Tod von Michael Brown

04. März 2015 20:33; Akt: 10.03.2015 12:21 Print

Keine Anklage gegen Ferguson-Polizist

Michael Brown wurde letzten Sommer vom Polizisten Darren Wilson erschossen. Ein US-Gericht sah im November von einer Anklage ab – das Justizministerium zog nun nach.

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Am Dienstag, 10. März 2015, wurde in Ferguson an einer Versammlung diskutiert, ob man sich beim Polizisten Darren Wilson öffentlich entschuldigen soll. Später am Abend gab Stadtdirektor John Shaw seinen Rücktritt bekannt. Einen Tag nach dem Entscheid des US-Justizministeriums, Polizist Darren Wilson nicht anzuklagen, kündete Daryl Parks, der Anwalt von Michael Browns Familie, an, Zivilklage gegen Wilson einzureichen. Am 4. März hielt das US-Justizministerium in einem Bericht fast, dass es in Ferguson zu Rassismus-Vorfällen durch die Polizei kam. Der Polizist, der Michael Brown getötet hat, wird jedoch nicht angeklagt. An Thanksgiving bleibt es in Ferguson ruhig. Doch die Proteste der vergangenen Tage haben ihre Spuren hinterlassen. Bei den Canfield Green Apartments haben die Menschen eine Gedenkstätte für Michael Brown errichtet. Demonstranten und Nationalgardisten am Abend des 26. November 2014 in Ferguson: Wie in weiten Teilen der USA fällt auch in Ferguson Schnee, die Temperatuen liegen beim Gefrierpunkt. In der Nacht auf den 27. November blieb es in Ferguson relativ ruhig. Ein Versuch von Demonstranten, das Rathaus zu stürmen, wurde von der Polizei und der Nationalgarde verhindert. Drei Menschen wurden festgenommen. Derweil hat sich Michael Browns Mutter Lesley McSpadden (rechts) in Harlem mit Angehörigen von Eirc Garner und Akai Gurley getroffen - auch Garner und Gurley waren schwarze Männer, die von Polizisten erschossen wurden. Die Frauen beteten gemeinsam. Proteste gingen in vielen Teilen des Landes auch am Mittwoch nach dem Urteil in Ferguson vom Montag weiter. Hier stellt sich ein Demonstrant in Los Angeles der Polizei gegenüber. Er werde demnächst Vater, sagte der Polizist von Ferguson, Darren Wilson, in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender «abc News», das am Mittwoch ausgestrahlt wurde. Die Ferguson-Proteste ziehen sich mittlerweile von der US-Westküste bis zur Ostküste. In 170 Städten haben Demonstranten den Verkehr blockiert oder ganz lahmgelegt. In Minneapolis ist ein Autofahrer in eine Menge von Ferguson-Demonstranten gefahren und hat mit seinem Vorderrad eine Frau ergriffen. Er schleifte die Demonstrantin etwa sechs Meter unter dem Auto mit. Demonstranten blockieren eine Strasse in Nashville Tennessee. Ein Protestler in Oakland, Kalifornien, legt Holz nach. Ein Demonstrant mit Gasmaske vor dem Polizeigebäude in Ferguson, Missouri. Demonstranten reihen sich vor dem Polizei-Department in Ferguson auf. Nach Angaben der Behörden im Grossraum St. Louis hat es mehr als 80 Festnahmen gegeben. Die Polizei des Kreises teilte am Dienstag mit, in Ferguson, wo im August der junge Afroamerikaner Brown von einem weissen Polizisten erschossen wurde, seien bei Zusammenstössen 61 Personen verhaftet worden. Dieses Bild zeigt Polizist Darren Wilson, der auf Michael Brown schoss. Es soll nach dem Vorfall aufgenommen worden sein und beweisen, dass Wilson von Brown im Gesicht angegriffen und verletzt worden ist. Feuerwehrleute löschen ein in Brand gesetztes Café in Ferguson. Dieses und andere Gebäude wurden von den Demonstranten angezündet, nachdem bekannt gegeben wurde, dass der Polizist Darren Wilson für die Tötung des Teenagers Michael Brown nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Auf den Strassen Fergusons kam es zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Polizei. Tränengas wurde eingesetzt. Das Gesicht dieser Frau ist vom möglichen Tränengas-Einsatz gezeichnet. Demonstranten vor einem brennenden Autoteile-Laden. Die Demonstranten zündeten aus Wut über die Entscheidung mehrere Gebäude an. Michael Browns Mutter (Mitte) wird vor dem Police-Department von Ferguson getröstet. Die Familie des getöteten Teenagers hatte darauf gehofft, dass der Polizist sich vor Gericht verantworten muss. Viele Menschen protestierten friedlich gegen Entscheidung eines Geschworenengerichts in Missouri, keine Anklage gegen den weissen Polizisten zuzulassen. Demonstranten versuchen, ein Polizeiauto umzukippen. Zuvor waren bereits Ziegelsteine geflogen. Ein Polizist vor dem beschädigten Streifenwagen. Polizeibeamte in Ferguson vor einem brennenden Polizeiauto. Ein Plünderer verlässt in Ferguson einen Laden mit seiner Beute. Auch er hat sich einiges aus dem Laden geholt. Dass Polizist Darren Wilson, der den Schwarzen Michael Brown (18) erschossen hat, straffrei ausgeht, sorgt für Empörung. Diese schlug in Ferguson in Gewalt um.

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Der US-Polizist, der in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri einen unbewaffneten schwarzen Teenager erschossen und damit schwere Proteste ausgelöst hatte, wird auch von den Bundesbehörden nicht angeklagt. Es gebe keine Beweise, die gegen das rechtmässige Verhalten des weissen Beamten sprächen, teilte das Justizministerium am Mittwoch in Washington mit.

Darren Wilson hatte ausgesagt, zum Zeitpunkt der Tat um sein Leben gefürchtet zu haben. Deshalb habe er auf den Jugendlichen Michael Brown geschossen. Die US-Bundesstaatsanwaltschaft prüfte, ob der Polizist mit seinen Schüssen eine Bürgerrechtsverletzung begangen hatte. US-Medien hatten bereits vor Wochen berichtet, dass eine Anklage aber sehr unwahrscheinlich sei. Der Bericht des Justizministeriums bestätigte die Informationen nun.

Landesweite Unruhen

Die Familie von Brown äusserte sich enttäuscht darüber, dass der «Mörder unserer Sohnes nicht für seine Taten zur Verantwortung gezogen wird.» Wilson hatte den Jugendlichen im August in der Vorstadt von St. Louis erschossen. Das hatte landesweit Empörung sowie tagelange Unruhen in Ferguson ausgelöst.

Die Polizei ging damals mit grosser Gewalt gegen die Demonstranten vor, mehrfach fielen Schüsse. Es gab Verletzte. Im Dezember kam eine Geschworenen-Jury zum Urteil, dass keine Anklage gegen den Polizisten erhoben wird. Darauf brachen erneut Proteste aus.

Zweifel an Zeugenaussagen

Wie die Geschworenen zogen auch die Bundesermittler Zeugenaussagen in Zweifel, denen zufolge Brown die Hände erhoben hatte, als Wilson schoss. Dieselben Zeugen hätten auch erklärt, dass der Teenager auf den Polizisten zugestürmt sei und dabei die Hände heruntergenommen habe, heisst es in dem Papier.

Demonstranten in Ferguson und anderen US-Städten hatten bei Protestzügen stets «Hände hoch! Nicht schiessen!» skandiert, um auf die Brutalität der Tat hinzuweisen.

Beweise, dass Brown auf Wilson zugegangen sei

Nach Darstellung der Staatsanwaltes in Ferguson hatte der Polizist den 18-Jährigen damals gebeten, nicht mitten auf der Strasse zu gehen. Darauf sei der an das Fenster des Polizeiwagens getreten und habe nach der Waffe des Beamten gegriffen und ihn geschlagen. In dem Auto seien zwei Schüsse gefallen. Als er sich wieder von dem Wagen entfernt habe, sei Wilson ihm hinterher gelaufen.

Es gebe Beweise, dass der Teenager sich umgedreht habe auf Wilson zugekommen sei, heisst es. Der Polizist feuerte daraufhin zehn Schüsse ab.

Routinemässige Schikanen

Ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des US-Justizministeriums bestätigte ein routinemässiges Schikanieren von Afroamerikanern in Ferguson. So seien Schwarze überdurchschnittlich oft das Ziel polizeilicher Massnahmen gewesen.

Ihr Anteil an allen Festnahmen zwischen 2012 und 2014 lag demnach bei 93 Prozent, obwohl sie nur zwei Drittel der Bevölkerung von Ferguson ausmachten. 85 Prozent der von der Polizei angehaltenen Autos wurden von Schwarzen gefahren, 90 Prozent der vor Gericht zitierten Personen waren Schwarze, und Gewalt wurde in 88 Prozent der Fälle gegen Schwarze angewandt.

(sda)