Erschreckender Bericht

17. April 2015 08:22; Akt: 17.04.2015 10:34 Print

Jede ÖV-Nutzerin in Paris wurde sexuell belästigt

Begrapschen, Beleidigungen oder lüsterne Blicke. 100 Prozent der Pariserinnen, die mit dem ÖV fahren, wurden schon einmal Opfer von sexueller Belästigung. Jetzt will die Regierung handeln.

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Metro-Passagiere am Bahnhof Montparnasse in Paris. (Bild: Keystone/Horacio Villalobos)

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Jede einzelne Nutzerin des öffentlichen Nahverkehrs im Grossraum Paris ist schon einmal Opfer sexueller Belästigung geworden. Besonders junge Frauen sind von Belästigungen betroffen, in der Hälfte der Fälle sogar schon vor ihrem 18. Geburtstag.

Dies geht aus einem Bericht des Hohen Rates für Gleichheit zwischen Männern und Frauen hervor, der am Donnerstag der französischen Regierung übergeben wurde. Diese versprach, «entschiedene Massnahmen» gegen die aufgelisteten Übergriffe wie Begrapschen, Beleidigungen oder lüsterne Blicke einzuleiten.

Übergriffe häufiger am Tag als am Abend

Sechzig Prozent der 600 befragten Frauen berichteten laut dem Bericht, dass sie fürchteten, in den Verkehrsmitteln überfallen oder ausgeraubt zu werden, während nur dreissig Prozent der Männer derartige Ängste äusserten.

In ganz Frankreich seien vor allem Busse und Schulbusse Schauplätze von Belästigungen und sexueller Gewalt. Zudem seien Übergriffe am Tag häufiger als am Abend, konstatierte der Hohe Rat und empfahl angesichts der Zustände einen nationalen Aktionsplan.

«Schweigen brechen»

Der Rat forderte, das «Schweigen» müsse «gebrochen» werden. Die Ratsvorsitzende gestand ein, sie habe keine Vorstellung davon gehabt, dass die Lage für die Frauen «derart gravierend und erdrückend ist». Vor allem sei es notwendig, für eine bessere Kenntnis der Mittel zur Alarmierung des Sicherheitspersonals zu sorgen.

Auch sei es empfehlenswert, den Bustransport durch mehr Wunschhaltestellen und dichtere Fahrpläne besser zu organisieren und so vor allem Alleinreisenden in der Nacht mehr Sicherheit zu bieten, hiess es in dem Bericht.

Frankreichs Ministerin für Soziales, Marisol Touraine, kündigte für die kommenden Wochen «entschiedene Massnahmen» an. Es sei nicht hinnehmbar, dass Frauen die Nahverkehrsmittel nicht nutzen können, «ohne behelligt zu werden».

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Blinde Kuh am 17.04.2015 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Hey Mann, was guscht Du

    Wenn ein lüsterner Blick bereits eine sexuelle Belästigung ist, geschieht dies nicht nur in Paris und in der U-Bahn. Dann geschieht dies überall und bei allen Frauen. Für dieses Problem werden in Zukunft speziell geschulte Sittenwächter Pupillenkontrollen machen. Liebe Männer. Ihr habt nur noch 2 Möglichkeiten. Ist die Frau attraktiv und eure Pupillen weiten sich, werdet ihr für Eure Lüsternheit bestraft, ist Sie potthässlich und ihr wendet den Blick von ihr ab, werdet ihr wegen Diskriminierung zur Rechenschaft gezogen. Aehm, das vorbeugende Tragen von Augenbinden ist nicht gestattet.

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  • Hans am 17.04.2015 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt wird´s spannend !

    "lüsterne Blicke, aber auch abschätzige Blicke". Wie wollen sie das qauntifizieren. Was der einten Frau ein Kompliment ist der anderen bereits eine Vergewaltigung. Es gibt auch Blicke von Frauen gegen Männer, auf beide Arten. Am Ende werden wohl Männer und Frauen alle im Totalschleier wie in Afghanistan herumlaufen.

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  • friedel am 17.04.2015 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Weltfremde Interpretationen

    "Lüsterne Blicke" zählen zu sexueller Belästigung? Da hilft wohl nur noch eines, allen heterosexuellen Männern die Augen entfernen und diese bei einem #yesallwimyn-Festival auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen. Danach Tonnen von Büchern verkaufen, warum Männer einen nicht mehr beachten. Zudem, wenn es in einem Abteil eng wird, berührt man sich, und ich möchte nicht wissen, wie viele eine zufällige bzw. durch Platzmangel hergeführte Berührung als "Begrapschen" bewerten. Das Ganze ist wieder mal sinnloser Gendering-Quark hoch zehn, aber das ist die heutige "Politik".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Damian am 18.04.2015 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männer werden oft belästigt

    Hatte eine Arbeitgeberin, die wollte mich in der Pause immer privat treffen / Bin vor Gericht gegangen, der Richter hat mich nur ausgelacht

  • prey am 18.04.2015 03:04 Report Diesen Beitrag melden

    der grosse Unterschied

    95% der Leser scheinen den Unterschied nicht zu kennen zwischen Anschauen und Gaffen. Zur Definition: Wenn ich jemanden angucke, dann aus Neugier oder Interesse, manchmal freundlich oder neutral, aber nie aufdringlich oder unhöflich lange. Das ist absolut okay und viele mögen das auch. Wenn ich jemanden angaffe oder beglotze, dann ist das penetrant, manchmal mit offenem Mund oder Leck Gesten und über einen unangenehm langen Zeitraum. Warum ist das Belästigung? Weil man sich bedroht fühlen kann, wenn man fixiert wird. Was wird er tun? Wird er mir folgen? Wird er mich anfassen oder angreifen?

  • Goldacher am 17.04.2015 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonnenbrille

    Am besten ziehen wir eine spiegelnde oder von außen die Augen nicht erkennbare Brille an. So können wir in Zukunft normal schauen ohne angeklagt zu werden.

  • Puppilein am 17.04.2015 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paris - London - New York

    Franzosen sind ziemlich filigran, Männer und Frauen und die Damen kommen in Paris sehr weiblich, ja, in unseren Augen manchmal auch aufreizend daher, selbst wenn sie zur Arbeit fahren. In London sind dagegen die Männer richtige Augenweiden und die Frauen wirken viel natürlicher und wärmer und verhalten sich auch so. Richtig schön ist das.

  • Läreli79 am 17.04.2015 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verschieden...

    was mir auffällt: bin meist mit meiner besten freundin (blond, gut aber 'normal' gekleidet) unterwegs. sie wird so krass angemacht. sie weiss sich zu wehren. jedoch, auch bei lieb gemeinten anmachen reagiert sie oberzickig - was mir oft peinlich ist. ich daneben gehe unter. ich werde auch angemacht, aber es fällt mir wohl 'weniger auf'... mir fällt vielleicht nicht mal ein lieb versuchter flirt auf. belästigung aber sicher. und da bin ich deutlich. und nein, das heisst nicht, dass ich angestarrt werden will, noch besondere aufmerksamkeit mag. denkt darüber nach.