Chorknaben missbraucht

26. Februar 2019 01:05; Akt: 26.02.2019 09:02 Print

Papst-Vertrauter wegen Übergriffen verurteilt

Der australische Kardinal George Pell wurde für den sexuellen Missbrauch von zwei Sängerknaben schuldig gesprochen. Ihm drohen bis zu 50 Jahre Haft.

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Es gilt als wahrscheinlich, dass sein Fall vor Australiens oberstem Gericht landet: George Pell auf dem Weg zur Verhandlung. (21. August 2019) Einsprache eingereicht: George Pell wird ins Gericht gebracht. (5. Juni 2019) Ist nicht mehr länger Präfekt des Wirtschaftssekretariats des Vatikans: Kardinal George Pell. (27. Februar 2019) Wurde schuldig gesprochen, in der Kathedrale von Melbourne zwei Sängerknaben sexuell angegriffen zu haben: Der Papst-Vertraute George Pell. (14. Februar 2019) Vorwurf des sexuellen Missbrauchs: Vatikan-Finanzchef George Pell kommt beim Gericht in Melbourne an. (1. Mai 2018) Betritt in Melbourne unter massivem Polizeischutz das Gerichtsgebäude: Kardinal George Pell. (26. Juli 2017) Dem ehemaligen Finanzchef des Papstes wird vorgeworfen, mehrere Jungen sexuell belästigt zu haben. (26. Juli 2017) Das Medieninteresse an dem Gerichtsfall ist in Melbourne riesig. (26. Juli 2017) Die Polizei im australischen Bundesstaat Victoria legt ihm Vergehen gegen Kinder zur Last: Kardinal George Pell. (4. März 2013) Papst Franziskus begrüsst den australischen Kurienkardinal George Pell (links). (20. November 2016) Wurde bereits mehrfach von der australischen Polizei befragt: Kardinal George Pell in Rom. (2. März 2016) George Pell bei der Eröffnung des Weltjugendtages in Sydney. (15. Juli 2008) Der Finanzchef des Vatikans bei einer Messe in Rom. (19. März 2016) Spricht von einer «skandalösen Schmutzkampagne» gegen ihn: Kardinal George Pell. (3. März 2016) Pell räumte Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester ein. (13. November 2012)

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Der australische Kardinal und Vatikan-Finanzchef George Pell ist wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Dies sagten Gerichtsvertreter am Dienstag in der australischen Stadt Melbourne.

Der 77-Jährige wurde demnach schuldig gesprochen, in den 1990er Jahren zwei Chorknaben in der Saint Patrick's Kathedrale in Melbourne missbraucht oder sexuell angegriffen zu haben. Die Opfer seien damals 12 und 13 Jahre alt gewesen. Die Fälle gingen auf die Jahre 1996 und 1997 zurück, als Pell gerade Erzbischof von Melbourne geworden sei.

Pell ist der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der wegen Missbrauchsvorwürfen verurteilt wurde. Ein Strafmass wurde noch nicht verkündet. Pell drohen insgesamt bis zu 50 Jahre Haft. Über seine Anwälte wies er am Dienstag nochmals alle Vorwürfe zurück.

Sein Anwalt will nunmehr Berufung gegen den Entscheid einlegen. Das Urteil gegen den 77-Jährigen war bereits im Dezember gefallen – aber auf Anordnung des Gerichts bisher unter Verschluss gehalten worden.

Aufhebung des Maulkorbs

Hintergrund für die Geheimhaltung war ein geplanter weiterer Prozess zu anderen Vorwürfen gegen Pell. Mit dem Verbot jeglicher Berichterstattung über den im Dezember abgeschlossenen Prozess sollte verhindert werden, dass das noch laufende Verfahren beeinflusst wird.

Die Staatsanwaltschaft entschloss sich aber am Dienstag, das zweite Verfahren nicht weiter zu verfolgen. In der Folge wurde das Verbot einer Berichterstattung über die Verurteilung vom Dezember aufgehoben.

Pell war am Dienstag bei dem Gerichtstermin zum möglichen zweiten Strafprozess in Melbourne anwesend. Beim Verlassen des Gerichtsgebäudes riefen einige Demonstranten «Monster» und «verrotte in der Hölle». Ein Mann, der in seiner Kindheit nach eigenen Angaben missbraucht worden war, bezeichnete den Schuldspruch gegen den Kardinal als Wunder.

Fürchten statt vertrauen

Von den beiden mutmasslichen Missbrauchsopfern im Fall Pell starb eines im Jahr 2014. Der andere Mann äusserte sich am Dienstag schriftlich und erklärte, für ihn sei der Fall «noch nicht vorbei». «Wie viele Überlebende habe ich Scham, Einsamkeit, Depressionen und Kämpfe erlebt. Wie bei vielen Überlebenden hat es Jahre gedauert, bis ich die Auswirkungen auf mein Leben verstanden habe.»

Er habe jemandem vertraut, den er hätte fürchten müssen – und habe sich später vor Menschen gefürchtet, denen er hätte vertrauen müssen.

Der Schuldspruch gegen Pell ist ein neuer harter Schlag für die katholische Kirche. Der Kardinal war lange Zeit einer der einflussreichsten katholischen Geistlichen. 2003 wurde er in das Kardinalskollegium berufen, das unter anderem den Papst wählt.

Aus Kardinalsrat ausgeschlossen

2014 machte Papst Franziskus ihn zum Finanzchef des Vatikan – ein Posten, von dem er wegen der Missbrauchsvorwürfe seit geraumer Zeit beurlaubt ist. Pell gehörte auch dem sogenannten C9-Kardinalsrat an, einem Beratergremium von Papst Franziskus. Er wurde aber im vergangenen Jahr ausgeschlossen.

Die katholische Kirche sieht sich seit Jahren mit zahlreichen Missbrauchsskandalen in vielen Ländern konfrontiert. Dabei geht es auch um Vorwürfe von weitreichender Vertuschung. Erst in den vergangenen Tagen war im Vatikan ein mehrtägiger Krisengipfel zum Thema Kindesmissbrauch abgehalten worden.

(chk/sda)