Wieder Zwischenfall

11. Januar 2011 11:53; Akt: 01.04.2011 15:07 Print

Kerosin zu schwer, Passagiere raus

Weil der Airbus zu viel Kerosin getankt hatte, zwang eine easyJet-Crew 30 Passagiere, das Flugzeug wieder zu verlassen – und drohte gar mit der Polizei.

storybild

Ein Airbus des Billigfliegers easyJet am Flughafen Genf Cointrin am 20. April 2010. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Treibstoff ablassen - unter Aviatik-Fans besser bekannt als «Fuel Dumping» - ist eine Methode, das Gewicht eines Flugzeugs in Notfällen zu verringern. Auf einem Flug am 26. Dezember 2010 von Birmingham nach Genf wandte Billigflieger easyJet diese Methode in leicht abgeänderter Form an, wie die BBC berichtete.

Bei der Betankung war offenbar etwas schiefgegangen, am Schluss hatte der Airbus A319-100 10 Tonnen Kerosin zu viel geladen. Zu schwer, entschied der Captain und bat um 36 Freiwillige, die das Flugzeug wieder verlassen würden. Einer der Passagiere schrieb später auf dem Forum Flightmole.com, dass easyJet ihnen zunächst 100 britische Pfund, Unterkunft und einen Platz auf dem nächsten Flug versprochen habe. Als dieses Angebot auf 250 Euro aufgestockte wurde, erklärten sich sechs Passagiere bereit, das Flugzeug zu verlassen.

Daraufhin entschied easyJet, dass zusätzlich jene dreissig Passagiere, die zuletzt eingestiegen waren, das Flugzeug verlassen mussten - und drohte, das Ganze müsse schnell gehen, da Genf Cointrin bald schliesse und dann gar niemand mehr fliegen würde. Als die betroffenen Passagiere sich weigerten, fuhr easyJet grosses Geschütz auf. Am Terminal würde bereits die Polizei warten, um sie zu verhaften, liess die Airline die Unwilligen wissen. Daraufhin verliessen die dreissig Pechvögel das Flugzeug, das schliesslich mit drei Stunden Verspätung abhob.

Gepäck blieb zurück

Den verbliebenen Passagieren wurden auf dem knapp zweistündigen Flug nach Genf zur Wiedergutmachung gratis Snacks und Getränke serviert. Was sie nicht wussten: Um das Gewicht des Flugzeugs weiter zu verringern, war ihr Gepäck wieder ausgeladen und in Birmingham zurückgelassen worden. Einige mussten fünf Tage auf ihr Gepäck warten, wofür ihnen easyJet 25 Pfund pro Tag als Entschädigung anbot. Viele verpassten in Genf zudem ihre Anschlüsse.

Eine Sprecherin von easyJet entschuldigte sich bei allen Passagieren und erklärte, es sei eine Untersuchung eingeleitet worden, unter anderem im Zusammenhang mit der Anschuldigung, easyJet habe Passagieren mit Verhaftung gedroht.

(kri)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Logan am 11.01.2011 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde niemals mit denen fliegen

    Wer beinahe gratis fliegen will, muss fast mit sowas rechnen. Aber es ist trotzdem unglaublich wie frech so eine Besatzung sein kann. Wo bleibt da die Kundenfreundlichkeit? Ach ja ich vergass, ist im Preis nicht inbegriffen.

  • denza am 11.01.2011 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    alles easy oder?

    fliege seit x-jahren mit easy jet und hatte noch nie probleme... mit swiss war ich einmal und hatte die grösten lämpen. also kann das bei jeder fluggesellschaft passieren.

  • Mike am 11.01.2011 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Glaub ich einfach nicht

    Das hätt ich dann mal sehen wollen, wie die mich abführen. Sowas lass ich mir doch nicht bieten. Da würde ich juristisch bis ans Limit gehen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • r.buhl am 21.01.2013 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Haaa was mich aber eher verwundert ist

    etwas ganz anderes. - Seit wann werden dann an irgend einem Ort Fluggastbrücken für Easyjets eingesetzt? Sehe ich zum ersten Mal. Oder täuscht das Bild??

  • Dominik am 21.01.2011 01:05 Report Diesen Beitrag melden

    Konstruktion?

    was ich nicht verstehe, ist der Airbus nicht dafür ausgelegt mit einer maximalen Passagier/Gepäck Auslastung und auch einer Vollbetankung zu starten? oder war das mit dem zu viel Kerosin eher für die kurze Distanz problematisch? scheinbar nicht, denn es wurde ja kein Kerosin abgepumpt.. Merkwürdig

    • Marcel am 23.01.2011 20:58 Report Diesen Beitrag melden

      Konstruktion!

      Nahezu kein Flugezug ist dafür ausgelegt sowohl mit maximaler PAX/Cargo-Auslastung und noch maximaler Betankung fliegen zu können... Das ist immer ein Balanceakt. Deswegen muss schließlich auch für jeden Flug eine komplette Beladeplanung und Schwerpunktberechnung durchgeführt werden.

    • joerg.lorenz am 10.02.2011 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      Kerosen zu schwer, Passagiere raus

      Ein A319 als Kurzstreckenflugzeug kann mit voller Kerosenladung und maximaler Payload problemlos starten und fliegen. Dazu muss allerdings die Piste lang genug sein und die Witterungsverhältnisse passend. Bin noch nie ab Birmingham geflogen und kenne deshalb die Pistenverhältnisse nicht wirklich.

    einklappen einklappen
  • Hartmut am 12.01.2011 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Das geht so nicht!

    Easy Jet, immer wieder Easy Jet in den Negativschlagzeilen. Was kann sich dieses Unternehmen eigentlich noch alles leisten, bis die Kunden endlich begreifen und wegbleiben? Wieviel Passagiere lassen sich von diesem Unternehmen noch über den Tisch ziehen? Es ist an der Zeit, Easy Jet eine "Lehrstunde" zu erteilen! Alle weiteren Kommentare stimmen: Enttanken ist auch ohne riesigen technischen Aufwand möglich, aber hier geht es um den Gewinn von Easy Jet, nicht um die Paxe!

  • Peter am 12.01.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es eben

    Um das mal ganz klar zu sagen: Der Pilot ist für den Flug verantwortlich und hat Verfügungsgewalt über das Flugzeug. Er kann jederzeit jeden auch ohne Grund vom Flug ausschließen und das selbstverständlich auch polizeilich durchsetzen lassen. Zivilrechtliche Ansprüche gegen die Airline sind davon natürlich unberührt.

    • John am 12.01.2011 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      Airlaw

      Das ist leider nicht richtig!! Kein Kapitän , bei keiner Airline darf jemanden " ohne Grund" zurück lassen!!!! Es wäre von easyjet klever gewesen die 36 Paxe mit der Swiss fliegen zu lassen oder einen Tankwagen zu bestellen der den Fuel wieder abpummt!

    • Walter am 12.01.2011 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Es geht auch anders

      Man kann Flugzeuge auch enttanken.

    • Karl am 10.02.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      Die Missbräuchliche Verwendung

      dieses Rechts sollte der Airline aber auch in der Brieftasche weh tun

    einklappen einklappen
  • Hans am 11.01.2011 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte...

    ...kann doch mal passieren. Es ging noch ein Flug mit der SWISS, den hätte man auf Kosten von easyjet nehmen und noch die 250 strafe einkassieren können