26. April 2005 17:28; Akt: 26.04.2005 17:33 Print

Jahrhundertflut in Rumänien

Eine Jahrhundertflut hat den Westen Rumäniens heimgesucht. In der Region Banat überflutete das Hochwasser zahlreiche Dörfer, tausende Menschen verloren ihr Hab und Gut.

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Im benachbarten Serbien droht Seuchengefahr durch angeschwemmte Tierkadaver.

Die Katastrophe begann vor einer Woche in Westrumänien, als Dauerregen und Schneeschmelze die Flüsse über die Ufer treten liessen. Am Dienstag wurden in der Kleinstadt Arad weitere 200 Häuser von den Wassermassen erfasst.

Rund 2200 Menschen wurden in Rumänien in den vergangenen drei Tagen in Sicherheit gebracht. Berichte über Tote oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Zuletzt standen 80 000 Hektaren Ackerland unter Wasser.

Der rumänische Staatspräsident Traian Basescu reiste am Dienstag aus Luxemburg, wo er am Vorabend den EU-Beitrittsvertrag unterzeichnet hatte, in das Katastrophengebiet in der Flachlandregion bei Timisoara. Er sagte Hilfen in Höhe von 100 Millionen Franken zu.

Viele Bauern weigerten sich, ihre von den Wassermassen bedrohten Höfe zu verlassen. Daraufhin erklärte der Präfekt des Kreises Timis offiziell den Notstand in der Region. Dies erlaubt den Behörden, die Menschen auch mit Gewalt zu retten.

Ende noch nicht absehbar

Der Schaden geht in die Millionen. Die letzte derartige Flut soll es laut Chroniken vor 120 Jahren gegeben haben.

Entwarnung ist vorerst nicht in Sicht: Die Meteorologen rechnen mit weiterem, heftigem Regen und mit Schneeschmelze. Die Behörden gehen von erneut ansteigenden Wasserständen an den Flüssen Timis und Bega im Banat sowie an den nördlicher gelegenen Gebirgsflüssen Mures, Somes und Cris aus.

Selbst wenn der Regen aufhören sollte, würde es drei bis vier Wochen dauern, bis sich das Wasser zurückzieht, erläutern Spezialisten. Der Boden im flachen Banat neigt zur Sumpfbildung.

Hochwasser bis nach Serbien

Rumänische Hochwasser-Experten reisten zu Beratungen mit ihren Kollegen nach Serbien, um Möglichkeiten zur Schadensbegrenzung zu erkunden. Die Banater Flüsse Bega und Timis durchqueren Ostserbien und münden dort in die Donau.

Unterdessen weitete sich die Flutwelle bis in den Nordosten Serbiens aus. Tausende Schweine, Kühe und andere Tiere verendeten im Hochwasser. Regierungschef Vojislav Kostunica besuchte das Katastrophengebiet und versprach sofortige Hilfen.

An mehreren Stellen durchbrachen die Flutwellen die Dämme, Armee- und Gendarmerieeinheiten wurden zur Hilfe gerufen. Mehr als 30 000 Hektaren Ackerland standen unter Wasser, mehr als 500 Häuser und Gehöfte wurden vollkommen zerstört.

Kloster Eberbach beschädigt

In Deutschland wurde das durch den Film «Der Name der Rose» bekannte historische Kloster Eberbach in Eltville im Rheingau überflutet. Am Baudenkmal sei Schaden in bisher nicht schätzbarer Höhe entstanden, teilte die Stiftung Kloster Eberbach mit.

In dem mächtigen Bau aus dem 12. Jahrhundert mit malerischem Kreuzgang, Klosterkirche und düsterem Refektorium waren 1985 Teile des Klosterkrimis nach dem Roman von Umberto Eco gedreht worden. Auch in Teilen Bayerns traten nach heftigen Regenfällen mehrere Flüsse über die Ufer.

(sda)