Am Tag danach

12. März 2011 10:04; Akt: 12.03.2011 10:52 Print

Japan bietet ein Bild der Verwüstung

Einen Tag nach dem Tsunami an der Ostküste Japans steht in vielen Strassen noch das Wasser. Nach wie vor gibt es keinen Strom und das Telefonnetz ist ausser Betrieb.

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Die Universität Sheffield hat eine interessante Grafik veröffentlicht, in welcher die Welt nach dem Erdbebenrisiko gewichtet zeigt (). Die Situation in den 2400 Evakuierungszentren wird prekär: Wasser, Heizöl und Essen müssen rationiert werden. In vielen Dörfern, in denen keine Evakuierungszentren eingerichtet werden können, ziehen die Nachbarn zusammen. Damit sparen sie Energie beim Kochen und je mehr Menschen sich in den Wohnräumen aufhalten, umso höher ist die Raumtemperatur. Viele Japaner besorgen Esswaren auf provisorischen Märkten. «Ich nehme das, was es gibt», sagt eine ältere Frau, «und bin für alles dankbar.» In einigen vom Tsunami betroffenen Städten wurden die Strassen frei geräumt - nun kann effizienter evakuiert werden. Im Katastrophegebiet erschweren derzeit Schneeschauer die Rettungsarbeiten. Rettungskräfte kämpfen sich mühsam durch die überflutete Einöde. Sie suchen weiter nach Überlebenden, obwohl die Chancen mit jeder Minute sinken. «Der starke Verwesungsgeruch und das dreckige Meerwasser machen die Suche extrem schwierig», sagt Helfer Yin Guanghui. Als sei die Lage nicht schon schlimm genug, liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. An vielen Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Die Menschen decken sich dort mit Heizöl ein. Die Zerstörung der Stadt Itsuchi in der Präfektur Iwate. Die Stadt existiert nicht mehr. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - dem Erdboden gleich. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - nichts bleibt übrig nach dem Tsunami. Sendai wurde vom Tsunami am härtesten getroffen. Eine Frau aus Miyako hat ihre Mutter und ihren dreijährigen Sohn verloren. Die toten Körper wurden im Haus gefunden. Eine Frau und ihre Tante in tiefer Trauer, als sie sich nach dem Erdbeben und Tsunami wieder treffen. Ein Schulzimmer in Otsuchi. Angestellte einer Firma geschockt, als sie ihren Arbeitsplatz wiedersehen in Minamisanriku, Miyagi. Überlebende vor den Toten in Rikuzentakata. Eine Harley Davidson sitzt auf Trümmern in Soma in der Präfektur Fukushima. Eine alte Frau kehrt zurück nach Hause - oder was davon übrig geblieben ist - in Otsuchi. Die Stadt Otsuchi - nichts bleibt übrig. Das Wasser ist hochgradig verschmutzt in Fudai. Schiffe in Kesennuma sind dort, wo sie nicht sein sollten. Der Tsunami beförderte Boote weit ins Landesinnere. Auch grosse Schiffe wurden von der Flutwelle wie Spielzeuge mitgerissen. Überlebende des Erdbebens versuchen, sich über die Dächer der eingestürzten Häuser in Sicherheit zu bringen. Nach wie vor wird fieberhaft nach Überlebenden des Tsunami gesucht. Die Flutwelle brachte meterhoch Schlamm in die Küstengebiete, was die Arbeit der Helfer erschwert. Trauer und Verzweiflung in Japan: Vielfach können Menschen nur noch tot geborgen werden. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist schwierig. Wo es noch Waren gibt, bilden sich endlose Menschenschlangen. In Japan bilden sich derweil Schlangen vor den Supermärkten. Die Regale sind aber praktisch leer. Hunderttausende wurden aus den gefährdeten Gebieten evakuiert. Sie müssen in temporär eingerichteten Warteräumen übernachten. Einen Tag nach dem schweren Beben bietet die Stadt Sendai ein Bild der Verwüstung. Überall sind die Spuren der Verwüstung zu sehen. Die Strassen sind kaputt oder voller Schlamm. Die Welle drang bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere ein. Kaputte Autos liegen herum, ... ... sogar Kleinflugzeuge. Angesichts Tausender Vermisster hat die japanische Regierung am 12. März 2011 ein grosses Militäraufgebot für Rettungsaktionen abgestellt. Hierzu sind 50 000 Soldaten für die Rettung von Überlebenden mobilisiert worden. Zahlreiche Städte und Dörfer entlang eines 2100 Kilometer langen Küstenabschnitts im Nordosten Japans sind betroffen. Mit der Flutwelle sind ganze Zugkompositionen weggeschwemmt worden. Die zuständige Eisenbahngesellschaft erklärte, sie wisse nicht, wie viele Menschen sich in den Zügen befunden hätten. In vielen Strassen an der Ostküste steht noch das Wasser. Rettungskräfte sind mit Booten unterwegs. Hunderte Menschen warten geduldig vor den wenigen Supermärkten, die wieder geöffnet haben, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Auf Luftaufnahmen war zu sehen, wie Helikopter der Armee mit Leinen verzweifelte Menschen von Dächern ... ... und aus Hausruinen bargen. Dafür waren 190 Militärflugzeuge und Helikopter ... ... sowie 25 Schiffe in die von dem Erdbeben betroffenen Gebiete unterwegs. Wegen zerstörten Zufahrtsstrassen haben Rettungskräfte bislang nicht zum Küstenstreifen vordringen können. In weiten Teilen Nordjapans hat das Erdbeben schwere Schäden angerichtet. Die Flutwelle erreichte eine Höhe von zehn Metern. Eine unbekannte Zahl von Opfern ist vermutlich von herabfallendem Mauerwerk verschüttet worden. Der Tsunami riss Schiffe, ... ... Autos, ... ... Container am Hafen, ... ... ganze Gebäude ... ... und tonnenweise Schutt und Geröll mit sich. Eine Retterin in Kesennuma.

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Naomi Ishizawa hatte Glück im Unglück: Der Tsunami schwappte bis knapp vor ihr Haus in einem Vorort der nordjapanischen Stadt Sendai. Nur die Wände im Schlafzimmer und im Badezimmer stürzten ein. Ihre Eltern, die zum Zeitpunkt des verheerenden Erdbebens zu Hause waren, kamen mit dem Schrecken davon. Die 24-jährige Verkäuferin brauchte Stunden, bis sie von der Arbeit im Stadtzentrum zu Hause ankam und sich das Ausmass der Schäden anschauen konnte: Einen Tag nach dem schweren Beben bietet Sendai ein Bild der Verwüstung.

Etwa 130 Kilometer vor der Küste der Millionenstadt lag das Epizentrum des schweren Bebens, das den Tsunami auslöste. Die Welle drang bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere ein; überall in Sendai sind die Spuren der Verwüstung zu sehen: Die Strassen sind voller Schlamm, kaputte Autos liegen herum, sogar Kleinflugzeuge; Bäume wurden entwurzelt. Überall zeugen Gegenstände von Leben, das ausgelöscht worden ist: Ein Piano, ein Buch, ein zerrissener roter Schlafsack. Mehrere hundert Menschen sind in Sendai ums Leben gekommen, die genaue Zahl steht noch nicht fest.

Militär an Rettungsaktionen beteiligt

In vielen Strassen steht noch das Wasser, Rettungskräfte sind mit Booten unterwegs. Nach wie vor gibt es keinen Strom, auch das Telefonnetz ist zusammengebrochen. Hunderte Menschen warten geduldig vor den wenigen Supermärkten, die am Samstag wieder geöffnet haben, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Auch vor Tankstellen drängen sich Kunden.

Ein Lebensmittelmarkt fünf Kilometer von der Küste entfernt ist geöffnet, obwohl es keinen Strom gibt und der Fussboden mit Schlamm bedeckt ist. «Das Wasser floss von allen Seiten hinein», erinnert sich Ladenbesitzer Wakio Fushima an die Katastrophe am Tag zuvor. «Autos trieben vorbei.» Die meisten seiner Kunden versorgen sich mit Getränken und Fertiggerichten; ihnen ist klar, dass es sehr lange dauern wird, bis wieder Normalität einkehrt.

Viele übernachteten unter freiem Himmel

Viele sind nur knapp mit dem Leben davongekommen: «Der Tsunami war unglaublich schnell», erzählt der 34-jährige Lkw-Fahrer Koichi Takairin. Er sass in seinem Fahrzeug, als das Wasser kam. «Kleinere Autos trieben an mir vorbei. Ich konnte nichts tun als in meinem Lastwagen zu sitzen und zu warten.»

Die Nacht verbrachte er in einer öffentlichen Unterkunft. Andere übernachteten draussen, schliefen im Freien oder liefen durch die Strassen, um das Geschehene zu verarbeiten. Viele konnten auch nicht nach Hause, weil die Strassen unpassierbar waren, ihre Unterkunft zerstört oder beschädigt ist.

Zahlreiche Nachbeben

Ein Elektronikladen sieht von weitem so aus, als sei er unversehrt geblieben. Der Eindruck täuscht: Die Wände sind eingestürzt, die Ware - Fernsehgeräte, Lüfter, Klimaanlagen - liegt beschädigt auf dem Boden. Das Erdbeben löste überdies die Sprinkleranlage aus, so dass alles voller Wasser ist. «Um uns herum stürzte die Decke ein», erinnert sich der Angestellte Hiroyuki Kamada. «Der Boden wackelte, so dass wir uns nicht auf den Beinen halten konnten. Nach drei oder vier Minuten wurde es besser, und wir flüchteten uns ins Freie.»

Trotz des Chaos' geben Mitarbeiter an Kunden Batterien, Taschenlampen und Handy-Zubehör aus. Trotz zahlreicher Nachbeben warten die Menschen geduldig, bis sie an der Reihe sind. Panik gibt es nicht.

Aber die Sorge ist gross, vor allem bei denjenigen, die Angehörige ausserhalb haben. Die Kontaktaufnahme ist schwierig. Auch Naomi Ishizawa hat vergeblich versucht, Verwandte zu erreichen. «Mein Onkel und seine Familie wohnen in der Nähe der Küste, sagt sie. «Wir wissen nicht, was mit ihnen ist.»

(ap)