Zugunglück Bad Aibling

16. Februar 2016 14:18; Akt: 16.02.2016 19:37 Print

Kollision war «furchtbares Einzelversagen»

Die Ermittler haben gegen den Fahrdienstleiter ein Verfahren eröffnet. Es deute beim Unglück in Bad Aibling nichts auf technisches Versagen hin.

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Er muss sich für sein Handeln verantworten: Fahrdienstleister Michael P. vor Gericht in Traunstein. (10. November 2016) Menschliches Versagen: Die Zugskollision bei Bad Aibling in Bayern wurde nicht durch die Technik, sondern durch den Menschen verursacht. Der Fahrdienstleiter wurde am 12. April 2016 in Untersuchungshaft genommen. Er gestand, auf seinem Handy ein Computerspiel gespielt zu haben. Suchtrupps bei den Trümmern der kollidierten Züge in Bayern. Die drei Fahrtenschreiber werden von den Behörden ausgewertet.(11. Februar 2016) An der Unglücksstelle in der Nähe von Bad Aibling sind zwei Spezialkräne zur Bergung der Züge im Einsatz. (11. Februar 16) Die Bergung der Züge wird nach Angaben der Deutschen Bahn noch rund zwei Tage dauern. (11.2.16) Seit Tagesanbruch sind die Einsatzkräfte mit der Bergung der Züge beschäftigt. Der Ursache auf der Spur: Ermittler durchsuchen am Bahnhof Bad Aibling die Räume der Fahrdienstleitung. (10. Februar 2016) Zwei Meridian-Züge kollidierten auf eingleisiger Strecke nahe Bad Aibling: Helfer bei der Befreiungsaktion der Verletzten aus den Zügen. (9. Februar 2016) Das Unglück fordert mehrere Tote. Ein Grossaufgebot von Sanitätern und Feuerwehr ist vor Ort. Rettungskräfte durchsuchen die Zugwracks... ... und bringen die Verletzten in Sicherheit. Ein deutscher Rettungshelikopter transportiert ein Opfer. Das Unglück ereignete sich, nach Angaben der Deutschen Bahn, gegen 6.40 Uhr. Ein Helikopter, unterwegs zur Unfallstelle, etwa 60 Kilometer südöstlich von München. Schnellstmöglich werden die Verletzten in die Kliniken gebracht. Die Rettungshubschrauber sind bereit zum Einsatz. Die Befreiungsaktion dürfte noch mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Ein Rettungsteam beim Prüfen der Wagons... ...mehrere davon sind umgestürzt. Die Zahl der Opfer steigt. Die Deutsche Bahn ist tief bestürzt über den Vorfall und spricht den Angehörigen der Unfallopfer ihr Beileid aus. Weil Faschingsferien sind, so ein Polizeisprecher, befanden sich glücklicherweise keine Schüler in den Zügen. Die Unfallstelle ist schwer zugänglich und liegt an einer Hangkante, die zur Mangfall abfällt. Eine Luftaufnahme der Unglücksstelle. Beide Lokführer kamen bei der Kollision ums Leben. Nach der Zugkatastrophe besteht, laut Blutspendedienst München, erhöhter Bedarf an Blutkonserven. Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr (links) und Joachim Herrmann, Bayerischer Innenminister, kommen am Unfallort an. Verkehrsminister Alexander Dobrindt steht den Medien Red und Antwort. Dobrindt spricht von «einem erschreckenden Bild, das sich da zeigt.»

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Nach dem schweren Zugunglück von Bad Aibling ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Fahrdienstleiter wegen fahrlässiger Tötung. Wenn sich der Mann pflichtgemäss verhalten hätte, wäre es nicht zum Zusammenstoss der Züge gekommen, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in Bad Aibling. Es gehe um menschliches Versagen; für technisches Versagen gebe es keine Anhaltspunkte.

Das Zugunglück sei nicht vorsätzlich herbeigeführt worden, hob Giese hervor. Unmittelbar nach dem Unglück war bereits gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet worden.

Aussagen sind «in sich plausibel»

Der Fahrdienstleister hatte sich nach seinen Angaben zunächst nicht geäussert, am Montag aber sein Schweigen gebrochen. Er wurde demnach mehrere Stunden vernommen. Wie die deutsche «Welt» Oberstaatsanwalt Jürgen Branz zitiert, seien seine Aussagen «in sich plausibel». Den genauen Stand der Vernehmung könne er aber nicht erläutern.

Sicher sei, dass kein Alkohol oder Drogen im Spiel gewesen seien, erklärten die Ermittler. Der Fahrdienstleiter wurde in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht. «Ihm geht's nicht gut», sagte Oberstaatsanwalt Branz. «Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen», fügte er hinzu. Es gehe um eine fahrlässige Tat, nicht um eine vorsätzliche und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren.

Die Polizei hat laut der «Welt» rund 1200 Telefongespräche von 17 Mitarbeitern entgegengenommen und 71 Fahrgäste als Zeugen vernommen. «Wir sind dabei, ein riesiges Puzzle zusammenzusetzen», sagte Branz weiter.

Strecke auf unbestimmte Zeit nicht befahrbar

Die beiden Nahverkehrszüge des zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privat betriebenen Meridians waren am 9. Februar in der Nähe des oberbayerischen Kurorts Bad Aibling frontal zusammengestossen.

Elf Menschen kamen ums Leben, mehr als 80 Insassen wurden teils schwer verletzt. Es handelt sich um eines der schwersten Zugunglücke Deutschlands. Die Wiederherstellung der stark beschädigten Bahnstrecke dauert noch immer an. Auf einer Länge bis zu 120 Metern müssen Schienen und Schwellen teils erneuert werden. Es ist noch unklar, wann die Strecke wieder freigegeben werden kann.

(ofi/sda)