Grossbritannien

26. Juli 2015 23:40; Akt: 27.07.2015 10:45 Print

Kokain und Callgirls kosten Lord den Job

Der Vizesprecher des britischen Oberhauses feiert in seiner Londoner Wohnung wilde Sex-Parties. Jetzt ist er zurückgetreten.

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Die Videoaufnahmen sind kompromittierend: Sie zeigen einen Mann, wie er sich halbnackt über eine Reihe weisser Spuren auf einer Tischoberfläche beugt. Durch eine Fünfpfundnote zieht er das weisse Pulver in das linke Nasenloch – an seinem Finger prangt ein Ehering.

Laut der britischen «Sun on Sunday» zeigen die Aufnahmen Lord John Sewel (69), Labour-Politiker und stellvertretender Sprecher des britischen Oberhauses sowie einst enger Verbündeter von Ex-Premierminister Tony Blair.

Einige Momente später zeigt das Video den Mann nackt auf dem Bett, vor ihm zwei Prostituierte. Auf dem Nachttisch steht ein Foto seiner Frau, Jennifer. Er dreht es um. Dann zieht Sewel einer der leicht bekleideten Frauen das Top herunter und snifft weisses Puder von ihren Brüsten. Er zieht an einer Zigarette, streift sich den BH einer der Frauen über, während beide ihm den Rücken und die Haare streicheln. «Du bist so ein Partytier!», sagt eine der Eskorten. «Ich weiss», antwortet er und lässt – zwischen zwei Linien Kokain – anklingen, dass er sich eigentlich asiatische Prostituierte für seine kleine Party gewünscht hätte («Die sehen unschuldig aus, aber du weisst, dass sie Schlampen sind»).

200 Pfund pro Nacht für die Dirnen

Nebst den rassistischen Kommentaren prahlt der Adelige damit, schon öfter Sex-Partys in seiner gemieteten Wohnung in London gefeiert zu haben: 13 weitere Prostituierte will er in sein Apartment eingeladen haben und behauptet, eine Affäre mit einem Mitglied der Labour-Partei geführt zu haben.

Die Aufnahmen zeigen auch, wie der Politiker die beiden Eskorten bezahlt: eine mit einem Check, die andere in Bargeld – beide bekommen 200 Pfund (rund 300 Franken). Dann beklagt er seine finanziellen Probleme – trotz eines jährlichen Einkommens von rund 84‘525 Pfund (umgerechnet rund 126‘000 Franken) und einer Villa für 1,2 Millionen Pfund (rund 1,8 Millionen Franken) in Aberdeenshire, Schottland.

Zusätzlich zu dem Video vom vergangenen Mittwoch liegen der «Sun on Sunday» Aufnahmen von einer Sex-Party Ende Juni vor. Wer die Szenen in Sewels Wohnung in Pimlico, Zentrallondon, filmte, ist nicht klar.

«Hobbies: Cricket, Golf, Kochen, Koks»

Den Adligen hat der Bericht der Boulevardzeitung bereits seine Karriere gekostet: Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung trat er als Vize-Sprecher des Oberhauses zurück, wie «BBC» berichtet. Sewels Verhalten sei «schockierend und inakzeptabel», äusserte sich Oberhaus-Sprecherin Baronin Frances D'Souza und kündigte an, Sewel der Polizei auszuliefern.

Inzwischen hat sich auch die Netz-Gemeinde auf den Skandal gestürzt: Auf Wikipedia hat ein Nutzer Sewels Eintrag verändert. Zu der Liste angegebener Hobbys (Cricket, Golf, Kochen) fügte dieser anonyme Nutzer «Kokain» hinzu. Viele sind empört, weil Sewel in seiner Position für Verhaltensstandards im Oberhaus des Parlaments zuständig war – von ihm habe man höhere moralische Standards erwartet, heisst es.

«Vorsitzender des Standard- und Verhaltenskomitees. Die Realität ist besser als jede Satire.»


«Baron Sewel hat die Standards für Oberhausmitglieder gesenkt. Man hat ihn mit nur ZWEI Prostituierten erwischt?»


(cfr)