21. April 2005 17:46; Akt: 21.04.2005 17:48 Print

Kind zu Tode gequält: 10 Jahre Haft

Im Mordprozess um die vier Tage dauernde tödliche Misshandlung der dreijährigen Karolina hat das Landgericht Memmingen mildere Strafen verhängt als von der Staatsanwaltschaft beantragt.

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Der 31-jährige Mehmet A. erhielt eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und drei Monaten wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener. Nach dreijähriger Haftzeit wird er wegen einer Persönlichkeitsstörung in die Psychiatrie eingewiesen. Die Mutter des Mädchens, die 26-jährige Zaneta C., wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Zuhörer im Gericht reagierten mit Empörung auf das Urteil.

Mehmet A. hatte die Tochter seiner Freundin Anfang Januar 2004 in Biberachzell bei Weissenhorn mit Schlägen und Verbrennungen vier Tage lang grausam misshandelt. Das bewusstlose, bis zur Unkenntlichkeit entstellte Kind - es war mit Schwellungen, Kratzern, Blutergüssen und Brandwunden übersät - hatten die beiden Angeklagten schliesslich in einer Krankenhaustoilette in Weissenhorn bei Neu-Ulm abgelegt. Dort wurde Karolina, nackt und kahl geschoren, am 5. Januar 2004 entdeckt. Sie erlag zwei Tage später ihren schweren Hirnverletzungen.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag für den 31-jährigen Angeklagten wegen Mordes eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gefordert und beantragt, ihn nach vier Jahren Gefängnis in der Psychiatrie unterzubringen. Für die Mutter des Mädchens hatte Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner acht Jahre Haft gefordert.

«Schwere seelische Abartigkeit»

Der Verteidiger von Zaneta C. plädierte dagegen auf Freispruch. Der Verteidiger von Mehmet A. beantragte eine Freiheitsstrafe unter zehn Jahren und eine rasche Unterbringung in der Psychiatrie. Der Anwalt stufte das Verbrechen als Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener ein.

Der Vorsitzende Richter Götz Helms sagte in der Urteilsbegründung, die Tat von Mehmet A. sei nahe am Totschlag, weil ein Kleinkind besonders wehrlos sei. Die Strafkammer habe jedoch auf Körperverletzung mit Todesfolge erkannt, weil ihm ein Tötungsvorsatz nicht nachzuweisen sei. In dem Prozess wurde nach Ansicht der Richter nicht bewiesen, dass der 31-Jährige das Kind mit der Faust geschlagen hatte. Er habe auch überrascht darauf reagiert, dass die Dreijährige das Bewusstsein verloren hatte. Von Mehmet A., der eine herabgesetzte Hemmschwelle habe, gehe eine Gefahr für die Allgemeinheit aus, sagte Helms.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Gericht geraten, den Angeklagten nach einer Haftzeit von einem bis vier Jahren in die Psychiatrie einzuweisen. Mehmet A. sei wegen einer «schweren seelischen Abartigkeit» vermindert schuldfähig. Er habe das Kind erniedrigt, um sein eigenes Selbstwertgefühl zu steigern.

Die Mutter wurde schuldig gesprochen, weil sie nicht gegen die Gewaltexzesse ihres Freundes eingeschritten und diese auch nicht unterbunden habe. Als strafmildernd berücksichtigten die Richter, dass Zaneta C. die Folgen ihres Verhaltens ihr Leben lang spüren werde.

(ap)