Drama in spanischer Kirche

04. Oktober 2011 12:53; Akt: 04.10.2011 13:25 Print

Jetzt ist auch das gerettete Baby tot

Ihm war kein langes Leben beschieden: Vier Tage, nachdem eine Nothelferin ein Baby per Kaiserschnitt aus dem Bauch einer erschossenen Frau geholt hatte, ist dieses nun ebenfalls gestorben.

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Der Säugling hatte keine Chance. Vergangenen Donnerstag war die hochschwangere Mutter des noch ungeborenen Kindes bei einer Horrortat in der Kirche Santa Maria del Pinar in Madrid erschossen worden. Das Kind der 36-jährigen Spanierin konnte mittels Kaiserschnitt gerettet werden. Eine Nothelferin hat das Baby innert weniger Minuten auf die Welt geholt. Doch dem kleinen Jungen wurden keine hohen Überlebenschancen eingeräumt, weil er zu Beginn nicht geatmet und Verletzungen am Kopf aufgewiesen hatte. Nun ist der Säugling am Montagnachmittag verstorben, wie das Krankenhaus La Paz in Madrid erklärte. Eine Todesursache wurde auf Wunsch seiner Familie nicht mitgeteilt.

Die 36-jährige Mutter des Kindes war von einem Mann während des Gottesdienstes in einer Kirche getötet worden. Der Attentäter verletzte noch eine weitere Frau, bevor er sich vor dem Altar das Leben nahm.

Mittlerweile ist klar: Der Täter hatte keinerlei Verbindungen zu seinen Opfern, wie spanische Nachrichtenagenturen berichten. Er kannte weder die Frau, die er getötet, noch diejenige, die er verletzt hatte. Auch die beiden Opfer hatten untereinander keine Verbindung. Die Verletzte liegt noch im Krankenhaus, sei allerdings ausser Lebensgefahr.

Täter ist ein Sozialfall

Allerdings habe der Täter eine Ex-Freundin, die ebenfalls kurz vor der Entbindung eines Babys stehe, wie die Agenturen zu berichten wissen. Diese ist mit dem Mann nicht mehr zusammen, hat gegen ihn gar eine einstweilige Verfügung erlassen. Er durfte sich der Frau nicht mehr nähern.

Der Mann war der spanischen Polizei schon länger bekannt: Seit zwölf Jahren ist er ein Sozialfall und wegen Drogendelikten und kleineren Raubüberfällen aktenkundig. Seit einem halben Jahr lebte der Täter zudem auf der Strasse, übernachtete in Notschlafstellen.

Der Vater des Kindes, welches nun seinen Verletzungen erlag, ist am Boden zerstört. Doch selbst wenn der Säugling überlebt hätte, hätte er sicherlich mit schweren Behinderungen leben müssen. Bevor er per Notfall-Kaiserschnitt auf die Welt geholt wurde, bekam er während einer vollen Viertelstunde keinen Sauerstoff.

(jam/sda)