27. April 2005 17:45; Akt: 28.04.2005 01:06 Print

Kaviar aus der Ostsee?

Auf dem Frankfurter Flughafen sind am Mittwoch elf Störe aus Kanada angekommen. Die in der Ostsee ausgestorbenen Fische sollen vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns und in der Oder wieder angesiedelt werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die bis zu zwei Meter langen Tiere, die den begehrten Kaviar produzieren, gelten als lebende Fossile, weil sie schon vor 200 Millionen Jahren die Gewässer der Erde bevölkerten.

Die Störe wurden in den vergangenen drei Jahren im St. John River gefangen und im kanadischen Huntsman Marine Science Centre in St. Andrews kontrolliert gehalten. Sie werden nun in Containern nach Born auf dem Darss gefahren und dort in die neu gebaute Quarantänehaltung der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei umgesetzt.

Wahrscheinlich noch in diesem Jahr, spätestens jedoch im kommenden Jahr, soll die erste Nachzucht im deutsch-polnischen Odergebiet ausgesetzt werden. Frühestens nach einem guten Jahrzehnt kann aber festgestellt werden, ob das kostspielige Projekt von Erfolg gekrönt ist: Dann nämlich sollen die ausgesetzten und ins Meer abgewanderten Störe als geschlechtsreife Exemplare in die Oder zurückkehren. Allein in den kommenden drei Jahren werden bis zu drei Millionen Euro in das Vorhaben fliessen. Das Projekt wurde bereits vor acht Jahren vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) auf Vilm angeschoben.

Hauptursachen für die Bedrohung und das teilweise Aussterben von Störarten sind Umweltzerstörung und -belastung. Zum anderen wurde ihm auch Überfischung wegen seines schmackhaften Fleisches und des als Kaviar bekannten Störrogens zum Verhängnis. Noch vor einem Jahrhundert tummelten sich der Europäische oder auch Gemeine Stör (Acipenser sturio) und eine dem amerikanisch-atlantischen Stör entsprechende Art, der Acipenser oxyrinchus, in grossen Mengen in Nord- und Ostsee mit ihren Zuflüssen. Beide Arten sind bei uns aber inzwischen ausgestorben.

Hin und wieder trifft man in hiesigen Gewässern heute statt der früher beheimateten Störarten verschwisterte Varianten, die aus der kommerziellen Störzucht oder dem Zoohandel entwichen sind oder ausgesetzt wurden. Dabei handele es sich vor allem um sibirische und russische Störe, die von Natur aus nicht dorthin gehören.

(ap)