Im Bann der Kälte

04. Februar 2012 12:00; Akt: 05.02.2012 10:22 Print

Immer mehr Kältetote in Europa

Die heftigsten Schneefälle seit fast 30 Jahren haben den Verkehr in Italien komplett zum Erliegen gebracht, im Balkan wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Dutzende Menschen starben in ganz Europa.

Bildstrecke im Grossformat »
Am 9. Februar steigt die offizielle Anzahl der Kältetoten auf über 500. In der Nacht auf den 7. Februar kamen in Italien wegen der extremen Kälte sieben Menschen ums Leben. Die Stadt Rom stellt 2000 Schlafplätze für Obdachlose zur Verfügung. Seltener Anblick: Das Römer Kolosseum am 4. Februar 2012 im Schneetreiben. Noch seltenerer Anblick: Ein Langläufer im Circus Maximus, ebenfalls in Rom. Seltsam, dass hier der Mann auf den Skiern auf den Auslöser drückt und nicht die Frau gegenüber den erinnerungswürdigen Moment festhält. Gut eingepackt: Frauchen und Hund zeigen sich in Rom gleichermassen wetterfest. Damit das auch für sein Auto gilt, legt ein junger Mann in den schneebedeckten Strassen selber Hand an. Auch Serbien versinkt im Schnee. Im Bild das Schloss Kalamegdan, mitten in Belgrad, am 3. Februar. Da hilft auch ein Bart nicht mehr viel. In Uzice, 200 Kilometer südwestlich von Belgrad, hält ein Mann Ausschau. In Serbien soll wegen der Kälte der Ausnahmezustand ausgerufen werden. Auch im nordfranzösischen Lille liegt Schnee. Allein in der Nacht auf den 3. Februar fielen in der Ukraine 38 Menschen der Kälte zum Opfer. In Athen liegt am 2. Februar 2012 eine dicke Schneeschicht. Seltenes Bild: Die Kathedrale von Siena in Italien, schneebedeckt, am 1. Februar 2012. Die blaue Moschee im türkischen Istanbul ist für einmal eher weiss. Palmen und Schnee. Diese seltene Kombination zeigt sich in der Türkei. Die Suleyman-Moschee in Istanbul muss vom Schnee befreit werden. Spektakuläre Bilder liefert uns ein Reutersfotograf aus dem deutschen Wendelstein bei Bayrischzell Kalt, kalt, kalt: Der Winter hält Europa fest im Griff. Im weissen Kleid präsentierte sich am 1. Februar selbst Nizza. Orangen im Schnee... ...die Palme an der Uferpromenade streckt sich hartnäckig grün in den Himmel. In der Elbe bei Dresden bilden sich Eisschollen Machen sich so klein wie möglich: Enten und ein Schwan in Weissrussland. Schnee liegt auch in Mailand. Schnee und Kälte auch in Genua, aufgenommen am 31. Januar 2012. Schneeräumung im Stadion von Juventus Turin am Montagabend, 30. Januar 2012. Schnee in Sotschi, Russland, Austragungsort der Olympischen Spiele 2014. Mitarbeiter des Roten Kreuzes helfen in Berlin einem Obdachlosen. Der gefrorene Wasserfall von Radau in der Nähe von Bad Harzburg (D). Vom Wind zugeweht und festgefroren. Schnee an der Kirche auf dem Wendelstein in der Nähe von Bayrischzell (D). Die Kältewelle hat auch Griechenland erfasst: In Athen versucht sich einer der 20 000 Obdachlosen zu erwärmen. In der Tat ein weisser Strand: In Südkreta könnte es schon bald wieder so aussehen. Noch kälter ist es in Rumänien, wo das Thermometer am Dienstag gerade einmal noch -27 Grad erreichte. Prekär ist die Lage in der Ukraine: Bereits sind 18 Menschen erfrorer. Auf der Strasse werden deshalb warme Mahlzeiten an Bedürftige abgegeben. In Bulgarien wurden rekordtiefe Temperaturen gemessen. Die Kältewelle fordert in zahlreichen Ländern Opfer: In Serbien sind bereits drei Menschen erfrorern. Russland, hier das Dorf Sliznevo in Taiga, muss Temperaturen von unter minus 30 Grad ertragen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das eisige Winterwetter hat Europa weiter fest im Griff und kostet immer mehr Menschen das Leben. Seit dem Beginn der Kältewelle vor gut einer Woche starben europaweit über 250 Menschen wegen der Kälte - fast die Hälfte davon in der Ukraine.

Das ukrainische Katastrophenschutzministerium teilte am Samstag mit, in den vergangenen acht Tagen seien 122 Kältetote registriert worden. Bei 78 von ihnen handle es sich um Obdachlose, 32 weitere Menschen erfroren in ihren eigenen vier Wänden und 12 Kältetote waren in Spitälern zu beklagen.

Mehr als 2000 Patienten wurden wegen Erfrierungen behandelt. Landesweit wurden 3170 Rettungsposten eingerichtet, wo Bedürftige etwas Warmes zu essen bekommen.

In Polen erfroren erneut sieben Menschen, wie das Innenministerium mitteilte. Damit stieg dort die Zahl der Kältetoten seit Beginn der Frostwelle auf 45. Hinzu kommen sechs Opfer, die an Kohlenmonoxidvergiftungen starben. Zudem kamen vier Obdachlose bei Bränden ums Leben.

In Rumänien erfroren laut Regierung binnen 24 Stunden weitere vier Menschen - seit Beginn des extremen Frosts vor einer Woche waren es damit 28.

Tote auch in Westeuropa

In Italien kamen mindestens acht Menschen wegen durch Kälte und Schnee ums Leben. So wurde ein Mann unweit der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila in seinem vom Schnee blockierten Auto tot aufgefunden.

In Avellino bei Neapel kam eine Frau ums Leben, als ein Treibhaus unter dem Gewicht von Schneemassen zusammenbrach. In Frosinone südlich von Rom stürzte ein Lager für Landwirtschaftsprodukte stürzte unter dem Druck des Schnees ein und erdrückte einen Mann. Ausserdem kamen drei Obdachlose ums Leben.

In Frankreich wurden zwei Alzheimer-Patienten, die ihre Seniorenheime verlassen hatten, erfroren aufgefunden.

Ausnahmezustand in Serbien, Bosnien und Kroatien

In Serbien wurde bereits in fast 30 Gemeinden der Ausnahmezustand ausgerufen. Alle Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollen in dieser Woche geschlossen bleiben. Weil die Hauptstadt Belgrad im Verkehrschaos versinkt, rief die Regierung alle Bürger zur Hilfe auf.

In Montenegro schloss Schnee etwa 90 Menschen 24 Stunden lang in einem Strassentunnel ein. Erst am Samstagmittag konnten die Behörden in der Hauptstadt Podgorica die Befreiung der Betroffenen melden. In einer Schneelawine kam ein Mann in seinem Fahrzeug ums Leben.

Auch in Bosnien fielen ungewöhnlich grosse Mengen Schnee. In der Hauptstadt Sarajevo wurde der Notstand ausgerufen. Die meisten Bewohner konnten ihre Häuser nicht verlassen, die öffentlichen Verkehrsmittel stellten ihren Betrieb ein.

Nach der Kältewelle mit 30 Zentimetern Schnee an der südlichen kroatischen Adria wurde in Dalmatien der Notstand ausgerufen, wie das staatliche Fernsehen in Zagreb berichtete. In der grössten Hafenstadt Split brach der Verkehr zusammen.

Fährunfall in Italien

In Italien führte ein Wintersturm nördlich von Rom zu einem Fährunfall. Ein Schiff, das mit mehr als 300 Menschen an Bord aus dem Hafen von Civitavecchia auslaufen wollte, wurde an ein Dock gedrückt. Verletzt wurde niemand, die Küstenwache holte alle Passagiere von dem beschädigten Schiff.

Wegen des heftigen Schnees kam es zu Stromausfällen in mehreren Teilen des Landes. Mindestens 160'000 Menschen mussten in Mittel- und Süditalien ohne Strom ausharren. In Rom lösten die stärksten Schneefälle seit mehr als 25 Jahren ein Verkehrschaos aus.

Probleme auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz kämpften die Bahnen und die Autofahrer gegen Temperaturen von bis zu 20 Grad unter Null im Flachland. An mehreren Orten kam es wegen Störungen der Gleisanlagen zu Verspätungen im Bahnverkehr.

Und beim Autopannendienst des TCS Schweiz riefen am Samstag bis zum Nachmittag über 8000 Autofahrer und Autofahrerinnen wegen Problemen auf der Strasse an - gemäss TCS ein Rekord.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marko am 04.02.2012 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ostblock schneebedeckt

    Sogar in Montenegro an der Adriaküste hat es geschneit!

    einklappen einklappen
  • Maja am 05.02.2012 04:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kroatien

    Es hat auch in kroatien an der ganzen Adriaküste geschneit! Diese Bilder sind auch ganz toll! Das Meer ist sogar an einigen Orten vereist!!

  • Irena am 05.02.2012 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm!

    So schlimm! Nicht die minus Temperaturen machen mir Sorgen ( immerhin ist es Winter), sondern die vielen Kältetote! Leider ist ein warmes Zuhause noch immer keine Selbstverständlichkeit!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Irena am 05.02.2012 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm!

    So schlimm! Nicht die minus Temperaturen machen mir Sorgen ( immerhin ist es Winter), sondern die vielen Kältetote! Leider ist ein warmes Zuhause noch immer keine Selbstverständlichkeit!

  • Maja am 05.02.2012 04:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kroatien

    Es hat auch in kroatien an der ganzen Adriaküste geschneit! Diese Bilder sind auch ganz toll! Das Meer ist sogar an einigen Orten vereist!!

  • Marko am 04.02.2012 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ostblock schneebedeckt

    Sogar in Montenegro an der Adriaküste hat es geschneit!

    • kadri koxha am 05.02.2012 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Montenegro, schnee, wunder?

      Montenegro ist über 75% Gebirge und das ist ja kein wunder. Montenegro hat Name von seinen Gebirge.

    • H. am 05.02.2012 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schnee

      Vor 2 Wochen hatte es sogar mitten in der Sahara geschneit..800 Km(!) von der Küste entfernt. In Dalmatien hat es ja auch an der Küste geschneit, an der bosnischen Küste übrigens auch.

    • Andreas am 05.02.2012 23:34 Report Diesen Beitrag melden

      Montenegro und Ostblock?!

      Montenegro bzw. Jugoslawien gehörten zu den blockfreien Staaten!

    einklappen einklappen