Campingplatz von Lügde

13. Mai 2019 04:08; Akt: 13.05.2019 04:39 Print

Kinder mussten andere Kinder missbrauchen

Die Ermittler haben den Abschlussbericht zur Missbrauchsserie auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen der Staatsanwaltschaft übergeben.

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Beschuldigte haben Dutzende Kinder missbraucht: Spielwaren vor dem Tatort auf dem Campingplatz in Lügde. (Archivbild) Mitte April 2019 haben Mitarbeiter eines Abrissunternehmers neue Datenträger auf der Parzelle von Andreas V. entdeckt. Seit dem 9. April stehen Bagger vor der Parzelle und reissen die Behausung des 56-Jährigen V. ab. Als die Angestellten der Firma Vs. Wohnwagen zerlegten, fanden sie drei CDs und zwei Disketten, die die Polizei bei der Durchsuchung offenbar übersehen hatte. Die Datenträger seien in einem Zwischenraum des doppelten Holzbodens des Wohnwagens gelegen. Eine weitere CD sei später im Schutt des bereits zerstörten Wohnwagens gefunden worden. Die Missbrauchsserie im nordrhein-westfälischen Lügde hätten die Behörden schon vor mindestens zwei Jahren aufdecken können. Das behauptet der 57-jährige Jens Ruzsitska, dessen Töchter sich unter den Opfern befinden. Am 30. Januar 2019 wurde bekannt, dass drei Männer auf dem Campingplatz in Lügde 23 Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material hergestellt hatten. Während zehn Jahren sollen die Täter über 1000-mal zugeschlagen haben. 23 Kinder konnten bisher als Missbrauchsopfer ermittelt werden. Bei den drei Männern, die mittlerweile festgenommen wurden, handelt es sich um einen 56-Jährigen aus Lüdge, einen 48-Jährigen aus Stade und einen 33-Jährigen aus Steinheim. Während zwei von ihnen die Taten auf dem Campingplatz begingen, erwarb der dritte Täter kinderpornografisches Material der Missbrauchsfälle. Die Polizei stellte mehr als 400 CDs und DVDs mit einer Grösse von rund 14 Terabyte mit kinderpornografischen Inhalten sicher. Auf dem Campingplatz können auch kleine Blockhäuser oder Langzeitplätze gemietet werden. Der mutmassliche Haupttäter lebte als Dauercamper auf dem Platz. Während sich im Hintergrund diese Horror-Taten abspielten, warb der Campingplatz in der Öffentlichkeit mit diesen Worten: «Beginnen Sie bei uns Ihre erlebnisreichen Ausflüge und erholen Sie sich zwischendurch in herrlicher Ruhe der malerischen Landschaft.»

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Nach der Missbrauchsserie auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Ort Lügde haben die Ermittler ihren Abschlussbericht offenbar an die Staatsanwaltschaft übergeben. Wie das «Westfalen-Blatt» berichtet kam bei den Ermittlungen zutage, dass mehrere Opfer gezwungen wurden, ihrerseits andere Kinder sexuell zu missbrauchen. In den kommenden Tagen dürften nun erste Anklagen erhoben werden.

Der Hauptbeschuldigte soll dem Bericht der Ermittler zufolge 28 Kinder missbraucht haben, sein Komplize 18. Wie die Zeitung weiter berichtet waren einige Vergewaltigungsopfer noch kleine Kinder. Einer der beiden Männer soll zudem einige seiner Opfer auf dem Campingplatz gezwungen haben, ihrerseits andere Kinder zu missbrauchen. Dabei soll er sie angeleitet und gefilmt haben.

Zu den frühesten Missbrauchsfällen des Hauptbeschuldigten soll es bereits in den 90er Jahren gekommen sein. Sie sind inzwischen verjährt. Wie das «Westfalen-Blatt» weiter berichtet, wird die Staatsanwaltschaft Detmold aufgrund der jetzt vorgelegten Unterlagen voraussichtlich in dieser Woche erste Anklagen erheben.

(chk/afp)