Missbrauch

10. März 2010 14:22; Akt: 10.03.2010 14:57 Print

Kirche versetzt Sittenstrolch in die Schweiz

von Daniel Huber - Der stellvertretende Internatsleiter der Regensburger Domspatzen wurde bei unsittlichen Handlungen mit zwei Knaben ertappt. Was tat die katholische Kirche, damit das nicht mehr vorkommt? Sie schickt ihn in die Schweiz - als Lehrer in eine von Nonnen geleitete Mädchenschule.

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Eine Welle von jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfällen in katholischen Institutionen in Deutschland setzt die Kirche unter Druck. Die weltberühmten Regensburger Domspatzen stehen dabei besonders im Brennpunkt der Aufmerksamkeit, weil der traditionsreiche Knabenchor von 1964 bis 1994 von Georg Ratzinger, dem Bruder des heutigen Papstes, geleitet wurde.

Einer der Missbrauchsfälle an dem mit dem Knabenchor verbundenen Musikinternat betrifft dessen damaligen stellvertretenden Leiter Friedrich Z. Der 1918 geborene und 1949 ordinierte Geistliche amtete seit September 1953 als Religionslehrer und Präfekt am Musikgymnasium Regensburg — bis zum 6. Mai 1958. Damals erlitt seine Karriere einen jähen Knick; Z. wurde vom Institutsleiter Theobald Schrems aus dem Dienst entfernt. Grund für die plötzliche Entlassung war, wie die «Regensburger Woche» damals berichtete, dass Z. «mit zweien seiner Schützlinge bei unsittlichen Handlungen ertappt» worden war. Mitbrüder sagten aus, er sei für dieses Vergehen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Versetzung nach dem Missbrauch

Auch bei Z. verfuhr die katholische Kirche ihrem unguten Usus entsprechend, wonach Triebtäter einfach an einem anderen Ort weiterbeschäftigt werden: Nachdem er seine Haftstrafe verbüsst hatte, wurde er ins Bistum Chur versetzt. Dort war Z. von Oktober 1961 bis Juni 1982 als Hausgeistlicher bei einem Schwesternkonvent mit angegliederter Mädchenschule tätig, wie Clemens Neck, Sprecher des Bistums Regensburg, auf Anfrage von 20 Minuten Online bestätigte. Man habe damals «etwas Weniges» von seinen Verfehlungen gewusst, räumt der Informationsbeauftragte des Bistums Chur, Christoph Casetti, gegenüber 20 Minuten Online ein. Der Aktenbestand sei freilich sehr «dürftig»; vieles sei damals wohl auch mündlich vereinbart worden.

Erst jetzt von dem Fall erfahren

Immerhin gehe aus den Akten nichts hervor, was darauf schliessen lasse, «dass etwas Kriminelles passiert» sei. Schliesslich habe sich Z. in Regensburg auch an Knaben vergangen, während er im Bistum Chur mit Mädchen zu tun gehabt habe. Von dem Fall Z., sagte Casetti weiter, habe er erst in den vergangenen Tagen erfahren. Er werde sich nun aber einen Überblick verschaffen und der Sache entschieden nachgehen.

Z. ging im Juni 1982 in den Ruhestand, als die Schwestern Konvent und Schule auflösten, und kehrte nach Deutschland zurück. Dort starb er zwei Jahre später in seinem Geburtsort Mitterteich.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul Meier am 10.03.2010 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu die Aufregung?

    Die Tat wurde vor 52! Jahren begangen. Der Mann sass 2 Jahre dafür im Gefängnis. Vor 50! Jahren wurde er dafür versetzt an einen Ort an welchem eine Rückfallgefahr kaum bestand. Hätte man ihn auf die Strasse setzen sollen ohne Job? Was wäre dann passiert, unkontrolliert und ohne Zukunft? Na wie wäre es wenn man diuesbezüglich ein wenig mehr denken und weniger hetzen würde. Nicht um die Tat zu beschönigen, dies ist nicht meine Absicht, aber hier ist eine üble Hetze im Gange die so nichts bringt.

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  • s_u am 10.03.2010 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    das isch doch

    eifach nur en schlächte scherz oder??

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  • Daniela B. am 12.03.2010 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Es war an der Zeit.....

    Ich war in dieser Schule....und bei ihm im Unterricht. Es ist an der Zeit, dass das dort Erlebte endlich zur Sprache kommt und offen gelegt wird. Auch wenn es schon sehr lange her ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • gabrielle Wagner am 15.03.2010 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sexuelle Missbräuche der kath.Kirche

    Liebe Menschen! Es gibt 8 Bücherbände von Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichten der katholischen Kirche. Persönlich habe ich nichts gegen den Namen 'katholisch', sondern dass sich eine solche Kirche 'CHRISLTICH' nennt ist ja skandalös. Das hat mit CHRISTLICH nichts zu tun und überhaupt schon gar nicht mit Gott, dem Ewigen! Ich plädiere deshalb Austritt sofort! Keine Steuergelder mehr an eine solche Kirche!

  • ligulehm am 12.03.2010 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    Katholizismus...

    ...dieser ist im Mittelalter stehen geblieben. Ich bin Sohn einere Mischehe (Vater Katholik, Muttter Protestantin) also beides "christliche Religionen" In unserem Dorf hat man 2 Kirchen. (eine schöner als die Andere) also was soll das??? Man ist was man glaubt. Mein Gott ist die Natur und diese ist sicht- und erfahrbar

  • Rolf Raess am 12.03.2010 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung

    Brauchte es damals noch - auch für Deutsche - wer hat die so leichtsinnig erteilt? War es die SVP Graubünden?

  • rene a. meier am 12.03.2010 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    auf die strasse stellen ist noch harmlos

    ja, paul meier: dieser söiniggel von einem pfaffen gehört auf die strasse gestellt. ich weiss, von was ich rede. die psychischen schäden gehen einem das leben lang nach.

  • Daniela B. am 12.03.2010 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Es war an der Zeit.....

    Ich war in dieser Schule....und bei ihm im Unterricht. Es ist an der Zeit, dass das dort Erlebte endlich zur Sprache kommt und offen gelegt wird. Auch wenn es schon sehr lange her ist.