14. April 2005 15:50; Akt: 14.04.2005 15:50 Print

Killervirus: Entwarnung

Die weltweit in Forschungslaboren eingegangenen Proben von tödlichen Grippe-Viren sind offenbar doch nicht versehentlich verschickt worden.

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Es sei praktisch unmöglich, dass die Betroffenen nicht gewusst hätten, mit welchem Virenstrang sie es zu tun hätten, erklärte die Leiterin des US-Zentrums zur Seuchenkontrolle (CDC), Julie Gerberding. Die Proben des Erregertyps H2N2 wurden seit September 2004 an fast 5.000 Laboratorien in 18 Ländern verschickt, darunter auch sechs Labore in Deutschland. Schweizer Laboratorien waren nicht betroffen.

Gerberding erklärte, der H2N2-Erreger sei vermutlich deshalb in die Testsendungen einbezogen worden, weil er besonders gut zu kultivieren sei. Damit hätten offenbar die Methoden zur Erforschung und Bekämpfung von Viren verbessert werden sollen. Allerdings sei dabei ausser Acht gelassen worden, wie gefährlich die Zirkulation eines Virenstammes sein könnte, für den es keinen Impfstoff gebe. Gerbering betont allerdings, dass der Erreger aller Wahrscheinlichkeit nach keine Infektionen ausgelöst habe. Andernfalls wäre dies inzwischen bekannt geworden.

Die Proben waren im Auftrag des Kollegs Amerikanischer Pathologen (CAP) vom Unternehmen Meridian Bioscience in Cincinnati verschickt worden. Gemäss den Richtlinien der Organisation dürfen Testpackungen allerdings keine Erreger enthalten, die eine grosse Gefahr darstellen könnten. Der CAP-Beamte Jared Schwartz erklärte, die Firma Meridian sei der Auffassung gewesen, sie habe lediglich Virenstämme verschickt, für die es bereits wirksame Gegenmittel gebe.

Ein israelisches Forschungslabor erklärte am Donnerstag, die dort eingegangenen Virenproben seien inzwischen zerstört worden. Das Virenlabor des Scheba-Medizinzentrums nahe Tel Aviv habe die Probe im März vernichtet, nachdem die Forschung daran abgeschlossen gewesen sei, sagte Direktorin Ella Mendelsohn. Höchstwahrscheinlich habe sich keiner der Mitarbeiter infiziert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äusserte sich zuversichtlich, dass bis Freitag sämtliche Proben ausserhalb der USA zerstört würden. Die betroffenen Labore in Deutschland, Kanada, Südkorea, Hongkong, Taiwan und Singapur haben die Viren nach eigenen Angaben bereits vernichtet. Japan habe dies ebenfalls angekündigt, sagte Klaus Stohr, leitender Wissenschaftler für Influenza-Überwachung bei der WHO.

(sda)