10. April 2005 18:38; Akt: 10.04.2005 18:40 Print

Kardinäle legten Schweigegelübde ab

Eine Woche vor Beginn der Papstwahl haben sich die Kardinäle ein Schweigegelübde gegenüber den Medien auferlegt.

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In der Zeit «der Stille und des Gebets» vor dem Konklave am 18. April wollten die Würdenträger keine Interviews mehr geben, teilte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls mit.

Die Entscheidung geht nach italienischen Medienberichten auf eine Initiative von Kardinal Joseph Ratzinger zurück, der als Dekan des Kardinalkollegiums die Papstwahl leiten wird. Der bisherige Präfekt der Glaubenskongregation gilt als einer der möglichen Nachfolger von Johannes Paul II. Navarro-Valls sagte, die Entscheidung der 130 Kardinäle sei einmütig ausgefallen. Die Entscheidung ist offenbar eine Reaktion auf zahlreiche öffentliche Stellungnahmen von Kardinälen nach dem Tod des Papstes.

Die Purpurträger nehmen den Beschluss offenbar sehr ernst. Der amerikanische Kardinal Bernard Law zelebrierte am Sonntag in der Kirche Santa Maria Maggiore zwar die Messe, hielt aber nicht die Predigt.

Kurz vor der Entscheidung sagte der Mainzer Kardinal Karl Lehmann der «Allgemeinen Zeitung», für die Papstwahl gebe es keine eindeutigen Favoriten und «wahrscheinlich auch keine fest gefügten Allianzen». Hautfarbe, Herkunft und manches andere, was derzeit diskutiert werde, spiele sicher eine geringe Rolle, sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz. Bis zum Konklave-Start hätten die Kardinäle «freilich auch noch Zeit, sich besser kennen zu lernen».

An der Wahlversammlung in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans werden nach Angaben von Navarro-Valls 115 der 117 wahlberechtigten Kardinäle teilnehmen. Zwei Prälaten, Jaime Sin von den Philippinen und Alfonso Antonio Suarez Rivera aus Mexiko, können wegen Krankheit nicht an der Papstwahl teilnehmen.

Nach der grössten Pilgerfahrt der Kirchengeschichte und der Beisetzung des Papstes kehrte in Rom wieder der Alltag ein. Am Sonntag blickten die Pilger auf dem Petersplatz immer wieder zu dem Fenster hinauf, an dem sich Johannes Paul II. am Ostersonntag noch einmal gezeigt hatte. «Es ist wirklich traurig, zu dem Fenster zu schauen und zu wissen, dass er nicht mehr dort ist», sagte die 25-jährige Melica Ventura aus El Salvador.

Der Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, sagte, zur Beisetzung von Johannes Paul seien so viele Gläubige von ausserhalb in der Stadt gewesen wie diese Einwohner habe, nämlich 2,6 Millionen. Zuvor hatte der Polizeichef von vier Millionen Pilgern gesprochen. Der Bürgermeister gab die Zahl der Pilger, die binnen vier Tagen am aufgebahrten Leichnam des Papstes vorbeigezogen sind, mit 1,3 Millionen an. «Es hat noch nie ein Ereignis gegeben mit so viele Menschen aus so vielen Teilen der Welt», sagte Veltroni.

Veltroni kündigte an, der Hauptbahnhof von Rom werde künftig den Namen Johannes Pauls tragen. Auch der Platz vor der Universität solle nach ihm benannt werden.

Sondermarke zur Sedisvakanz erscheint Dienstag

Die Sonderbriefmarke des Vatikans zur Sedisvakanz, die bei Sammlern auf grösstes Interesse stossen dürfte, erscheint am Dienstag. Wie das Postamt des Vatikans mitteilte, werden Marken zu 60 Cent, 62 Cent und 80 Cent herausgegeben. Die Briefmarken sollen in einer Auflage von 700.000 Stück erscheinen.

(ap)