Tote US-Soldaten

03. März 2011 13:16; Akt: 03.03.2011 15:35 Print

Kosovare gesteht Anschlag

Im Fall der beiden erschossenen US-Soldaten in Frankfurt hat der mutmassliche Täter ein Geständnis abgelegt. Offenbar ist er ein islamistischer Einzeltäter mit Hass auf die USA.

storybild

Ein 21-jähriger Mann aus dem Kosovo hat die Soldaten erschossen. (Bild: Keystone)

Fehler gesehen?

Die Schüsse auf amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen waren offenkundig doch die Tat eines Islamisten. Der festgenommene Arid U. aus dem Kosovo mit Wohnsitz in Frankfurt hat das Attentat gestanden, wie der hessische Innenminister Boris Rhein am Donnerstag bekanntgab. Er sprach von einem «radikalisierten Moslem», der aber aber als Einzeltäter offenbar ohne Verbindung zu einem Netzwerk oder einer Terrorzelle vorging. Nach Einschätzung von Terrorexperten handelt es sich um den ersten tödlichen Anschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland.

Bei dem Angriff auf den Militärbus der US Army hatte der 21-Jährige am Mittwoch zwei Soldaten erschossen und zwei weitere schwer verletzt. Trotz Notoperation schwebte einer der beiden am Donnerstag noch immer in Lebensgefahr. Der andere befand sich auf dem Weg der Besserung. Die in Grossbritannien stationierten Soldaten waren nach der Landung in Frankfurt auf dem Weg zur US-Airbase in Ramstein. Von da aus sollten sie wenig später zu Einsätzen im Irak oder Afghanistan fliegen.

Die deutsche Generalbundesanwältin Monika Harms übernahm am Donnerstag das Verfahren und beauftragte das Bundeskriminalamt und das Frankfurter Polizeipräsidium mit den Ermittlungen. Für Freitag kündigte die oberste Anklagebehörde in Karlsruhe eine Pressekonferenz an. Dort sollte der geständige Täter noch am Donnerstagnachmittag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden; zuvor war er stundenlang in Frankfurt verhört worden. Auch die Bundesanwaltschaft erklärte: «Aufgrund der Tatumstände besteht der Verdacht, dass es sich bei dem Attentat um eine islamistisch motivierte Tat handelt.»

Täter arbeitete in Postzentrum

Der 21-Jährige hat nach den Worten des hessischen Innenministers in einem Postzentrum am Flughafen gearbeitet und war zuvor nie auffällig geworden. Die Auswertung seines Computers liefere aber Anzeichen dafür, dass er sich in den letzten Tagen stark radikalisiert habe. So habe er sich in einem sozialen Netzwerk vor kurzem den islamistischen Kampfnamen «Abu Rejjan» zugelegt. Bei seinem Angriff habe er die Opfer zunächst angesprochen, um sich zu vergewissern, dass es sich um GIs handele. Die Pistole habe er sich illegal besorgt, sie habe nach einigen Schüssen Ladehemmung aufgewiesen, so dass er floh und wenig später im Flughafenterminal überwältigt werden konnte. «Möglicherweise wurde dadurch noch Schlimmeres verhindert», sagte Rhein.

Nachbarn schilderten den seit Jahren mit seinen Eltern und einem Bruder in Frankfurt lebenden Arid U. als Einzelgänger. Eine Anwohnerin sagte, er habe angespannt gewirkt, als er am Mittwoch gegen 14.00 Uhr aus dem Haus gegangen sei. Laut Rhein ist der aus dem Kosovo stammende Mann auch in Frankfurt auf die Schule gegangen. Eine Nachbarin aus dem Haus sagte der Nachrichtenagentur dapd, er sei mit einem im Juni 2010 verhafteten Islamisten, dem Deutsch-Syrer Rami M. befreundet. Der jetzt in der südhessischen JVA Weiterstadt einsitzende Rami M. habe früher im selben Haus gewohnt.

Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verurteilte den tödlichen Anschlag auf das Schärfste. Er sei umso schmerzlicher, als er einen engen Verbündeten auf deutschem Boden getroffen habe. Die deutschen Sicherheitsbehörden täten alles, um die Tat aufzuklären und arbeiteten dabei eng mit den zuständigen US-Dienststellen zusammen. Der Innenminister fügte hinzu, nach jetziger Erkenntnis sei keine bundesweite, flächendeckende Erhöhung der polizeilichen Präsenz nötig.

Polizei erhöht Präsenz auf Flughafen

Die Bundespolizei hat aber nach dem Anschlag ihre Präsenz am Frankfurter Flughafen erhöht. Das gelte für die sichtbare und unsichtbare Präsenz der Einsatzkräfte in den öffentlichen Bereichen der Terminals, sagte der Sprecher der Bundespolizei am Flughafen, Armin Thiel, am Donnerstag auf dapd-Anfrage. Auch gingen die Sicherheitskräfte seit dem Vorfall vom Mittwoch mit Schutzweste und Maschinengewehr auf ihre Rundgänge.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut erklärte, die Todesschüsse am Frankfurter Flughafen bedeuteten eine neue Dimension des islamistischen Terrorismus. «Wenn sich bisherige Hinweise bestätigen, hat erstmalig ein islamistischer Terroranschlag auf deutschem Boden nicht verhindert werden können und Todesopfer gefordert», sagte er in Berlin. Es sei zugleich der erste Fall eines in Deutschland aufgewachsenen terroristischen Einzeltäters, der möglicherweise im Internet durch islamistische Dschihad-Propaganda motiviert worden sei, ein sogenannter «home-grown-terrorist».

(ap)