Droge und Medizin

04. Mai 2016 11:42; Akt: 04.05.2016 11:42 Print

Krötengift – ein Heilmittel gegen Krebs?

Kröten sondern ein Sekret ab, das Feinde abschreckt, von Menschen aber auch als Droge verwendet wird. Nun zeigt sich: Das Gift hat nicht nur schlechte Seiten.

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«Die Wirkung ist unglaublich. Es war, als ob ich in meinem inneren Ozean schwimmen würde», berichtet ein Konsument von Krötengift in einem Online-Forum für Drogenerfahrungen. Die Tiere sondern eine Substanz ab, wenn sie sich vor Feinden schützen wollen. Beim Menschen führt sie zu Rauschzuständen und kann sogar tödlich sein – allerdings könnte das Gift 5-MeO-DMT auch dabei helfen, Krebs zu bekämpfen.

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Zunächst warnten Forscher vor dem halluzinogenen Gift, das von südamerikanischen und australischen Aga-Kröten, aber auch von Coloradokröten, Erdkröten oder Sandkröten produziert wird. Das Gift lässt sich rauchen, verdampfen und inhalieren oder zu einem harten Stein einkochen. Hartnäckig hält sich zudem die Vorstellung, man könne das Sekret einfach von lebenden Kröten ablecken, um die gewünschte berauschende Wirkung zu erzielen. Tatsächlich ist es für Hunde lebensgefährlich, Kröten abzuschlecken, ein Mensch baut die Giftstoffe jedoch schnell ab.

Heftige Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen beim Rauchen oder Verdampfen sind allerdings beachtlich. Im Gift sind nämlich neben halluzinogenen Stoffen auch Adrenalin und sogenannte Bufotoxine enthalten. Laut einer Studie des National Institute of Drug Abuse verursacht die Droge nicht nur Wahrnehmungsstörungen und Überhitzung, sondern auch Bauch- und Brustschmerzen sowie Übelkeit. Wird sie überdosiert eingenommen, können Herz- oder Atemstillstand die Folge sein.

Besonders verbreitet ist der Missbrauch der Substanz im Norden Mexikos und im Südwesten der USA. Erst im vergangenen November war ein New Yorker nach dem Konsum von Krötengift gestorben. Seit den 90er-Jahren hatte es in Amerika immer wieder ähnliche Todesfälle gegeben. In den USA ist 5-MeO-DMT verboten, in Kanada ist die Droge dagegen legal.

Gift soll Krebszellen bekämpfen

Neuere Studien heben aber auch positive Seiten des Krötengifts hervor: Chinesische Forscher haben in einer im April veröffentlichten Untersuchung Belege dafür gefunden, dass die im Gift und in der Krötenhaut enthaltenen Bufadienolide gegen Krebszellen wirken. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt laut «Guardian» eine australische Studie, in der Wissenschaftler nachgewiesen haben, dass das Gift der Aga-Kröte Prostatakrebs-Zellen bekämpft.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Krötengift bereits seit mehr als 1000 Jahren etwa gegen Leber- oder Lungenkrebs eingesetzt. Auf die Arznei namens Huachansu sprechen älteren chinesischen Studien zufolge rund 10 bis 16 Prozent der behandelten Patienten an. Im Mittelalter fand das Gift Verwendung in Hexensalben, ab dem 17. Jahrhundert setzten es Mediziner gegen Herzschwäche ein.

Auch bei den «Simpsons» war das Krötenschlecken schon ein Thema.

(mlr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Decsis am 04.05.2016 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Bewundernswert

    Das sind Studien, die die Menschheit vorwãrts bringt - nicht dieser ganze Sozialarbeit, Kunst, Wirtschaftsplunder etc.

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  • Hoi Du am 04.05.2016 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DMT & Mensch

    Das lustige daran ist das jeder Mensch DMT in seinem Körper hat oder was denkt ihr wieso wir Träumen. ;)

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  • Andrea10 am 04.05.2016 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Als hätte man das Heilmittel gegen Krebs schon lange nicht gefunden. Nur wenn es rauskommt verdient die Pharmaindustrie nichts mehr. ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebastian Schlatter am 05.05.2016 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ohne...!

    Warum wusste ich, dass die Simpsons auch noch erwähnt werden haha

  • Besser Wessi am 05.05.2016 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Avaler des grenouilles

    Woher kommt wohl das französische Sprichwort "avaler des grenouilles" ("Kröten schlucken"), welches eine unangenehme Angelegenheit beschreibt, bzw. die Reaktion darauf?!

  • Simone Steinkamp am 05.05.2016 00:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medikamente

    Falls es der Medizin gelingt, das Krötengift zu Medikamenten gegen Krankheiten zu verarbeiten, wäre das super! Dasselbe gilt übrigens auch für Marihuana! "Einfach so" würde ich beide Stoffe nicht konsumieren!

  • Peter Meier am 04.05.2016 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz rauchen

    Die Kröten können auch ganz geraucht werden - das fährt dann ganz gewaltig ein. Die Tierchen sind nur schwer ins Papierchen zu rollen, da sie sich so wehren.

  • Andrea10 am 04.05.2016 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Als hätte man das Heilmittel gegen Krebs schon lange nicht gefunden. Nur wenn es rauskommt verdient die Pharmaindustrie nichts mehr. ;)

    • Denkanstoss am 04.05.2016 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andrea10

      Das Problem des Kapitalismus ist genau, dass z.B. die Farmaindustrie nützliches für die Menschheit nicht freigibt... Eben weil es sich finanziell nicht lohnt. Ich bin kein Kommunist aber solche Probleme gäbe es nicht, würden wir in einer sozialistischen Gesellschaft leben. Mir ist aber auch klar, dass wir nicht da wären, wo wir jetzt sind dur den Kapitalismus. Es muss irgendeinen guten Mittelweg geben.

    • Geronimo am 05.05.2016 09:29 Report Diesen Beitrag melden

      Mal nachdenken

      Das Problem ist, dass ich schon so viel über irgendwelche neu entdecken Wundermittelchen gegen Krebs gelesen haben, dass es mich wundert dass es überhaupt noch Krebs gibt. Und wenn es wegen dem Kapitalismus wäre, so könnten doch antikapitalistische Länder oder Organisationen solche Mittel produzieren. Aber warum tun sie es nicht? Oder die Pharmaindustrie könnte es selber prouzieren und zu horrenden Preisen verkaufen. Aber warum nicht?

    • Roneo am 05.05.2016 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Denkanstoss

      Oder sie berechnen (natürlich nicht offiziel) den maximalen Wert des Medikaments, anhand dem Menschenleben und dem, was die Krankenkassen zahlen würden, und berücksichtigen dabei natürlich die Einnahmen, die durch die früheren Medikamente wegfallen.

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