01. April 2005 13:43; Akt: 01.04.2005 15:38 Print

Katholiken in aller Welt beten für den Papst

Die Nachrichten vom kritischen Gesundheitszustand des Papstes haben nicht nur in der katholischen Welt tiefe Besorgnis ausgelöst.

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Vor allem in Polen, dem Heimatland von Johannes Paul, strömten tausende in die Kirchen, um für den 84-Jährigen zu beten. In der Pariser Kathedrale Notre Dame wurde zu einer besonderen Messe für den Papst eingeladen. Auch Vertreter anderer Religionen äusserten Anteilnahme und Anerkennung für das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Im südpolnischen Wadowice, wo Johannes Paul als Karol Jozef Wojtyla geboren wurde, liessen zahlreiche Einwohner Arbeit und Schule ruhen und gingen stattdessen in die Kirche. «Das einzige, womit wir ihm helfen können, sind Gebete», sagte die 17-jährige Danuta Chowaniec. «Trotz der alarmierenden Erklärungen des Vatikans, dass es ihm wirklich schlechter geht, hoffe ich noch auf eine Besserung.» Ein Arbeiter in der Marienkirche, in der der Papst vor 84 Jahren die Taufe erhielt, erklärte: «Wir müssen nur beten, alles ist in Gottes Hand.»

Bereits am Vorabend hatten Gläubige in der Hohen Tatra eine Nachtwache organisiert. Sie versammelten sich in einer Kapelle, die der Heiligen Jungfrau von Fatima gewidmet ist. Im portugiesischen Fatima soll die Muttergottes drei Hirtenkindern erschienen sein und unter anderem das Attentat auf den Papst am 13. Mai 1981 vorhergesagt haben. In Krakau, wo Johannes Paul einst Bischof war, berichtete ein Pfarrer, während eines Gottesdienstes am Freitagmorgen hätten viele Menschen geweint.

Der Erzbischof von Paris, André Vingt-Trois rief dazu auf, «für den heiligen Vater zu beten». Ein Sprecher der französischen Bischofskonferenz erklärte, der Papst «gelangt jetzt zum Ende seines Weges». Es sei ein trauriger, aber zugleich hoffnungsvoller Moment, weil der Papst nun zu Gott gehe, sagte Monsignor Stanislas Lalanne.

Der Vorsitzende des Rats der Muslime in Frankreich, Dalil Boubakeur, erklärte in einem Radio-Interview, auch seine Glaubensbrüder beteten für den Papst. Er betrachte ihn als «einen gerechten Mann, einen Mann des Friedens einen Mann, dessen Haltung, dessen Botschaft, dessen Einfluss am Ende des 20. Jahrhunderts für grosse Veränderungen in der Welt entscheidend war.»

Auch der britische Kardinal Cormac Murphy-O'Connor äusserte die Einschätzung, das Leiden des Papstes berühre nicht nur die katholische Kirche. «Katholiken und andere Christen werden für ihn beten in dieser Zeit, da er sich dem Ende seines aussergewöhnlichen und wunderbaren Lebens nähert», sagte der Erzbischof von Westminster.

Das Oberhaupt der russischen Katholiken, Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz, appellierte an die Gläubigen, ihre Gebete für den Papst durch gute Taten zu stärken. Selbst die chinesische Regierung, die ihre diplomatischen Beziehungen zum Vatikan 1951 abbrach, erklärte, man hoffe auf eine Genesung des Kirchenoberhaupts.


Prälat Jüsten: Wille des Papstes weiter entscheidend

Der Leiter des Katholischen Büros der deutschen Bischöfe erklärte unterdessen im ZDF, seiner Überzeugung nach sei der Papst weiter Herr darüber, was über ihn an die Öffentlichkeit gelange. «So, wie ich ihn einschätze, und wenn man die Bilder gesehen hat, scheint es so zu sein, dass das sein eigener Wille ist», sagte Prälat Karl Jüsten dem Sender.

(ap)