Sucht nach Oxycontin

13. Februar 2019 20:17; Akt: 13.02.2019 21:19 Print

Wie Familie Sackler die Opiats-Hölle auslöste

Nachdem Fotografin Nan Goldin vom Schmerzmittel Oxycontin abhängig wurde, macht sie die Hersteller des Pharma-Unternehmens dafür verantwortlich. Zu Recht.

Im Guggenheim-Museum in New York gab es eine Protestaktion gegen die Finanzierung durch die Milliardärsfamilie Sackler. (Video: Storyful)
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Das Guggenheim-Museum in New York diente vor wenigen Tagen als Kulisse für eine besondere Protestaktion: Aus der obersten Galerie des spiralförmigen Gebäudes liessen Aktivisten einer Gruppe namens P.A.I.N. (Prescription Addiction Intervention Now) Hunderte gefälschte Arztrezepte herunterfliegen. Auf den Zetteln wurde das Schmerzmittel Oxycontin «verschrieben». Zudem verteilten die Demonstranten Dutzende Pillendosen an die Museumsbesucher.

Angeführt wurde die Aktion von der US-Fotografin Nan Goldin. Die von ihr gegründeten «Pain»-Gruppe protestierte gegen die Finanzierung des Museums durch die Milliardärsfamilie Sackler, Besitzerin des Unternehmens Purdue Pharma. Die Hersteller von Oxycontin seien für die Opiatskrise in den USA verantwortlich, lautet Goldins Vorwurf. Familie Sackler habe die Suchtepidemie nach dem verschreibungspflichtigen Mittel sogar angeheizt, um daraus Profit zu schlagen.

Goldin wurde selber vom Schmerzmittel Oxycontin abhängig

«Ich möchte, dass das Guggenheim-Museum sich öffentlich von den Sacklers distanziert und künftig Spenden von ihnen ablehnt», sagte Goldin zur britischen Zeitung «The Guardian». Ihr verbitterter Kampf gegen die Pharma-Familie hat mit ihrer persönlichen Geschichte zu tun: Nach einer Operation im Jahr 2014 bekam sie das Schmerzmittel Oxycontin verschrieben.

«Quasi über Nacht» sei sie davon abhängig geworden, erzählt Goldin. Mit der Zeit wurde sie asozial, ging kaum mehr aus. Ständig musste sie die Dosis steigern, um sich wohlzufühlen. Als sie sich das Medikament nicht mehr leisten konnte, griff sie zu anderen Drogen. Ihre Sucht endete mit einer Überdosis Fentanyl, an der sie beinahe starb. Schliesslich landete Goldin 2017 für zweieinhalb Monate in einer Entzugsklinik.

Täglich 200 Opioid-Opfer

Der Wirkstoff des Medikaments, Oxycodon, ist stärker als Morphium. Laut der staatlichen Suchtbehörde CDC in Atlanta sorgt das Opioid für den Tod von 200 Menschen pro Tag, Millionen US-Amerikaner sind zudem danach süchtig.

Schätzungen zufolge sollen die Sacklers seit der Marktlancierung von Oxycontin im Jahr 1996 am Verkauf des Medikaments um die 35 Milliarden Dollar verdient haben. Allein zwischen 2008 und 2016 sollen es 4 Milliarden gewesen sein, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht. In den letzten Jahren kam es zu zahlreichen Klagen gegen Purdue Pharma. 2007 wurde das Unternehmen zu 634 Millionen Dollar Strafe verurteilt, weil es in der Packungsbeilage nicht ausreichend gekennzeichnet hatte, dass Oxycodon ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzt.

«Solange das Guggenheim-Museum und andere Museen sich weigern, die Sackler-Familie aus der Liste der Kunstförderer verschwinden zu lassen, sind sie an der Opiatskrise beteiligt», meint Goldin kategorisch.

(kle)