Indien

15. Oktober 2019 11:09; Akt: 15.10.2019 11:09 Print

Lebendig begrabenes Neugeborenes gerettet

Indien kämpft schon lange gegen die hohe Kindstötungsrate bei Mädchen. Der erschreckende Fall zeigt, wie real das Problem noch immer ist.

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Ein Mann in Indien war gerade dabei, ein Grab für seine totgeborene Tochter zu graben, als sein Spaten auf einen Tontopf stiess. Wenige Augenblicke später hörte er ein leises Weinen. «Erst dachte ich, dass meine Tochter wieder zum Leben erwacht sei. Dann realisierte ich, dass die Geräusche aus dem Topf kamen», erzählte der Mann gegenüber «The Guardian».

Als er schliesslich den Tontopf öffnete, fand er darin ein noch lebendiges Neugeborenes. Es handelte sich um ein Mädchen. Sofort rief er die Rettungsdienste, die sich um das Kind kümmerten und es in ein nahe gelegenes Spital brachten.

Der Vorfall zeigt einen traurigen Trend, der sich in den letzten Jahrzehnten in Indien manifestiert hat. Obwohl es seit 1994 verboten ist, das Geschlecht eines Kindes vor der Geburt zu bestimmen, tun dies viele Eltern dennoch illegal.

12 Millionen Mädchen abgetrieben

Grund dafür ist, dass es viele Familien vermeiden wollen, ein Mädchen zur Welt zu bringen. Buben werden als Hoffnungsträger und Investition in die Zukunft gesehen, während Mädchen hauptsächlich als eine Belastung gelten. Eine Studie aus dem Jahr 2011 hat gezeigt, dass allein in den letzten 30 Jahren bis zu 12 Millionen Mädchen vor der Geburt aufgrund ihres Geschlechts abgetrieben wurden.

Laut dieser Studie werden auf 1000 Buben nur 940 Mädchen geboren. Immer wieder tauchen die Leichen von neugeborenen Mädchen auf. So wurde im Januar ein drei Wochen altes Baby in der Region Rajasthan begraben gefunden, nachdem Anwohner dessen Schreie gehört hatten. Es verstarb wenige Wochen später im Spital. Im Jahr 2017 wurden 19 weibliche Föten tot in der Kanalisation nahe eines Spitals entdeckt.

(doz)