17. April 2005 19:03; Akt: 17.04.2005 19:04 Print

Kardinäle zum Konklave im Vatikan eingetroffen

Die Kardinäle der katholischen Kirche sind am Sonntagabend zum Konklave im Vatikan eingetroffen.

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Die 115 Geistlichen bezogen ihre Zimmer im Haus der Heiligen Martha (Domus Sanctae Marthae), wo sie während ihrer Wahl eines neuen Papstes übernachten werden. Zu den Favoriten gehört auch der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger, der als Dekan des Kardinalskollegiums die Wahl zu leiten hat.

«Der neue Papst ist bereits vom Herrn gewählt worden», sagte am Sonntag der italienische Kardinal Ennio Antonelli in seiner Titularkirche Santa Andrea delle Fratte in Rom. «Wir müssen nur beten, um zu verstehen, wer er ist.» Erstmals in der Kirchengeschichte gibt es bei einem Konklave aussichtsreiche Kandidaten aus drei Kontinenten - Europa, Lateinamerika und Afrika.

Die 115 Kardinäle schliessen sich am Montag in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans ein. Dort kommen sie so lange zu mehreren Wahlgängen zusammen, bis sie mit der Zweidrittelmehrheit von 77 Stimmen einen Nachfolger bestimmt haben. Die meisten Beobachter erwarten eine Wahldauer von zwei bis drei Tagen - schon weil bei einer längeren Dauer der Eindruck einer Spaltung entstehen würde. Karol Wojtyla wurde 1978 am dritten Tag im achten Wahlgang zum Papst gewählt.

Bis zum Wochenende wurden alle Vorbereitungen abgeschlossen. Handwerker errichteten schon am Freitag den Kamin, über den die Welt die Ergebnisse der streng geheimen Wahlgänge erfahren wird: Schwarzer Rauch signalisiert, dass die Kardinäle noch keine Zweidrittelmehrheit erzielt haben. Weisser Rauch bedeutet, dass ein neuer Papst gewählt ist. Zum ersten Mal dürfen sich die Kardinäle auch nach Beginn der Abstimmung frei im Vatikan bewegen. Allerdings dürfen sie nur mit jenen sprechen, die sich ebenfalls per Eid zur Geheimhaltung verpflichtet haben.

Mit einer Messe, die vom chilenischen Kardinal Jorge Arturo Medina Estévez gelesen wurde, beendete der Vatikan die offizielle neuntägige Trauerzeit für Johannes Paul II. Diese «Novene» begann mit der Beisetzung im Petersdom am 8. April. In einer letzten Zeremonie zum Tod von Johannes Paul wurde dessen «Fischerring» vernichtet, also der päpstliche Ring mit dem Bild des Fischers und späteren Apostels Petrus. Auch das zweite Insignium der päpstlichen Macht, sein Bleisiegel, wurde zerstört. Damit markierte die Versammlung der Kardinäle in ihrer letzten Sitzung vor dem Konklave das Ende des 26-jährigen Pontifikats von Johannes Paul II.

Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls äusserte sich zuversichtlich, dass während der Wahl strenge Geheimhaltung gewahrt werde. Techniker hätten sichergestellt, dass kein Wort nach aussen dringen könne. So werde es in und nahe der Sixtinischen Kapelle auch kein Mobilfunknetz geben. Alle Personen, die einen Zugang zum Konklave erhalten, wurden mit einem Eid zur Verschwiegenheit verpflichtet. Dazu gehören Haushälterinnen, Köche oder technisches Personal. Bei einer Verletzung des Eides droht die Exkommunikation.

Das Konklave beginnt am Montag mit einer Morgenmesse um 10.00 Uhr. Am Nachmittag ziehen die Kardinäle um 16.30 Uhr in einer feierlichen Prozession in die Sixtinische Kapelle ein. Nach Ablegung ihres Eides zu strikter Geheimhaltung entscheiden sie, ob noch am Montag ein erster Wahlgang stattfinden soll. An den folgenden Tagen gibt es vor- und nachmittags jeweils zwei Wahlgänge.

(ap)