Johann Breyer

23. Juli 2014 22:02; Akt: 23.07.2014 22:02 Print

KZ-Wächter stirbt vor Auslieferung

Einen Tag vor der Entscheidung über seine Auslieferung ist der mutmassliche NS-Kriegsverbrecher Johann Breyer in den USA gestorben.

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«Arbeit macht frei.» Das Konzentrationslager in Ausschwitz. (Bild: Keystone/AP/Uncredited)

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Vor einer Auslieferung nach Deutschland ist ein 89-jähriger mutmasslicher KZ-Wachmann in den USA gestorben. Der gebürtige Tschechoslowake Johann Breyer sei am Dienstagabend in einem Spital in Philadelphia verstorben, sagte dessen Anwalt Dennis Boyle.

Der Tod wurde bekannt, kurz nachdem ein US-Gericht am Mittwoch dem Auslieferungsantrag Deutschlands stattgegeben hatte. Die deutsche Justiz warf dem 89-Jährigen Beihilfe zur Ermordung hunderttausender Juden im Konzentrationslager Auschwitz vor.

Breyer litt an Demenz und Herzproblemen

Breyer war im Juni in Philadelphia festgenommen worden und wartete seitdem auf die Entscheidung über seine Auslieferung. Wegen der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes wurde er am Wochenende vom Gefängnis ins Spital verlegt. Nach Angaben seines Anwalts litt Breyer an Demenz und Herzproblemen. Die genaue Todesursache war zunächst nicht bekannt.

Die Staatsanwaltschaft Weiden in Bayern hatte im Jahr 2012 ein Ermittlungsverfahren gegen Breyer eingeleitet. Sie warf ihm vor, als Wachmann in Auschwitz im Jahr 1944 an Kriegsverbrechen teilgenommen zu haben.

Mitglied der Waffen-SS

Breyer räumte ein, als 17-Jähriger Mitglied der Waffen-SS geworden zu sein, bestritt aber eine Beteiligung am Massenmord in Auschwitz. Seinen Angaben zufolge diente er in der Nähe des Konzentrationslagers in der Feldartillerie der Waffen-SS und desertierte später von der Einheit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte Breyer, der als Sohn einer Amerikanerin in der Tschechoslowakei zur Welt gekommen war, in die USA. Seit Anfang der 1950er Jahre lebte der frühere Werkzeugmacher in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Kriegsverbrecher vor Gericht bringen

In den vergangenen Jahren bemühte sich die Justiz in Deutschland und anderen Ländern verstärkt, die letzten mutmasslichen NS-Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen. Der bekannteste Fall war der des aus der Ukraine stammenden KZ-Wächters John Demjanjuk.

Demjanjuk war 2009 aus den USA ausgeliefert und im Jahr 2011 in München wegen Beihilfe zum Mord an 20'000 Menschen im Konzentrationslager Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er starb im März 2012 im Alter von 91 Jahren in einem Pflegeheim.

(sda)