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17. Januar 2011 09:08; Akt: 17.01.2011 12:10 Print

Kinder in die Krippe – und ab in den Ausgang

von F. Burch, J. Bedetti - Für Eltern, die nächstens wieder einmal Zeit zusammen verbringen möchten, gibt es neue Angebote: Kitas, die sich in der Nacht um ihre Kleinen kümmern.

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In der Kinderkrippe mit dem Namen GFZ Kita 10a in Zürich Höngg können Eltern ihre Kinder alle zwei Monate am Freitagabend für die ganze Nacht abgeben. (Symbolbild: Keystone)

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Sei es ein gemeinsamer Ausgang, ein Abend, an welchem beide arbeiten müssen, der Wunsch, am Samstagmorgen wieder einmal ausschlafen zu können oder einfach der Genuss von Zweisamkeit: Es gibt viele Gründe, für Eltern, ihre Kinder eine ganze Nacht lang betreuen zu lassen. Genau dies ist denn auch ein immer grösseres Bedürfnis. Nun bietet eine Kindertagesstätte in Zürich Höngg deshalb neu eine Rundumbetreuung für Kinder vom Freitagabend bis am Samstagmorgen an.

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Betrieben wird die Kita mit dem Namen GFZ Kita 10a vom Gemeinnützigen Frauenverein Zürich (GFZ). Der GFZ betreibt elf Kindertagesstätten im Raum Zürich, in welchen rund 1000 Kinder betreut werden. Bettina Güntert, Leiterin des entsprechendes Kita-Verbundes, betont, es handle sich um kein ständiges Angebot, es gebe es jeden zweiten Monat. Inbegriffen sind Essen, ein Abendprogramm, die Begleitung in den Schlaf sowie Personal, das die ganze Nacht «Wache hält». Die Programme sind jeweils themenbezogen, es können Märchenabende, ein Grillplausch oder eine Kinderdisco sein. Laut Güntert übernachten die Kinder gerne in der Kita, da sie die Betreuerinnen, den Ort und auch die anderen Kinder bereits aus der Tagesbetreuung unter der Woche kennen. Der Dienst kostet 90 Franken. Zwischen 9 und 10 Uhr am Samstagmorgen holen die Eltern ihre Schützlinge wieder ab.

Der Wunsch der Städter nach Kinderhotels

«Die Eltern kommen querbeet aus allen Schichten», sagt Güntert. Ein gemeinsamer Nenner sei, dass es alles Städter sind. In der Stadt kenne man die Nachbarn tendenziell schlechter als auf dem Land; auch komme es vor, dass die Grosseltern noch arbeiten. Dies seien Mitgründe, warum es eine steigende Nachfrage nach «Kinderhotels» gebe. Im Zürcher Niederdorf gibt es ein solches bereits seit fünf Jahren, nun kommt Zürich Höngg dazu.

Andreas Graf von der Kita Playground im Zürcher Kreis 4 bestätigt den Trend: «Unsere Klientel besteht aus vielen Freischaffenden und Künstlern.» Diesen Leuten sei Flexibilität sehr wichtig. Wir planen ab Sommer betreute Wochenenden zu veranstalten. Viermal im Jahr sollen solche durchgeführt werden. «Die Nachfrage unserer Eltern, vielleicht auch mal ein Weekend in Paris zu verbringen, ist da.»

Zudem fasst Graf eine Kooperation mit Spitälern ins Auge. Bei Ärzten, Pflegepersonal, aber auch Polizisten oder Industrieleuten bestehe der Wunsch nach Nachtangeboten. «Wir glauben, das Bedürfnis nach 24-Stunden-Betreuung wird wachsen», ist Graf überzeugt.

Die Kinder während dem Restaurant-Besuch betreuen lassen

Bei der Kita Keiki in Zürich West ist Ähnliches in Planung. «Wir sind mit einem benachbarten Restaurant im Gespräch, um einmal im Monat einen Abend- oder Nachtdienst für Restaurantgäste anbieten zu können», so Geschäftsleiterin Fränzi Galo. Matthias Schulze von der Krippe Zwergenburg im Kreis 5 hat ab und zu eine Anfrage von urbanen Eltern, die ihre Kinder gerne die ganze Nacht abgeben wollen. Es seien Leute, die noch nicht lange in Zürich wohnten. Allerdings empfehle er, einen Babysitter zu suchen.

In der Stadt Genf gibt es Bestrebungen, die in die selbe Richtung gehen wie in Zürich: Die städtische Kinderdelegation hat im Jahr 2008 bei verschiedenen Eltern das Bedürfnis für eine Nachtkrippe ausgelotet. «Es hat sich herausgestellt, dass die Nachfrage zwar nicht riesig ist, aber doch einige Eltern davon Gebrauch machen würden», sagt Francine Koch, Leiterin der Kinderdelegation. Man hat also beschlossen, die Sache an die Hand zu nehmen und prüft derzeit die verschiedenen Optionen. Wann die erste Nachtkrippe eingeweiht werde, könne noch nicht gesagt werden, so Koch.

In der «Restschweiz» noch kein Thema

Während in Zürich und Genf die Nachfrage nach Nacht-Kitas besteht, gibt es in anderen Städten keine Angebote für Eltern, die sich eine Auszeit gönnen wollen. Hingegen bestehen solche für Eltern, die im Schichtbetrieb arbeiten. Einige Kitas stellten den Nachtbetrieb jedoch wieder ein, weil die Nachfrage zu klein war.

Talin Stoffel, Geschäftsführerin des Schweizerischen Krippenverbandes, ist kritisch gegenüber den neuen Angeboten. «Es gab schon verschiedene Versuche, sie scheiterten.» In Umfragen fänden Nachtbetreuung alle Eltern super, in der Praxis dann bestehe die Nachfrage aber nicht.

Mitarbeit: fum

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudeea M.Z am 17.01.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte es auch in Bern geben

    Warum ist man egoistisch&verantwortungslos, wenn man 1Abend die Kinder abgibt? Es ist erwiesen, dass ein Paar (vor allem auch Eltern) ab- &zu etwas nur zu zweit unternehmen sollen um die Beziehung zu festigen. Das würde viele Ehen retten! In KiTas sind es Fachpersonen die sich um den Nachwuchs kümmern, nicht unerfahrene Babysitter (und wenn man einen Babysitter engagiert, ist das dann weniger schlimm?). Mein Mann&ich haben zwar noch keine Kinder, planen aber welche&ich bin sicher, wenn's in Bern so ein Angebot gäbe, dann würde ich den auch nutzen, meinen Kinder&der Beziehung zu liebe!

  • hana am 17.01.2011 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kita

    Ich habe auch mal in der Schule übernachtet und war früher immer mind. dreimal einen halben Tag pro Woche in der "Krabelgruppe". Ich kann mich dabei fast nur noch an positive Sachen erinnern.... Ich bin sehr froh, dass ich mit so vielen verschiedenen Kindern sein durfte. Ich sehe nichts Schlechtes dabei, wenn man seine Kinder in die KiTa bringt, solange man sich trotzdem intensiv um die Kinder kümmert!

  • Jasmin Odermatt am 17.01.2011 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Wer am Wochenende ausschlafen oder Abends weg will, soll einfach keine Kinder in die Welt setzen. Ich finde es absolut daneben Kinder zu wollen, aber sie, sobald sie da sind, doch nur den ganzen Tag in eine Kita zu stecken, weil beide Eltern Kariere machen wollen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sandra am 20.01.2011 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    es lebe die engstirnigkeit

    als mutter von zwei kindern, welche für 100% für die kinderbetreuung zuständig ist, ein gutes soziales umfeld hat und somit auch die möglichkeit die kinder von grosseltern betreuen zu lassen, finde ich diese idee grossartig. es kann immer wieder engpässe in der kinderbetreuung geben, gerade bei alleinerziehenden oder schichtarbeitenden eltern. all jene, welche dies nun verurteilen, sind einfach nur spiessig und engstirnig und haben nicht das recht dazu. denn auch hier gilt einmal mehr (genauso wie beim tv-konsum, mcdonalds-besuchen, süssigkeitenverzehr u.v.m.): das mass ist das gift!!!!

  • Andrea Mordasini, Bern am 18.01.2011 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kitas sollten werktags länger und samstags offen h

    Es braucht bloss etwas gute Organisation und guter Wille! Ich bin viel eher der Meinung, dass es mehr herkömmliche KITAS braucht und vor allem auch solche, welche abends länger bzw. auch samstags geöffnet haben. Es gibt viele Mütter, vor allem auch Alleinerziehende, die abends und am Wochenende arbeiten müssen. Da wäre die Nachfrage doch eher da, dementsprechend herrscht hier dringender Handlungsbedarf!

  • Andrea Mordasini, Bern am 18.01.2011 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wärs mit einem Babysitter?

    Ich bin selber Mutter zweier Kleinkinder und könnte mir nicht vorstellen, diese für irgendwelche Parties über Nacht in eine KITA zu geben. Ehrlich gesagt befremden mich solche Entwicklungen! Nichts gegen Aktivitäten ohne Kinder, im Gegenteil. Auch ich gehe ab und zu in den Ausgang, doch hin und wieder muss man eben auf den einen oder anderen Anlass verzichten oder wie ich einen Babysitter, Nachbarin, Freundin, Oma/Opa, Gotte/Götti etc. organisieren ;-).

    • Xaydes am 19.01.2011 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      Kinder fragen...

      Völlig einverstanden. Selber Mutter von einem 7-jährigen und fragte mal in seinem Freundeskreis, ob für die Kinder sowas in Frage käme. Antwort war durchwegs nein, was aber nicht hiess eine Uebernachtung bei einem Freund und dessen vertrauten Eltern zu verbringen. Für alleinerziehende Elternteile ist eine Nachtkrippe sicher von Nutzen, aber nicht für vergnüngssüchtige Eltern. Glaube hier liegt ein wesentlicher Unterschied

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  • Susi am 18.01.2011 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Schwarz-Negativedenker

    Wow, ganz schön viele Schwarzdenkende in diesem Forum. Frauen einsperren. Keinen Spass erlauben. Kinder einsperren. Keine Freiheit. Keine Freitzeit. Spiesserei. Untergang der Gesellschaft. Im Sudan ist inzwischen auch dank solch einer Denkweise verboten worden, dass sich nicht verwandte Personen auf der Strasse grüssen dürfen. He; Geniesst das Leben und lasst andere es so leben, wie sie's wollen. Jede Familie, jede Beziehung jeder Mensch und jedes Leben ist anders. Bringt euer Leben in Ordnung, macht einen "wie werde ich Glücklich-Seminar". Dann werden es euere Kinder auch sein.

    • Dani am 19.01.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      Gutes Beispiel

      kann ja jeder, genau so wie jeder selber entscheiden kann ob er Kinder will oder nicht. Aber he, egal wieviel Jugendgewalt und Tote es nocht gibt, es liegt natürlich nicht daran, dass sich die Eltern nicht mehr um die kleinen kümmern sondern lieber im Ausgang rumgammeln.

    • Susi am 20.01.2011 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      Das Drama eines Kindes

      Moment, da muss ich grad mal überlegen, wie viele Leute ich und mein Bruder schon umgebracht haben. Es waren echt tragische Zeiten für uns, als unsere Eltern mal alleine in den Ausgang gegangen sind und dazu noch gearbeitet haben und wir armen Kindchen ins Tagesheim abgeschoben wurden. Wie kann das bloss sein, dass ich so ein empathischer Mensch geworden bin, wenn ich doch den ganzen Tag im Tagi gequält worden bin und mutterseelenalleine war? Ach ja, in meiner Nachbarschafts gabs ja auch überhaupt keine Kinder. Trotzdem könnte ich wählen, würde ich mich wieder fürs Tagi entscheiden.

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  • Sabrina am 18.01.2011 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit Internet?

    Wer kümmert sich eigentlich um die ganzen Kinder, während sich die Eltern im Internet tummeln und irgendwelche Kommentare verfassen?:))