13. Dezember 2006 10:59; Akt: 13.12.2006 22:01 Print

Jugendstudie: Saufen und Prügeln gehen Hand in Hand

20 Prozent der jugendlichen Schweizer trinkt deutlich über den Durst. Und während den Räuschen kommt es immer öfter zu Schlägereien. Mädchen sind auf den Mix von Alkohol und Prügelei noch anfälliger als die Jungs.

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Rauschtrinkende Jugendliche sind laut einer am Mittwoch veröffentlichten SFA-Studie deutlich gewalttätiger als ihre nichttrinkenden Altersgenossen. Rund ein Drittel der von Jungen verübten Gewalttaten sind alkoholbedingt. Bei den Mädchen sind es sogar zwei Drittel.

Dies geht aus einer gross angelegten Studie hervor, die die Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) durchführen liess. 7000 13- bis 17-Jährige wurden befragt.

Dabei zeigt sich ein problematisch hoher Alkoholkonsum bei 20 Prozent der Befragten. Dieser Fünftel gab an, sich im Monat vor der Befragung mindestens zweimal einen Rausch angetrunken zu haben und generell fast jeden Monat Alkohol zu trinken. Dabei sind die Jungen mit 25 Prozent deutlich stärker vertreten als die Mädchen mit 15 Prozent.

Die Befragung zeigt zudem, dass pro Schulklasse im Durchschnitt fast jede Woche ein körperlicher Gewaltakt begangen wird. Es handelt sich dabei um Einzel- oder Gruppenkämpfe oder um Schikane. Die Jungen üben dabei fast zwei Mal mehr Gewalt aus als die Mädchen, sie sind aber auch häufiger von Gewalt betroffen.

Betrunkene Mädchen prügeln sich öfter als die Jungs

Zwar gibt die Studie keinen Aufschluss darüber, ob Gewalt unter dem Einfluss von Alkohol ausgeübt wird. Epidemiologische Formel erlaubten jedoch die Einschätzung, ob die Gewalt entstanden wäre, wenn kein Alkohol involviert gewesen wäre. Entsprechende Einschätzungen deuten daraufhin, dass bei Jungen durchschnittlich ein körperlicher Gewaltakt pro Monat und pro Klasse alkoholbedingt ist. Bei den Mädchen sind es rund drei Gewaltakte.

Zwar ist die absolute Zahl der Akte bei den Mädchen geringer, anteilsmässig spielt der Alkohol laut der SFA bei ihnen aber eine wesentlich grössere Rolle. Als Grund dafür wird die höhere Hemmschwelle zur Gewaltausübung bei Mädchen genannt. Die Enthemmung durch Alkohol kommt laut der SFA dabei stärker zum Tragen.

Laut der SFA-Studie entfällt auf die Gruppe der Jungen mit problematischem Alkoholkonsum 50 bis 60 Prozent aller verübten Gewaltakte. Die 15 Prozent der Mädchen mit problematischem Konsum begehen 40 bis 50 Prozent der durch Mädchen verübten Gewalt.

Jugendliche mit einem problematischen Alkoholkonsum sind auch in anderen Bereichen verhaltensauffällig. Sie sind häufiger mit ihren Eltern unzufrieden, schwänzen häufiger die Schule, haben risikoreichere Sexualkontakte und kiffen sowie rauchen häufiger als andere Konsumgruppen.

«Alkohol sollte nicht zu billig sein»

Janine Messerli von der SFA nimmt zum Rauschtrinken und zur Jugendgewalt Stellung.

Wie sollen Jugendliche vom Trinken abgehalten werden?
Janine Messerli: Information in der Schule über Risiken des Alkohols sind wichtig. Alkohol sollte zudem nicht zu billig und nicht zu leicht erhältlich sein. Ausserdem müssen die Jugendschutzgesetze besser eingehalten werden. Dazu gehört, strikte Sanktionen für die Verkaufsstellen auszusprechen, die gegen die Gesetze verstossen.

Das bringt doch alles nichts, solange Alkohol in Filmen und Werbung dauernd als «cool» dargestellt wird!
Messerli: Auch Werbeeinschränkungen sind eine wichtige Massnahme. Prävention muss auf allen Ebenen ansetzen, um wirksam zu sein.

Wie kann verhindert werden, dass es zu alkoholbezogenen Schlägereien kommt?
Messerli: Auf der einen Seite braucht es Frühinterventionsprogramme für Jugendliche mit problematischem Alkoholkonsum, damit sie möglichst rasch Unterstützung erhalten. Andererseits braucht es Programme zur Gewaltprävention.

Hansi Voigt/Nico Menzato

(ap)