Funkstille

27. April 2010 22:30; Akt: 28.04.2010 13:14 Print

Kein Sterbenswörtchen von Uriella

von Andy Fischer - Totenstille um Uriella. Lebt die Sektenführerin noch? Und was führt Gatte Icordo im Schilde?

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Uriella, das Oberhaupt der Sekte «Fiat Lux» («Es werde Licht»). Ehemann Icordo (l.), bürgerlich Eberhard Bertschinger-Eicke, und Uriella im Jahr 2000 im Gespräch mit Moderator Patrick Rohr (r.) in der «Arena» zum Thema «Sekten - Macht und Ohnmacht». Die ehemalige Fremdsprachen-Sekretärin Erika Bertschinger-Eicke (geboren 1929) bemerkte angeblich schon 1971, dass sie andere Menschen heilen könne. Nach einem Sturz vom Pferd 1973 wurde sie «erleuchtet». Seither empfängt sie als Uriella Botschaften von Jesus und der Mutter Gottes. Dafür fällt sie regelmässig in Trance. Der Name «Uriella» soll wohl auf den Engel Uriel anspielen. Im Gedankengut der Sekte sind aber nicht nur christliche Themen vertreten. Auch Elemente des Ufo-Glaubens spielen eine wichtige Rolle. Die Sektenmitglieder tragen in Nachahmung ihrer Chefin ausnahmslos weisse Kleider. Weiss, die Farbe der Unschuld: Doch des Öfteren musste sich Uriella in Deutschland und in der Schweiz vor Gericht verantworten. Uriella baut vor einer Gerichtsverhandlung einen kleinen Altar auf. Sie hat auch schon verschiedentlich den Weltuntergang prophezeit, allerdings jedes Mal fälschlicherweise. Ein weiteres Gerichtsverfahren: Im April 2000 vertritt Icordo seine Gattin in einem Zivilprozess am Herisauer Kantonsgericht. Ein ehemaliges Mitglied der Sekte Fiat Lux forderte von deren Oberhaupt Uriella 625'000 Franken zurück. Uriella selber erschien nicht vor Gericht. Fiat Lux ist auch politisch aktiv geworden. Im «Heiligtum» des Ordens in Ibach-Lindau (Kreis Waldshut, Deutschland) beten Uriella und Icordo bei einem Wahlauftritt für den Erfolg ihrer Kandidaten bei den Gemeinderatswahlen. Mit dem Kreuz in der Hand wird für die Fiat-Lux-Kandidaten geworben. Auftritt am Esoterik-Apéro im Häbse-Theater in Basel, zusammen mit Hellseher Mike Shiva (l.). Harfenklänge untermalen den Auftritt: Alles an Uriella atmet eine gewisse Süsslichkeit. So war es denn auch nicht erstaunlich, dass die Geistheilerin bei einem Gastauftritt in Frank Baumanns Sendung «Ventil» einen Nervenzusammenbruch erlitt. Der rüde Moderator hatte sie mit Hardcore-Pornografie konfrontiert. Eine Kontroverse löste auch ihr Handel mit in ihrer Badewanne «behandeltem» Wasser aus. Uriella in früheren Jahren.

Lebt Uriella überhaupt noch? Von Icordo ist nichts zu erfahren, er schweigt eisern. (Keystone)

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Dass Uriella schwer krank ist, ist seit gut einem Jahr bekannt. In einem internen Sektenschreiben wurden damals die Schäfchen des Ordens Fiat Lux zum «Stundengebet» für ihre Anführerin verpflichtet (20 Minuten berichtete). Offenbar leidet das selbsternannte Sprachrohr Gottes an Krebs. Seit über zwei Jahren hört man kein Sterbenswörtchen mehr von der Zürcherin mit Wohnsitz im Südschwarzwald-Örtchen Ibach. Während Uriella und Icordo zuvor von TV-Auftritten den Hals nicht vollkriegen konnten, scheuen sie heute das Licht der Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. Hat man Icordo mal am Telefon, hängt er den Hörer auf. Auf die Frage, ob die 81-Jährige noch am Leben ist, erhielt 20 Minuten am Montag weder ein Ja noch ein Nein zur Antwort. «Wir geben keine Interviews», so ein Sektenmitglied dünnlippig.

Könnte es sein, dass Uriella bereits verstorben ist und die Sekte das verheimlichen will? Religionsexperte Georg Schmid schliesst das nicht aus. «Gut möglich, dass die Sekte eine neue Story entwickelt und später damit an die Öffentlichkeit gelangt. Vielleicht heisst es dann, Uriella würde die Geschicke des Ordens aus dem Jenseits führen.» Helmut Kaiser, Bürgermeister von Uriellas Wohnort Ibach, will sich zu solchen Spekulationen nicht äussern. Er sagt nur: «Ich bin seit über einem Jahr hier im Amt. Gesehen habe ich ­Uriella noch nie.»