Skandal in Frankreich

12. Februar 2019 20:40; Akt: 12.02.2019 20:40 Print

Journalisten mobbten Frauen auf Facebook

In der frauenhassenden Facebook-Gruppe «Ligue du LOL» haben Medienschaffende in Frankreich jahrelang Frauen gemobbt. Nun sind die ersten Männer ihre Job los.

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In Frankreich haben einige einflussreiche Journalisten, Chefredaktoren, Grafikdesigner und Informatiker wegen der von ihnen betriebenen sexistischen Facebook-Gruppe «Ligue du LOL» ihren Job verloren. In dem im 2009 gegründeten Boy-Club wurden Frauen sexistisch beleidigt und Vergewaltigungen verharmlost.

Mehrere Mobbingopfer erzählen nun in sozialen Netzwerken von ihren Erfahrungen. Mélanie Wanga, Gründerin des Podcasts «Pop Tchip», schrieb über rassistische und sexistische Belästigungen, die sie durch «weisse Pariser Journalisten» erlitten habe. In einem Interview mit «Slate» sagten Wanga und die Journalistin Lucile Bellan: «Wir sind zu Schlagbällen der LOL-Liga geworden.»

Trolle teilten gegen alle Frauen aus

Die Schriftstellerin Daria Marx schildert in ihrem Blog, wie sie die Troll-Attacken auf Twitter erlebt hat. «Ich war dick, ich war eine Frau, ich war Feministin. Das reichte, damit sie mich auslachten. Ich fühlte mich, als würde ich vor einem Scharfschützen davonlaufen, glücklich, den virtuellen Kugeln einer verrückten Armee zu entkommen», sagt die junge Frau, die gegen den Hass auf Dicke kämpft. «Mit jedem Tweet, mit jedem geteilten Foto fürchtete ich, niedergemacht zu werden.» Ihr sei bewusst gewesen, dass sie für jede Meinungsäusserung bezahlen müsse.

Die ehemalige Beauty-Bloggerin Capucine Piot berichtete auf Twitter, wie sie im Internet «jahrelang» das Ziel gehässiger Foto- oder Videomontagen gewesen sei. «Ich verliess Twitter, weil ich die Hassbotschaften nicht mehr ertrug. Irgendwann war ich überzeugt davon, wertlos zu sein. Ich kam an einen Punkt, an dem ich mich selbst hasste, ich hatte dunkle Ideen.»

Die Filmemacherin Florence Porcel sagte in einem Interview im Portal «Lyon Capitale»: «Ich habe drei Tage lang geweint, vor Angst, Schande und Erniedrigung.» Sie habe kürzlich mit dem Mann, der sich im Jahr 2000 mit einer peinlichen Fotomontage über sie lustig gemacht hatte, gesprochen. Es handelt sich dabei um den Chefredaktor des Musik- und Kulturmagazins «Les Inrockuptibles», David Doucet. «Er hat mit mir den Dialog gesucht. Es ist ein erster Schritt, aber ich bin nicht bereit, ihm dafür zu verzeihen», so Porcel.

Gründer wollte «einfach Spass haben»

Die Zeitung Libération hatte am Freitag erstmals über die Facebook-Gruppe berichtet. Auf Twitter tauchte nach dem Bekanntwerden des Skandals eine Liste der 35 Mitglieder der «Ligue du LOL» auf, samt Twitter-Nutzernamen und den Arbeitgebern der Männer.

Der Gründer der Gruppe, Vincent Glad, wurde am Montag als Mitarbeiter von «Libération» suspendiert, ebenso der Online-Chef der Zeitung, Alexandre Hervaud. Auch das «Brain Magazine» beendete die Zusammenarbeit mit Glad. Der «Inrockuptibles»-Chefredaktor David Doucet wurde ebenfalls beurlaubt.

Glad äusserte sich am Sonntag zu seiner LOL-Liga: «Es war nicht das Ziel der Gruppe, Frauen zu belästigen, sondern einfach Spass zu haben», schrieb er in einer Stellungnahme auf Twitter. «Aber schnell ist unsere Art, Spass zu haben, sehr problematisch geworden.» Die sozialen Netzwerke seien für ihn «eine Art Spielplatz» gewesen – das Ausmass sei ihm erst jetzt bewusst geworden.



(kle/afp)