Detlef S.

21. März 2011 10:37; Akt: 21.03.2011 11:08 Print

Inzest-Vater gibt alles zu

Ein deutscher Familienvater, der seine Tochter und seine Stiefkinder jahrelang missbraucht haben soll, hat vor Gericht überraschend ein umfassendes Geständnis abgelegt.

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Wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs muss der 48-jährige Detlef S. aus Fluterschen in Rheinland-Pfalz für 14 Jahre und sechs Monate in Haft. Das Koblenzer Landgericht ordnete zudem die anschliessende Sicherungsverwahrung des Mannes an. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Detlef S. seine leibliche Tochter, eine Stieftochter und einen Stiefsohn über Jahrzehnte misshandelt und sexuell missbraucht hat. Überraschende Wende im Westerwälder-Missbrauchsprozess: Detlef S. legt unter Tränen ein umfassendes Geständnis ab. Er liess über seinen Rechtsanwalt mitteilen, er habe sich «grundsätzlich falsch verhalten». Er räumte ein, sowohl seine Tochter als auch die Stieftochter zu fremden Männer gefahren, sie zur Prostitution gezwungen und dafür Geld bekommen zu haben. Bislang hatte er nur den sexuellen Missbrauch an seiner leiblichen Tochter zugegeben. Erika S., die Ehefrau des Angeklagten hat ihre Aussage verweigert. Die Frau stand knapp zwei Minuten vor den Richtern. Sie sah zu ihrem Mann, zuckte mit den Schultern, dann verliess sie den Gerichtssaal wieder. Stiefsohn Markus S. berichtet vor Gericht von regelmässigen Gewalttätigkeiten. Er sei mit «verschiedenen Gegenständen» geschlagen worden. Einmal seien die Schläge so heftig ausgefallen, dass sein ganzes Gesicht angeschwollen war. Vom sexuellen Missbrauch seines Stiefvaters gegenüber seiner Schwester Natascha, mit der dieser acht Kinder zeugte, wusste er allerdings nichts. Er könne sich aber erinnern, dass der Stiefvater öfter mit Natascha «unterwegs» war. Sven S. gab vor Gericht an, seit 1987 von Detlef S. sexuell missbraucht worden zu sein. In diesem Haus, mitten im kleinen Dorf Fluterschen, im Westerwald, soll der 48-jährige Detlef S. seine leibliche Tochter und seine beiden Stiefkinder über Jahre hinweg sexuell missbraucht und zum Teil zur Prostitution gezwungen haben. S. wurde in Betzdorf (Kreis Altenkirchen) geboren. Seine Ehefrau ist 52 Jahre alt. Sie ist Mutter seiner vier leiblichen Kinder und hat vier weitere Kinder mit in die Ehe gebracht. Nach eigenen Angaben hat er einen Hauptschulabschluss und etliche Jahre als Lkw-Fahrer gearbeitet. Seit einiger Zeit ist er jedoch arbeitslos und bezieht Hartz IV. Seit dem 10. August 2010 sitzt er in Untersuchungshaft. Der 48-Jährige soll von Herbst 1987 bis Sommer 2010 zwei seiner Stiefkinder sowie seine heute 18-jährige Tochter sexuell missbraucht haben. Zudem soll er die beiden Mädchen zu zwei Männern gebracht haben, die sexuelle Handlungen an ihnen vorgenommen haben. Die 28-jährige Natascha S. ist die Stieftochter von Detlef S., mit der er acht Kinder gezeugt hat. Eines der Kinder ist bereits als Säugling gestorben. Er soll der Anklage zufolge Natascha S. bereits als vier Jahre altes Mädchen missbraucht und später zur Prostitution gezwungen haben. Björn B. ist der Zwillingsbruder von Natascha S. An ihm soll der Stiefvater das erste Mal 1997 sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Zudem soll Detlef S. ihn regelmässig unter anderem mit Gegenständen wie einem Teppichklopfer und einer selbst gebauten Peitsche verprügelt haben. Von der 18-jährigen Jasmin S. gibt es keine Bilder. Sie ist die leibliche Tochter von Detlef S. Durch einen von ihr geschriebenen Brief wurde das Ermittlungsverfahren gegen ihn ausgelöst. S. hatte sie laut Anklage regelmässig sexuell missbraucht. Nach Angaben des Gerichts liegt ein DNA-Gutachten vor, das die Wahrscheinlichkeit einer Vaterschaft des Angeklagten der sieben überlebenden Kinder mit 99,99 Prozent angibt. Die Anklage fordert Sicherungsverwahrung für den Mann.

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Der 48- jährige Detlef S. gibt alle Vorwürfe aus dem Plädoyer der Anklage zu, wie sein Verteidiger am Montag bestätigte. Dabei geht es um rund 160 Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung sowie Beihilfe zu diesen Taten. Opfer waren drei seiner Kinder - eine heute 18-jährige Tochter, eine 27-jährige adoptierte Stieftochter und deren Zwillingsbruder. Beide Töchter soll er zudem an fremde Männer zum Sex verkauft haben.

Der Angeklagte liess vor dem Koblenzer Landgericht über seinen Rechtsanwalt mitteilen, er habe sich «grundsätzlich falsch verhalten».

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete das Geständnis als ein «taktisches Vorgehen» des Mannes. Er zeige keine wirkliche Reue. An der rechtlichen Bewertung habe sich durch das Geständnis nichts geändert. Staatsanwalt und Nebenklage hatten letzte Woche 14 Jahre und 6 Monate Haft mit anschliessender Sicherungsverwahrung für den Angeklagten gefordert.

Dass der 48-Jährige voll schuldfähig ist, hatte ein Gutachter bereits zuvor attestiert und auf das antisoziale und manipulierende Verhalten des Angeklagten hingewiesen. Ein Urteil wird für Dienstag erwartet.

Der Fall hatte deutschlandweit für grosses Aufsehen gesorgt. Dabei war unter anderem das zuständige Jugendamt, das die Familie über Jahre hinweg betreut hatte, in die Kritik geraten. Die Mitarbeiter sollen trotz mehrfacher Hinweise auf Missbrauch in der Familie nicht ausreichend eingegriffen haben.

(sda)