Der Blonde und die Maus

22. Februar 2019 03:53; Akt: 22.02.2019 16:22 Print

Justiz knöpft sich auch «El Chapos» Söhne vor

Gegen zwei Söhne des mexikanischen Drogenbosses ist Anklage erhoben worden. Auch ihnen wird Schmuggel im grossen Stil vorgeworfen.

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«El Chapo» wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Jetzt wurden auch seine Söhne angeklagt. (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017) Der Richter musste seine Anwälte teils in die Schranken weisen: Joaquín «El Chapo» Guzmán (Mitte) vor Gericht. (30. Januar 2019) Am 30. Januar hat die Anklage in ihrem Schlussplädoyer einen Schuldspruch für El Chapo gefordert. «Lassen Sie ihn nicht vor seiner Verantwortung entkommen», appellierte Staatsanwältin Andrea Goldbarg an die Geschworenen. Der Mexikaner Alejandro Edda tauchte am 28. Januar 2019 überraschend zum Prozess gegen Drogenbaron Joaquín Guzmán auf. Als der nur wenige Meter entfernt sitzende Drogenboss vom Besuch erfuhr, lächelte er seinen Landsmann an. Edda bezeichnete die Begegnung als «einschüchternd». Am 23. Januar sagte im Prozess Chapos ehemaliger Miratrbeiter Dámaso López Núñez aus. Er schilderte der Jury, dass die Söhne des Drogenbarons den bekannten Journalisten Javier Valdez (im Bild) ermordet hatten, weil dieser auf der Veröffentlichung eines brisanten Interviews bestanden habe. Vor Gericht wurde am 25. Januar 2019 ein Foto des mit Diamanten besetzten Revolvers des Drogenbarons gezeigt. Im Prozess gegen Drogenbaron Joaquín Guzmán (links) sagte am 8. Januar 2019 FBI-Agent Stephen Marston aus. Er schilderte, wie die US-Behörde mit Hilfe von Guzmáns IT-Techniker Cristian Rodriguez die verschlüsselten Telefongespräche des Drogenbosses knackte. Insgesamt hat das FBI 1500 Telefonate abgehört, die Mitglieder des Sinaloa-Kartells zwischen April 2011 und Januar 2012 geführt hatten. Rund 200 Telefonate führte der Boss (links im Bild) selbst. Joaquín Guzmán alias «El Chapo» (2. v. r.) musste sich ab dem 13. November 2018 in den USA unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäscherei verantworten. Ein Zeuge sagte vor Gericht aus, er habe Kokain in gefälschte Jalapeño-Dosen der Marke La Comadre einpacken lassen und bis zu 3000 Dosen pro Fahrt mit LKWs nach Los Angeles gebracht. Seinen Schätzungen zufolge kamen pro Jahr ungefähr 25 bis 30 Tonnen Kokain im Wert von bis zu 500 Millionen Dollar über die Grenze. Weiter berichteten Zeugen von Drogenschmuggel via Tunnel, die von der Stadt Tijuana in Mexiko nach Kalifornien führten. «El Chapo» habe seine drei Privatjets einmal im Monat nach Tijuana fliegen lassen, um den Ertrag aus dem Drogenverkauf abholen zu lassen. Jede Maschine habe rund zehn Millionen Dollar nach Sinaloa gebracht. Kronzeuge Juan Carlos Ramírez Abadia alias «Chupeta» schilderte am 29. November 2018, wie «El Chapo» die Behörden in Mexiko und den USA schmierte, «damit sie nicht ihre Arbeit machten». Im Lauf der Jahre soll der Kolumbianer über 400 Tonnen der Droge mit Hilfe von «El Chapo» nach Mexiko geschmuggelt haben. Ein weiterer Zeuge, Jesús Zambada García, sagte, «El Chapo» habe hin und wieder auch selber seine diamantbesetzte Pistole mit seinen Initialen «JGL» in die Hand genommen, um Feinde zu töten. Bei den Verhandlungen wurde auch berichtet, dass das Sinaloa-Kartell zehn bis zwölf Millionen Dollar pro Monat an Bestechungsgeldern für Polizisten, Politikern, Bankiers und Geschäftsleute bezahlt habe. Zeuge Jesús Zambada erzählte, wie Guzmán ihm einmal auftrug, einen mexikanischen General mit 100'000 Dollar und einem freundlichen Schulterklopfen zu grüssen. Laut Anklage hat das mexikanische Sinaloa-Kartell unter der Führung von Joaquín Guzmán von 1989 bis 2014 unter anderem insgesamt 154'626 Kilogramm Kokain in die USA geschmuggelt. Eine Woche vor Prozessbeginn wurde ein Kandidat für die Jury von der Liste gestrichen – der Mann wollte ein Autogramm von «El Chapo». Die Ehefrau von Drogenbaron Joaquín Guzmán äusserte sich am 17. April 2018 zum Gesundheitszustand ihres Mannes. «Seit 15 Monaten darf ich ihn nicht sehen. Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, weil ich weiss, dass er psychisch angeschlagen ist», sagte die ehemalige Schönheitskönigin in New York. Joaquín Guzmán leide an Gedächtnisschwund und Depressionen, sagt auch sein Anwalt. Dies aufgrund seiner Isolationshaft in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017). Daher forderte er eine psychologische Untersuchung seines Mandanten. Die Staatsanwaltschaft lehnte aber einen persönlichen Arztbesuch aus Sicherheitsgründen ab. (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017) Er war der mächtigste Drogenboss der Welt: «El Chapo» wird in Mexiko-Stadt von mexikanischen Soldaten eskortiert. (8. Januar 2016) In diesem Flugzeug der mexikanischen Luftwaffe wurde Guzmán in die USA geflogen. (19. Januar 2017) Soldaten überwachten den Transfer am Flughafen von Ciudad Juárez. Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis von Ciudad Juárez. Bei Guzmáns Verhaftung stürmt ein Kommando der mexikanischen Armee eine Wohnung in der Stadt Los Mochis, Sinaloa. (AP) Wieder hinter Gittern: Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. (AP) Vor seiner Verhaftung hatte sich der Drogenboss auf eine Liebelei mit der in den USA lebenden mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo eingelassen. Die Nachrichten, die er mit ihr austauschte, sollen die Ermittler auf seine Spur gebracht haben. (AP/ Matt Sayles) Chapo Guzmáns Heimatort: Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa. (AP/Fernando Brito) Für einen Teil der mexikanischen Bevölkerung ist Chapo Guzmán ein Held – und allemal besser als die korrupte Kaste der Politiker. (AP/Rebecca Blackwell) Blick in den Fluchttunnel, durch den «El Chapo» 2015 aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez González (2. v. r.) schaute sich am Tag nach der Flucht den Eingang zum Fluchttunnel an.

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Die US-Justiz hat zwei Söhne des verurteilten mexikanischen Drogenbosses Joaquín «El Chapo» Guzmán wegen Drogenschmuggels angeklagt. Die Anklageschrift wurde am Donnerstag anderthalb Wochen nach dem Schuldspruch gegen «El Chapo» in New York veröffentlicht.

Darin wird Joaquín Guzmán López alias «El Güero» (der Blonde) und Ovidio Guzmán López alias «El Ratón» (die Maus) vorgeworfen, zwischen 2008 und 2018 Kokain, Cannabis und Crystal Meth in die USA geschmuggelt zu haben.

Strafmass im Sommer

Die Anklageschrift war bereits im April 2018 vorbereitet worden. Sie wurde aber unter Verschluss bewahrt, um «die Sicherheit von Zeugen zu schützen» und die Ermittlungen nicht zu behindern, wie die US-Behörden erklärten. Die beiden Angeklagten gelten als Mitglieder des von ihrem Vater mitbegründeten Sinaloa-Kartells und halten sich derzeit in Mexiko auf.

«El Chapo» Guzmán war am 12. Februar nach einem dreimonatigen Mammutverfahren in New York verurteilt worden. Die Geschworenen befanden Guzmán in sämtlichen Anklagepunkten für schuldig. Laut Klageschrift soll das Sinaloa-Kartell unter seiner Führung zwischen 1989 und 2014 fast 155 Tonnen Kokain und grosse Mengen andere Drogen in die USA geschmuggelt haben. Das Strafmass soll am 25. Juni verkündet werden.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 22.02.2019 05:08 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte einem zu denken

    Geben dass Drogenbarone eine höhere und bessere Ansicht geniessen als Behörden..

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  • Herr Max Bänzli Live in Columbien am 22.02.2019 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Engel

    Herr El Chapos Söhne sind doch bestimmt unschuldig, und wie ein frommes Lämmli

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  • Mutter am 22.02.2019 05:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sohne

    Ja sie werden sich vom Drogen Geld ein Luxus leben Finatizert haben und wohl immer noch. Aber für die Süden vom Vater beschtraft werden?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Max Bänzli Live in Columbien am 22.02.2019 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Engel

    Herr El Chapos Söhne sind doch bestimmt unschuldig, und wie ein frommes Lämmli

    • marko 34 am 22.02.2019 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Herr Max Bänzli Live in Columbien

      Super

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  • Mutter am 22.02.2019 05:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sohne

    Ja sie werden sich vom Drogen Geld ein Luxus leben Finatizert haben und wohl immer noch. Aber für die Süden vom Vater beschtraft werden?

    • marko 34 am 22.02.2019 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mutter

      Super

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  • Realist am 22.02.2019 05:08 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte einem zu denken

    Geben dass Drogenbarone eine höhere und bessere Ansicht geniessen als Behörden..

    • marko 34 am 22.02.2019 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Super

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