Tiefdruckgebiet über Südeuropa

05. November 2018 09:34; Akt: 05.11.2018 10:48 Print

Erneutes Unwetter bringt noch mehr Regen

Eine Wetterbesserung ist in Italien nicht in Sicht. Bis Donnerstag muss das Land weiterhin mit Regen und Stürmen rechnen.

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In diesem Haus in Sizilien starben mindestens neun Personen. Sie wurden von einer Flutwelle überrascht. Mehrere Millionen Bäume in Italien wurden entwurzelt. Im Fluss Piave treiben abgerissene Baumstämme. Autos, Bäume und auch Teile von Häusern wurden weggeschwemmt. Die Verwüstungen in Veneto sind gross. Aich Ligurien blieb nicht verschont. Hier zu sehen ist Santa Margherita. Rapallo in der Nähe von Genua ist verwüstet. Viele Boote im Hafen von Rapallo sind gesunken. Die Schlechtwetterfront mit Starkregen und Sturmböen lähmt seit Tagen weite Teile Italiens. Wegen der Unwetter wurden in der nordwestlichen Region Ligurien alle Häfen geschlossen. Ankommende Schiffe müssten vor der Küste auf ein Ende des Sturmes warten, teilte Regionalpräsident Giovanni Totti am Montagabend mit. In Venedig löste starker Scirocco-Wind im Zusammenspiel mit Hochwasser in der Lagune die als «Acqua Alta» bekannten Überschwemmungen aus. (29. Oktober 2018) Land unter in Venedig. Der Markusplatz stand 1,56 Meter tief unter Wasser, Restaurants und Bars wurden überflutet. Davide Natale (21) wurde Opfer des Sturms in Italien: In der Nähe von Neapel wurder er von einem Baum erschlagen. Er starb noch im Spital. In der Region Venetien wurden Überschwemmungen und Erdrutsche befürchtet. Schulen in der gesamten Region, in der auch Venedig liegt, blieben am Montag geschlossen. (29. Oktober 2018) In Venedig wurde am Nachmittag ein Hochwasser von 150 Zentimetern erwartet - so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Schon am Sonntag war der Markusplatz überflutet gewesen, die Menschen bewegten sich - wie in solchen Situationen üblich - auf Holzstegen fort. Touristen haben es in Venedig zurzeit nicht leicht. In Norditalien nahe Udine kam es nach Starkregen zu Überflutungen. Auch Rom wurde vom Unwetter getroffen. Der Sturm entwurzelte zahlreiche Bäume. In Rom blieben Schulen und Kindergärten geschlossen, die Menschen sollten nach Möglichkeit zuhause bleiben. Auf der Insel Elba stürzte ein historischer Bergwerks-Steg im Meer ein. (28. Oktober) Im Südtirol ging am vergangenen Sonntag eine Mure auf die Brenner-Autobahn nieder. (28. Oktober 2018) Die wichtige Verkehrsachse zwischen Österreich und Italien musste zwischen Brenner und Sterzing gesperrt werden, wie der Betreiber mitteilte. Ein Orkan hatte im österreichischen Kärnten als Vorbote erwarteter Überflutungen Dächer abgedeckt und rund 1400 Haushalte von der Energieversorgung abgeschnitten. Heftige Unwetter haben auch weite Teile Italiens getroffen: Eine Strasse in Davagna, Genua. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben.

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Für viele Teile Italiens, insbesondere die Regionen Venetien, Piemont und Latium, gilt noch immer die Alarmstufe Orange. Das Tiefdruckgebiet Xenia bleibt vor Sardinien hängen und bringt erneut instabile Strömungen, die zu weiteren Regenfällen führen können, wie«Corriere» berichtet. In Mittelitalien muss auch mit heftigen Sturmböen gerechnet werden.

Aus diesem Grund hat der italienische Zivilschutz eine neue Wetterwarnung herausgegeben. Diese ist ergänzend zu den früheren Warnungen zu verstehen. Am frühen Montagmorgen werden vor allem Regenfälle in Kalabrien und Apulien erwartet.

Mehr Regen und Sturm

Seit Sonntagabend und bis Montagabend ist in Mailand mit andauernden, heftigen Winden zu rechnen. Ausserdem werden in dieser Gegend die Flüsse Seveso und Lambro genauestens überwacht. Für die Region gilt ein Notfallplan, falls die Wetterlage ausser Kontrolle gerät.

Auch am Dienstag ist noch keine Besserung absehbar. Der Regen soll laut «meteo.it» auch dann noch anhalten. Regional ist auch wieder mit Gewittern zu rechnen.

Regen und Sturm bis Donnerstagabend

Cédric Sütterlin, Meteorologe bei Meteonews, sagt zu 20 Minuten: «Bis am Mittwoch dürften in der Region der Dolomiten bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, das ist immer noch erheblich.» Allerdings würde sich die Strömung gegen Westen bewegen. «Wir erwarten dann vor allem in der Gegend um Turin starke Niederschläge von bis zu 200 Liter pro Quadratmeter. Auch Teile der Schweiz wie das Simplon-Gebiet sowie Zermatt oder Saas-Fee dürften betroffen sein», so Sütterlin.

Das schlechte Wetter soll zumindest noch bis Donnerstag anhalten. Erst am Freitag ist auf eine Besserung und einen generell trockenen Tag zu hoffen.

Für die Schweiz besteht laut Sütterlin keine Unwettergefahr. Die Südströmung über den Alpen führe zu kräftigen Niederschlägen im Südwallis, Simplongebiet, Obergoms und Tessin. «Inklusive den Niederschlägen, die in der Nacht auf Montag fielen, kann es in den nächsten Tagen bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter geben, der Niederschlagsschwerpunkt dürfte am Alpenhauptkamm an der Grenze zwischen dem Wallis und dem nördlichen Piemont liegen.» Verteilt auf fünf Tage sei diese Menge aber unproblematisch. «Das kommt jeden Herbst vor.»

Auch kündigen sich laut Sütterlin keine heftigen Stürme an. «Durch den höheren Luftdruck auf der Alpensüdseite weht in den Tälern der Alpennordseite starker bis stürmischer Föhn mit Böen bis 80 km/h, etwa im Urner- und Glarnerland sowie im Rheintal.» Diese seien aber zu schwach, um Schäden zu verursachen. Sütterlin kommt zu folgendem Schluss: «Mit dem Orkantief Vaia von Ende Oktober haben wir das Gröbste hinter uns.»

Erwartete 5-Tages-Niederschlagsmengen gemäss dem Amerikanischen Wettermodell GFS bis am Freitagabend:

(doz/bz)