Skandal in Frankreich

24. Dezember 2011 09:07; Akt: 25.12.2011 05:49 Print

Interpol sucht Chef von Brust-Implantate-Firma

Da die Firma PIP für Brustvergrösserungen ein Billig-Silikongel verwendet hat, sollen 30 000 Frauen ihre Implantate entfernen. Der Chef der Firma soll hierfür zur Rechenschaft gezogen werden.

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Der 72-jährige Jean-Claude Mas wird in Costa Rica wegen Straftaten im Zusammenhang mit «Leben und Gesundheit» gesucht. (Bild: Reuters)

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Interpol hat den Gründer der französischen Brustimplantate-Firma PIP zur weltweiten Fahndung ausgeschrieben. Die in Lyon ansässige internationale Polizeibehörde gab eine sogenannte «Rote Notiz» an ihre Mitgliedsländer heraus, weltweit nach dem 72-jährigen Jean-Claude Mas zu fahnden.

Er werde in Costa Rica wegen Straftaten im Zusammenhang mit «Leben und Gesundheit» gesucht, hiess es am Freitag auf der Internetseite. Einzelheiten über die Anschuldigungen werden dort nicht genannt. Interpol stellte ein Polizeifoto aus dem Juni 2010 ins Internet, auf dem Mas mit einem grauen Bart und Brille zu sehen ist.

In dem Skandal um gesundheitsgefährdende Brustimplantate hatten die französischen Gesundheitsbehörden am Freitag in einem bisher einzigartigen Aufruf rund betroffenen 30 000 Frauen empfohlen, sich die fehlerhaften Silikonkissen der Firma PIP wieder entfernen zu lassen.

Es gebe zwar «bislang kein erhöhtes Krebsrisiko», es sei dennoch ratsam, die Einlagen herausoperieren zu lassen. Der französische Staat bot an, die Kosten für die Entfernung der Implantate zu übernehmen.

Für die meisten Brustimplantate hatte die südfranzösische Firma Poly Implant Prothèse (PIP), die seit 2010 nicht mehr existiert, ein Billig-Silikongel verwendet.

Brasilien empfiehlt Gang zum Arzt

Nach der Empfehlung Frankreichs zur Enfernung der Implantate rieten auch die brasilianischen Gesundheitsbehörden tausenden Frauen zum Arzt zu gehen. Sie sollten sich untersuchen lassen, empfahl die Gesundheitsaufsicht Anvisa. Die Ärzte ihrerseits wurden aufgefordert, mit den Patientinnen Kontakt aufzunehmen.

In Brasilien wurde das fehlerhafte Silikon-Produkt von PIP bis 2010 etwa 25 000 Mal eingesetzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Agência Brasil unter Berufung auf Anvisa berichtete. Allerdings seien bei den zuständigen Behörden bislang keine Probleme registriert worden. Der Vertrieb des Produktes wurde am 1. April 2010 beendet.

(sda)