11. April 2005 12:27; Akt: 11.04.2005 21:54 Print

Kleiderfabrik explodiert: 200 verschüttet

Beim Einsturz einer neunstöckigen Textilfabrik in Bangladesch sind am Montag mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Gut 200 Arbeiter wurden unter den Trümmern vermisst, wie die Feuerwehr mitteilte.

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Auslöser des Unglücks in Savar 30 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka war die Explosion eines Kessels.

Die Rettungskräfte bargen mehr als 60 Verletzte und brachten sie in Krankenhäuser, wie Feuerwehrsprecher Selim Newaz Bhuiyan berichtete. «Wir befürchten, dass noch mehr als 200 Menschen unter den Trümmern sind.» Helfer setzten Schweissgeräte ein, um an Eingeschlossene heranzukommen und Überlebenden Luft zum Atmen zu verschaffen.

Mohamed Alamgir war zwischen Betonstücken eingeklemmt. Ihm gelang es, mit seinem Mobiltelefon kurz Kontakt zu seiner Familie aufzunehmen. «Er sagte, dass er im Sterben liege, und bat um Wasser», berichtete Polizeisprecher Nurul Islam. «Wir versuchen ihn zu lokalisieren.»

Mit blossen Händen und Brecheisen wühlten sich Soldaten und Feuerwehrleute durch den Schutt. Auch besorgte Angehörige halfen. «Mein Bruder arbeitete in der Fabrik. Er ist vermisst», sagte Munni Akthar, der in einer anderen Bekleidungsfabrik beschäftigt ist.

Ein Überlebender berichtete, er habe sich mit 90 Arbeitern im siebten Stock der Fabrik befunden, wo Pullover hergestellt wurden. «Ich beaufsichtigte die Arbeiter, als es einen grossen Knall gab und dann fing das Gebäude plötzlich zu schwanken an und stürzte ein», berichtete der Mann, der seinen Namen mit Helaluddin angab. «Bevor ich wusste, wie mir geschah, war ich unter Betonplatten begraben.»

Während es zunächst hiess, bei den Opfern handele es sich vor allem um Frauen, erklärte der Überlebende Haider Alil, in der Spätschicht seien vor allem Männer beschäftigt gewesen. Die Regierung ordnete eine Untersuchung des Unglücks an. Das Gebäude war nach Angaben von Beschäftigten vor drei Jahren in einem sumpfigen Gelände errichtet worden.

In Bangladesch gibt es rund 2.500 Textilfabriken, in den rund 1,8 Millionen Menschen beschäftigt sind, 90 Prozent von ihnen Frauen. Der südasiatische Staat exportiert jährlich Textilien im Wert von mehr als vier Milliarden Euro.

(ap)