Kindesmissbrauch

27. Februar 2019 03:03; Akt: 27.02.2019 05:59 Print

Australischer Kardinal Pell inhaftiert

Der langjährige Papst-Vertraute George Pell ist nach seiner Verurteilung nicht mehr länger Finanzchef des Vatikans.

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Es gilt als wahrscheinlich, dass sein Fall vor Australiens oberstem Gericht landet: George Pell auf dem Weg zur Verhandlung. (21. August 2019) Einsprache eingereicht: George Pell wird ins Gericht gebracht. (5. Juni 2019) Ist nicht mehr länger Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans: Kardinal George Pell. (27. Februar 2019) Wurde schuldig gesprochen, in der Kathedrale von Melbourne zwei Sängerknaben sexuell angegriffen zu haben: Der Papst-Vertraute George Pell. (14. Februar 2019) Vorwurf des sexuellen Missbrauchs: Vatikan-Finanzchef George Pell kommt beim Gericht in Melbourne an. (1. Mai 2018) Betritt in Melbourne unter massivem Polizeischutz das Gerichtsgebäude: Kardinal George Pell. (26. Juli 2017) Dem ehemaligen Finanzchef des Papstes wird vorgeworfen, mehrere Jungen sexuell belästigt zu haben. (26. Juli 2017) Das Medieninteresse an dem Gerichtsfall ist in Melbourne riesig. (26. Juli 2017) Die Polizei im australischen Bundesstaat Victoria legt ihm Vergehen gegen Kinder zur Last: Kardinal George Pell. (4. März 2013) Papst Franziskus begrüsst den australischen Kurienkardinal George Pell (links). (20. November 2016) Wurde bereits mehrfach von der australischen Polizei befragt: Kardinal George Pell in Rom. (2. März 2016) George Pell bei der Eröffnung des Weltjugendtages in Sydney. (15. Juli 2008) Der Finanzchef des Vatikans bei einer Messe in Rom. (19. März 2016) Spricht von einer «skandalösen Schmutzkampagne» gegen ihn: Kardinal George Pell. (3. März 2016) Pell räumte Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester ein. (13. November 2012)

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Der australische Kardinal und frühere Papst-Vertraute George Pell ist nach seiner Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs inhaftiert worden. Das ordnete ein Gericht in Melbourne am Mittwoch an.

Der Vorsitzende Richter Peter Kidd verzichtete darauf, dem 77-Jährigen wegen seines Alters oder seines Gesundheitszustands Haftverschonung zu gewähren. Zuvor hatten die Anwälte des Kirchenmannes einen Antrag zurückgezogen, dass der Geistliche gegen Kaution auf freiem Fuss bleiben darf.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft drohen dem früheren Finanzchef des Vatikan und Vertrauten von Papst Franziskus bis zu 50 Jahre Haft. Das Strafmass soll am 13. März verkündet werden.

Der wegen Kindesmissbrauchs schuldig gesprochene australische Kurienkardinal und langjährige Papst-Vertraute George Pell ist nicht länger Finanzchef des Vatikans. Dies erklärte ein Vatikansprecher.

«Ich kann bestätigen, dass Kardinal George Pell nicht mehr Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans ist», schrieb Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Dienstagabend beim Kurzmitteilungsdienst Twitter. Der Posten ist der drittwichtigste im Vatikan.

Pell hatte das Amt seit 2014 inne, das Mandat dauert üblicherweise fünf Jahre. Der Kardinal war aber bereits seit geraumer Zeit beurlaubt.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass ein Geschworenengericht den 77-Jährigen bereits im Dezember für schuldig befunden hatte, sich in den 90er Jahren in der Kathedrale von Melbourne an zwei Chorknaben vergangen zu haben. Um die Ermittlungen in einem zweiten Verfahren nicht zu beeinflussen, war der Schuldspruch bislang unter Verschluss gehalten worden.

Harter Schlag für katholische Kirche

Der Schuldspruch gegen Pell ist ein neuer harter Schlag für die katholische Kirche. Der Kardinal war lange Zeit einer der einflussreichsten katholischen Geistlichen. 2003 wurde er in das Kardinalskollegium berufen, das unter anderem den Papst wählt.

Die katholische Kirche sieht sich seit Jahren mit Missbrauchsskandalen in vielen Ländern konfrontiert. Dabei geht es auch um Vorwürfe der Vertuschung. Erst am Sonntag war im Vatikan ein mehrtägiger Krisengipfel zum Thema Kindesmissbrauch zu Ende gegangen. Papst Franziskus hatte zum Abschluss des Treffens versichert, die Kirche werde künftig jeden einzelnen Fall mit "äusserster Ernsthaftigkeit" verfolgen. Konkrete Massnahmen kündigte der Papst aber nicht an.

(chk/sda/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marex am 27.02.2019 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prell = Schande

    Es ist höchste Zeit, dass endlich ein irdisches Gericht einen solchen Verbrecher verurteilt. Ich bin überzeugt, dass noch Dutzende solcher Typen frei herumlaufen und das Leben geniessen. Die vergangene Bischofskonferenz hat gezeigt, dass ausser Lippenbekenntnissen nichts passieren wird im Vatikan und dessen Justiz. Wie kann eine Kirche mit so einer Führung glaubwürdig sein. Eine Riesenschande. Der gesamte Klerus sollte inhaftiert werden.

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  • Spaniel am 27.02.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wieder einmal mehr

    ..... Ein katholischer Geistlicher. Und es wird noch ganz viele davon geben. Traurig dass nicht mehr dagegen unternommen wird und die Typen nicht aus dem Verkehr gezogen werden.

  • Geri am 27.02.2019 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frust

    Gemäss Aussagen des Papstes ist Missbrauch einem Menschenopfer gleichzusetzen. Und das Zölibat? Die Sexualität ist die stärkste Emotion des Menschen und kann nicht einfach abgeschaltet werden. Wenn einem Menschen das Wirkliche vorenthalten wird, schafft er sich Ersatz - um jeden Preis. Also gestattet den Priestern eine gesunde Sexualität, damit sich diese nicht im besten Fall im Geheimen an ihre Haushälterinnen und die Wittwen im Ort halten müssen. Oder noch schlimmer, sich in Missbrauch zu flüchten. Was soll denn Enthaltsamkeit. Bringt nur Frust. Resultat ist katastrophal.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anita am 27.02.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Er springt über die Klippe

    Jetzt wird wohl gehofft, dass damit die anderen Fälle in Vergessenheit geraten und der enttäuschende Krisengipfel am Ende doch noch etwas Gewicht erhält. Endlich büsst dieser Mann! Ich befürchte aber, es soll ablenken von dem anderen Leid.... Es ist einfacher, diesen alten Mann endlich zu verurteilen als das Geschehene aufzuarbeiten. Einfach nur beschämend.

  • Geri am 27.02.2019 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frust

    Gemäss Aussagen des Papstes ist Missbrauch einem Menschenopfer gleichzusetzen. Und das Zölibat? Die Sexualität ist die stärkste Emotion des Menschen und kann nicht einfach abgeschaltet werden. Wenn einem Menschen das Wirkliche vorenthalten wird, schafft er sich Ersatz - um jeden Preis. Also gestattet den Priestern eine gesunde Sexualität, damit sich diese nicht im besten Fall im Geheimen an ihre Haushälterinnen und die Wittwen im Ort halten müssen. Oder noch schlimmer, sich in Missbrauch zu flüchten. Was soll denn Enthaltsamkeit. Bringt nur Frust. Resultat ist katastrophal.

    • MoVa am 27.02.2019 18:14 Report Diesen Beitrag melden

      Frust

      Das ist absolut richtig, verstehe den Daumen runter überhaupt nicht

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  • Silvia am 27.02.2019 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eingeschlossen

    Ich war bei meiner Grossmutter in den Ferien ein Kath Kirchen Messmer wollte mit mir in den Turm,er ging voraus und ich habe die Tür abgeschlossen und bin weg gerannt,ich habe es niemanden erzählt,wer ihn befreit hat weiss ich nicht,

  • Muro83 am 27.02.2019 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genug ist genug

    Mittlerweile sollte doch jeder wissen was dieser Verein treibt! Ich fordere die Einführung mittelalterlicher Strafen!

  • catalena am 27.02.2019 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nie mehr Kontakt

    Ich meide jeden Kontakt zu Geistlichen , die sind mir immer noch mit 64 Jahren jetzt ein grosses Fragezeichen wie in meiner Kindheit.