Morbider Charme

04. Dezember 2011 21:09; Akt: 05.12.2011 20:06 Print

Japans Geisterinsel

Hashima war einst eine Kohlegrube im Meer, bevor 1974 die Förderung eingestellt wurde. Anschliessend verrottete die Insel in 35 Jahren zu einem Industriedenkmal, das heute Touristen anzieht.

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Willkommen auf Japans Geisterinsel Hashima. Wen die Behörden bis vor zwei Jahren dort erwischten, musste 30 Tage ins Gefängnis. Seit 1974 ... … rottet Gunkanshima, wie die «Schlachtschiff-Insel» auch genannt wird, vor sich hin. Von 1887 bis 1974 wurde hier, etwa eine Stunde Bootsfahrt von Nagasaki entfernt, Kohle abgebaut. Bis dato war dieser 1,2 Quadratkilometer grosse Flecken Erde der wohl am dichtesten besiedelte Punkt der Welt. Über 5000 Menschen lebten hier, bis «Mitsubishi Motors» wegen der sinkenden Kohle-Preise die Förderung aufgab. Kaum fiel die Arbeit weg, verliessen die Menschen die Insel wie Ratten das sinkende Schiff. Am 15. Januar 1974 wurde die Arbeit eingestellt und schon am 20. April verliess das letzte Schiff Hashima. Weil sämtliche Gebäude stark einsturzgefährdet sind, war das Betreten bis 2009 verboten. Die Fassaden der Häuser sind in bald 30 Jahren wie abgeblättert. Eng an eng stehen die Gebäude, in denen illegale Besucher immer noch jede Menge Hausrat finden - von Dreirädern über Poster bis zu Schuhen. Singles wurden knapp zehn Quadratmeter grosse Wohnungen zugewiesen, Familien standen 20 Quadratmeter zur Verfügung. Toilette, Bad und Küche waren Gemeinschaftsräume. Ursprünglich war die Insel 120 mal 320 Meter gross, wurde aber auf 160 mal 480 Meter ausgebaut, was 6,3 Hektar Fläche entspricht. Auch unterirdisch wurde gebaut. Elektrizität und Wasser kamen über See-Leitungen vom Festland. Seinen Beinamen Gunkanjima bekam die «Schlachtschiff-Insel», nachdem die zwischen acht und zehn Meter hohe Schutzmauer 1921 fertig gestellt wurde. Nie wurde auf Hashima mehr gefördert, als während des Zweiten Weltkriegs. 410 000 Tonnen Kohle wurde 1941 dem Seeboden abgerungen, was aber auch mit der Beschäftigung chinesischer und koreanischer Zwangsarbeiter zu tun hat. 1300 von ihnen sollen auf der Insel ihr Leben gelassen haben. Nach dem Krieg musste «Mitsubishi Motors» die Anreize stark erhöhen, um genug Arbeiter auf die Insel zu locken. Miete und laufende Kosten übernahm der Konzern, ... ... der ausserdem ein Bordell, eine Bowlingbahn und ein Kino bauen liess. Kindergarten, Krankenhaus, 25 Einkaufsläden sowie Tempel-Anlagen sorgten dafür, dass auch die Familien keinen Inselkoller bekamen. Das zuletzt gebaute der 70 Gebäude war das Gymnasium des Eilands, das 1970 fertig gestellt wurde. Seit 2003 gehört die Insel zu Nagasaki, das das touristische Potenzial der Industrieruine erkannt hat und seit April 2009 Besucher nach Hashima bringt. Ausserdem wurde die Geisterinsel auf die Kandidatenliste des UNESCO-Weltkulturerbe gesetzt.

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Rund 500 Inseln gehören zur Präfektur Nagasaki und darunter ist ein Eiland, das den Spitznamen «Schlachtschiff-Insel» trägt. Von 1887 bis 1974 wurde hier Kohle gewonnen, doch mit den Grubenarbeitern verliessen alle Menschen den 6,3 Hektar grossen Flecken Erde. Seit 2009 gilt sie als Touristenattraktion, die gerade wegen ihres Verfalls ein Hingucker ist, wie obige Bildstrecke zeigt.

(phi)