Autopsie-Bericht

15. April 2019 18:15; Akt: 15.04.2019 18:15 Print

Julen starb wenige Minuten nach dem Sturz

Forensiker in Spanien gaben das Ergebnis der Autopsie im Fall Julen bekannt: Der Bub aus Málaga, der im Januar in ein Bohrloch gefallen war, hat nicht lange gelitten.

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Der Sonntagsausflug einer Familie aus dem spanischen Málaga nahm am 13. Januar 2019 ein dramatisches Ende, als der zweijährige Sohn Julen in ein 110 Meter tiefes Erdloch stürzte. Am 15. April 2019 gaben die Pathologen der Gerichtsmedizin und Forensik von Málaga den Autopsiebericht bekannt: Julen starb am 13. Januar gegen 13.50 Uhr, also nur wenige Minuten nach seinem Sturz in den 73 Meter tiefen Schacht. Der Fall hatte die ganze Welt während Wochen in Atem gehalten. 13 Tage nach dem Sturz kam die traurige Bestätigung: Julen ist tot. (Im Bild: Sein Vater, José Roselló, an der Beerdigung seines zweijährigen Sohnes. Der Mann musste sein zweites Kind zu Grabe tragen.) Hunderte Menschen nahmen am 27. Januar 2019 in Totalán an der Trauerfeier für den verstorbenen Julen teil. Ein Sprecher der Guardia Civil gab zwei Tage zuvor den aktuellen Ermittlungsstand zum Fall Julen an einer Pressekonferenz in Totalán bekannt. Victoria García (l.), Julens Mutter, zeigte sich am 26. Januar umringt von Polizei und Rettungskräften – kurz nach Bekanntwerden von Julens Tod. Familienangehörige von Julen in Totalán. Viele Menschen haben sich in der Nähe des Hauses eingefunden, nachdem der kleine Bub am frühen Samstagmorgen tot gefunden worden war. Rettungskräfte haben Julen um 1.25 Uhr in der Nacht auf Samstag leblos im Brunnenschacht aufgefunden. (26. Januar 2019) Die Leiche des zweijährigen Buben wurde nach tagelangen Bohrungen in einer Tiefe von rund 70 Metern entdeckt. Die Eltern des zweijährigen Julen erlebten qualvolle Stunden. (24. Januar 2019) Ein Helikopter der spanischen Guardia Civli transportiert Sprengstoff. (24. Januar 2019) Rund 100 Retter arbeiteten an der Bergung des Kleinen. Auch in der Nacht ging die Suche nach Julen weiter. Die Rettungskräfte waren mit Kameras bis knapp 80 Meter Tiefe vorgedrungen. Dort fanden sie eine Tüte mit Süssigkeiten und einen Becher, die Julen zum Zeitpunkt seines Verschwindens dabeihatte, doch bis zum Buben konnte die Kamera nicht vordringen. Für die Retter stellte die Bergung eine grosse Herausforderung dar, weil der Schacht einen Durchmesser von nur rund 25 Zentimetern aufwies. Die Retter versuchten am 14. Januar, ein neues Loch zu bohren, parallel zu dem, in dem sich das Kind befindet. Vater José Roselló (l.) weinte verzweifelt am Unglücksort. Die Menschen aus Totalán drückten mit einem Marsch und bunten Schildern ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung für Julen und seine Familie aus.

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Der kleine Julen ist vor drei Monaten im südspanischen Totalán unmittelbar nach seinem Sturz in einen engen Brunnenschacht an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben. Dies ergab der abschliessende Bericht einer neuen Autopsie, die am 8. April durchgeführt wurde.

Der Zweijährige sei am 13. Januar gegen 13.50 Uhr gestorben, also nur wenige Minuten nach seinem Sturz in den 73 Meter tiefen Schacht. Laut dem Abschlussbericht der Pathologen der Gerichtsmedizin und Forensik von Málaga starb der Bub aufgrund seiner Verletzungen im linken Schläfenbereich und im Gesicht.

Die Experten schlossen aus, dass der Einsatz der Retter mit einer Spitzhacke für den Tod des Kindes mitverantwortlich sein könnte, wie im Februar in einem Bericht spekuliert worden war.

Arbeit mit der Hacke begann vier Stunden später

Verfasst hatte das erste Schriftstück der Architekt Jesús María Flores, der bereits in der Vergangenheit den Rettungseinsatz kritisiert hatte. Die Anwälte des Finca-Besitzers, auf dessen Grundstück der Unfall passierte, hatten diese These daraufhin der zuständigen Richterin unterbreitet.

Die Zeitung «El Mundo» zitierte am Montag Justizkreise, wonach bei der Obduktion aber keine entsprechenden Wunden am oberen Schädelbereich des Kindes gefunden wurden. Ausserdem hätten die Arbeiten mit der Hacke erst gegen 17.30 Uhr begonnen, das heisst vier Stunden nach dem Sturz. Zu diesem Zeitpunkt sei Julen bereits tot gewesen.

Julen war in ein über 100 Meter tiefes, illegal gegrabenes Bohrloch gefallen. Seine Leiche wurde zwei Wochen später in 70 Metern Tiefe gefunden, nachdem Helfer in mühsamer Arbeit einen Parallelschacht gebohrt hatten.

(kle/sda)