21-jähriger Täter

02. März 2011 16:27; Akt: 02.03.2011 22:01 Print

Kosovare tötet zwei US-Soldaten in Frankfurt

Tote am Frankfurter Flughafen: Ein Mann hat einen Bus mit US-Soldaten angegriffen und zwei Männer erschossen sowie zwei weitere schwer verletzt.

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Der überfallene Bus vor dem Terminal 2 des Frankfurter Flughafens. Zwei Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben. (Bild: Keystone/AP)

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Ermittler gehen von einem gezielten Angriff auf die US-Armee aus. Ein 21-jähriger Mann aus dem Kosovo soll am Mittwoch mit grösseren Mengen Munition in den US-Militärbus gestiegen sein und aus einer Pistole das Feuer eröffnet haben, erfuhr «Spiegel Online» aus Sicherheitskreisen.

Erste Meldungen, es habe sich um einen Streit in dem Bus gehandelt, haben sich nach Angaben der Behörden zunächst nicht bestätigt. Vielmehr sprächen erste Ermittlungen für eine gezielte Tat des Mannes. Polizei und Innenministerium in Hessen wollten die Meldung am Abend nicht bestätigen.

Klar ist: Der mutmassliche Täter ergriff nach den Schüssen zunächst die Flucht, konnte aber im Terminal überwältigt werden. Er soll neunmal geschossen haben. Der Mann stammt gemäss Informationen der kosovarischen Polizei aus dem nordkosovarischen Mitrovica. Er soll in Frankfurt wohnen.

Zu möglichen Hintergründen der Tat gab der hessische Innenminister Boris Rhein zunächst keine Auskunft: «Ich spreche bewusst nicht von einem Anschlag, sondern von einem Tötungsdelikt», sagte der Minister am Tatort. «Es ist aber im Moment nichts auszuschliessen.»

Ranghohe Ermittler hielten sich am Mittwochabend gemäss «Spiegel» noch mit klaren Einschätzungen zurück. Ein terroristischer Hintergrund des Kosovo-Albaners werde intensiv geprüft. «Allein dass sich jemand mit einer Waffe in der Nähe des Flughafens aufhält, ist sicher kein Zufall», sagte ein Ermittler, der an dem Fall arbeitet. «Es kann sich um einen verwirrten Einzeltäter handeln, aber durchaus auch um ein Mitglied einer organisierten Gruppe.»

Merkel reagiert

Der hessische Innenminister Rhein sprach von einem «völlig sinnlosen, furchtbaren Verbrechen.» Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte in Berlin ihre Bestürzung aus: Es werde alles unternommen, um den Vorfall aufzuklären. Sie sprach den Angehörigen und den Soldaten ihr Beileid aus.

US-Präsident Barack Obama reagierte tief betroffen. Die USA würden keine Mühen scheuen, um herauszufinden, wie die «abscheuliche Tat» passiert sei, sagte Obama in Washington. Die Regierung des Kosovo verurteilte «diese mörderische Tat eines Kosovaren», wie sie mitteilte. Die Attacke sei eine «grauenhafte Einzeltat».

Tathergang unklar

Der genaue Tathergang war der Polizei auch am Abend nach der Bluttat noch unklar. Die beschossenen Soldaten gehörten zu einer auf dem US-Stützpunkt Lakenheath in Grossbritannien stationierten Einheit und sollten nach der Landung in Frankfurt mit dem Bus ins rheinland-pfälzische Ramstein gebracht werden.

Der nach einem kurzen Fluchtversuch im Terminal 2 des Flughafens überwältigte Tatverdächtige wurde am Abend weiter verhört. Er ist nach Polizeiangaben unverletzt. Nach Angaben des hessischen Innenministers handelt es sich offenbar um einen Einzeltäter, es gebe keine Hinweise auf weitere Täter. Die Ermittlungen übernahm die Mordkommission des Frankfurter Polizeipräsidiums mit Unterstützung von Beamten des hessischen Landeskriminalamts.

Rhein sagte, der Täter sei «an den Bus herangetreten». Demnach erschoss er einen US-Soldaten vor dem Bus und den Fahrer auf dessen Sitz in dem Militärbus. Die beiden Schwerverletzten wurden im Kopf und in der Brust verwundet.

Die Schüsse fielen gegen 15.20 Uhr auf einer Busspur im öffentlichen Bereich des Flughafen-Terminals 2. Die Zahl der Businsassen war unklar, geschossen wurde mit einer Pistole oder einem Revolver, hiess es.

Tatort abgeriegelt

Der Tatort wurde von der Polizei abgeriegelt. Der nahegelegene Zugang zum Parkhaus des grössten deutschen und zweitgrössten europäischen Flughafens blieb aber weiter befahrbar. Auch der Flugbetrieb war nach Angaben eines Sprechers der Betreibergesellschaft nicht beeinträchtigt. Nach der Schiesserei wurden die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen erhöht.

Die US-Luftwaffe hatte bis vor wenigen Jahren auf dem Frankfurter Flughafen einen wichtigen Stützpunkt, der für viele Militäreinsätze wie die beiden Kriege im Irak genutzt wurde.

Die Rhein-Main Air Base wurde im Jahr 2005 geschlossen. Nach wie vor wird der Flughafen aber von US-Soldaten genutzt, die mit Zivilmaschinen zu ihren Stützpunkten reisen. Die US-Streitkräfte haben im Flughafen ein Empfangszentrum für ankommende Soldaten.

(sda/ap)