Fahrausbildung

27. Dezember 2011 16:53; Akt: 28.12.2011 17:16 Print

Junglenker haben oft wenig Ahnung

Junglenkerinnen und Junglenker missachten den Rechtsvortritt, schneiden Kurven und halten zu wenig Abstand. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage.

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Der Schweizer Fahrlehrer Verband (SFV) wollte von Menschen aus der Praxis hören, was hinter den Unfallstatistiken von Neulenkern steckt. Er schrieb 20 Weiterbildungszentren in der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin an, von denen sich 17 an der Umfrage beteiligten. Sie alle bilden Autofahrer weiter, die den Führerschein auf Probe haben.

Das Resultat offenbart nun grosse Mängel. «Theorie und Praxis bei Mehrheit ungenügend», titelt die SFV-Zeitschrift «L-Drive», welche die Umfrage in ihrer aktuellen Ausgabe publiziert hat.

So gaben Fachleute der Zentren beispielsweise an, dass bis zu 90 Prozent der Kursteilnehmer den Rechtsvortritt missachten. Zudem könnten rund 70 Prozent beim ersten Versuch keine korrekte Notbremsung durchführen.

Auch beim Kurvenfahren glänzen die Führerschein-Neulinge nicht. Ein Grossteil schneidet die Kurven. Einer Rückmeldung zufolge geschieht dies vor allem in Linkskurven häufig, weil der Fahrer eine falsche Blicktechnik anwendet und das Lenkrad nicht korrekt hält.

Zu schnell in die Kurve

Mit dem Tempo geben sich die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer offenbar Mühe. Das heisst: Sie halten sich zwar an die Limiten, fahren aber dennoch nicht mit angepasster Geschwindigkeit. Die Ausbilder haben beobachtet, dass die Junglenker zu schnell auf Kurven und Kreuzungen zufahren, weil sie zu wenig vorausschauen.

«Sieben oder acht von zehn sind unfähig, die Geschwindigkeit anzupassen», lautet der Kommentar eines Zentrums. Das Problem werde häufig heruntergespielt.

Ein anderer Fachmann schreibt: «Zirka 70 Prozent wissen nicht, dass die signalisierte Höchstgeschwindigkeit nicht immer gefahren werden darf.» Etwa gleich viele haben auch die Theorie in Bezug auf Rechtsvortritt, Signale und Ampeln nicht im Griff.

Die Liste der Fehlleistungen ist noch viel länger: Von einhändigem Fahren (gegen 90 Prozent) über fehlenden Seitenblick beim Abbiegen bis zu Kreisel-Fahren mit gedrückter Kupplung und ungenügende Abstände auf Autobahnen haben die Kursleiter so ziemlich alles beobachtet, was auf der Strasse verboten ist.

Mit möglichst wenigen Stunden durch die Prüfung

Die Weiterbildungsfachleute äussern die Befürchtung, die Grundausbildung sei nicht nachhaltig, weil die meisten Junglenker die Fahrprüfung mit möglichst wenigen Fahrstunden bestehen wollen. Auch die Frage wird aufgeworfen, ob die Experten bei der Prüfungsabnahme genau genug hinschauen.

Eines der Weiterbildungszentren schlägt vor: «Gemäss unserer Erfahrung wäre es sicher besser, wenn einige Fahrstunden vorgeschrieben würden.» So würde ein guter Teil der Fahrschüler merken, «was Fahrzeugführung heisst».

Seit Ende 2005 durchlaufen Neulenkerinnen und Neulenker eine obligatorische Zweiphasenausbildung. Innerhalb von drei Jahren müssen sie zwei Weiterbildungskurse absolvieren - während dieser Zeit haben sie den Führerschein lediglich auf Probe.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neulenker am 27.12.2011 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Sind die erfahrenen wirklich besser?

    Ich bin sicher, auch von den "erfahrenen" Autofahrern würden annähernd 100% die Theorieprüfung nicht mit 0 Fehlern bestehen. Und die im Artikel genannten Fehler werden ebenfalls sicher nicht nur von Junglenkern gemacht.

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  • Sara K am 28.12.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Das ewige BLABLA um Neulenker

    Also ich finde auch, dass es genügend "alte" gibt, die nicht fahren können. Z.B blinkt fast niemand, Kurvenfahren kann sowieso fast niemand (bestes Beispiel Rosengarten, Zürich),usw. Z.B beim Rechtsvortritt weiss entweder der von rechts gar nicht, dass er Vortritt hat, oder der andere Autofahrer missachtet ihn->also wieso nicht überall "Heifischzähne" anbringen?!Ich habe die Autoprüfung kürzlich absolviert und es wurde von mir verlangt, dass ich Dinge kann, die alle anderen auf der Strasse bei weitem nicht können. Das ganze TAMTAM um Neulenker ist Quatsch.

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  • MTO am 27.12.2011 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Limitierte PS 

    Ich verstehe die Problematik der Neulenker. Das Hauptproblem sind die Autos. ABS, viele PS, super Fahrkomfort u.s.w.. Ich selber bin nicht für neue Gesetze, aber hier gehört eines: Neulenker dürfen max. 100PS haben und keine Autos leasen. Mann muss die Geschwindigkeit spüren um zu abschätzen. Die Kräfte, bei einer Vollbremsung zu verstehen. Ich selber habe Jahrzehnte lang Rennsport getrieben und kenne die Problematik.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • anonym am 29.12.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Neulenker nicht gleich Junglenker

    Meiner Meinung nach sollte zwischen Jung und Neulenker unterschieden werden. Es gibt viele ältere Personen, welche den Führerschein erst in späten Jahren machen. Diese haben zu Anfangs genau so wenig Ahnung.

  • äschen am 28.12.2011 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik der Eltern

    Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich alle Junglenker an und frage sie über das Verhalten deren Eltern aus. Damit könnte man eine ziemlich lustige Statistik machen...

  • Roger (Fahrlehrer) am 28.12.2011 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon an der Theorieprüfung ansetzen!!!

    Solange die Theorieprüfung unendliche Mal wiederholt werden kann, wird die Qualität wohl kaum steigen. Es sollte wieder wie früher nur 3 Versuche geben, dann wird das Verkehrsverständnis wieder besser. Und warum soll es keine obligatorischen Auffrischkurse geben? Zum Beispiel alle 10 Jahre. Alle motzen über Leute die dies und das nicht machen. Aber würden Weiterbildung wehement anlehnen. In jedem Beruf bildet man sich weiter, aber beim Autofahren nicht. Wer ist der bessere Autofahrer? Der, der 50 jahre Unfallfrei fährt oder der, der alle 5 Jahre sich weiterbildet?

  • wenns sein muss am 28.12.2011 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    bei den alten anknüpfen

    man könnte auch beispielsweise bei der älteren herrschaft anknüpfen, die meinen mit 50 km/h ausserorts zu schnell zu sein. habe erst letztens einen der auf gerader, langer und übersichtlicher strecke sooooooooooooooooooo lange und langsam unterwegs war... den habe ich nach langerm hinterher tuckern so schnell überholt, ich denke der hat mich da gar nicht wahrgenommen :P

  • pa pa la pap am 28.12.2011 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    die jungend ist immer schuld

    die letzten 5 unfälle die ich gelesen habe sind von +30 verursacht worden!!