkäufe in alle Länder der Welt endlich unterbunden werden. Für das sind sie nämlich wieder gut, die "Schwarzen". Um Waffen von Europäern und der USA zu kaufen und damit (Bürger) Kriege zu führen!

  • Peter Frei am 03.07.2014 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dumm

    So dumm ist unsere Gesellschaft mittlerweile!

  • Chasperli am 03.07.2014 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rassismus

    Und wenn der Nikolaus einen "echten" Schwarzen mitnommt ist es nicht mehr Rassismus? Lang lebe die grün-rote Politik!

  • P. Muster am 03.07.2014 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Othello demnach auch!

    Weit haben wirs gebracht!