Zeitgeschichte

27. Juli 2009 15:57; Akt: 27.07.2009 16:25 Print

Lebenslänglich für Palme-Mord

von Daniel Huber - Heute vor 20 Jahren sollte ein Gerichtsurteil einen mysteriösen Mordfall endgültig abschliessen. Doch der Schlussstrich war keiner – der Fall ist bis heute ungelöst.

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300 000 Kronen Haftentschädigung: Christen Pettersson im Mai 1998 (Bild: Tommy Pedersen)

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Der Mörder kam von hinten: Am späten Abend des 28. Februar 1986 wurde der schwedische Premierminister Olof Palme mitten in der Innenstadt von Stockholm auf offener Strasse erschossen. Der Täter schoss Palme aus nächster Nähe in den Rücken und gab danach einen zweiten Schuss auf Palmes Gattin Lisbet ab, bevor er floh. Palme wurde kurz nach Mitternacht im Krankenhaus für tot erklärt; seine Frau wurde leicht verletzt. Das Ehepaar hatte ohne Leibwächter ein Kino besucht.

Unprofessionelle Spurensicherung

Nach dem ersten Attentat in zweihundert Jahren, das auf einen führenden schwedischen Politiker verübt worden war, lief die grösste Ermittlungsaktion in der schwedischen Geschichte an. Doch die Ermittlungsarbeit der schwedischen Polizei war alles andere als optimal. So wurde die Spurensicherung am Tatort derart unprofessionell durchgeführt, dass es Passanten waren, die die beiden Patronenhülsen fanden, und nicht die Polizei. Zudem kam es zu einem Kompetenzgerangel zwischen der Stockholmer Stadtpolizei und der schwedischen Sicherheitspolizei Säpo.

Erst nach drei Jahren konnten die Ermittler endlich einen Verdächtigen verhaften: Carl Gustav Christer Petterson. Der drogenabhängige Petterson, dessen Akte schon 17 Vorstrafen verzeichnete – darunter eine wegen Totschlags –, war schon kurz nach dem Attentat einmal verhört, dann aber wieder freigelassen worden. Jetzt hatte sich herausgestellt, dass sein Alibi für die Tatnacht gefälscht war.

Freispruch in zweiter Instanz

Gleichwohl verfügte der Ankläger Anders Helin lediglich über die beiden Projektile als Beweismaterial und musste sich ansonsten auf die Zeugenaussage von Palmes Witwe und anderen Zeugen abstützen. Am 27. Juli 1989 fällte das Gericht sein Urteil: lebenslänglich für den damals 42-jährigen Pettersson. Der Schuldspruch erfolgte allerdings nicht einstimmig: Die beiden Berufsrichter hielten die Beweise nicht für ausreichend, doch die sechs Geschworenen setzten sich durch.

Das Urteil, das den mysteriösen Mordfall endgültig hätte abschliessen sollen, hatte nicht lange Bestand. Pettersson wurde in zweiter Instanz freigesprochen, da Palmes Witwe bei der Gegenüberstellung mit Pettersson durch die Ermittler beeinflusst worden war. Pettersson erhielt eine Entschädigung von 300 000 schwedischen Kronen und verkaufte seine Version des Falles an die Medien.

Im Februar 2007 teilte eine langjährige Freundin von Pettersson den Medien mit, er habe ihr gegenüber den Mord an Palme gestanden. Pettersson habe mit der Tat einem Bekannten einen Gefallen tun wollen, der Palme wegen Steuerschulden zürnte. Der Beschuldigte indes konnte die Angelegenheit zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr kommentieren: Pettersson war bereits am 29. September 2004 in einem Krankenhaus bei Stockholm an den schweren Kopfverletzungen gestorben, die er sich bei einem Sturz zugezogen hatte. Der Mordfall Palme bleibt ungelöst.