Wallis

11. Oktober 2010 15:59; Akt: 11.10.2010 17:59 Print

Lehrer wegen Kruzifix-Streit fristlos entlassen

Ein Lehrer der Orientierungsstufe in Stalden VS ist letzten Freitag fristlos entlassen worden. Er hatte sich dagegen gewehrt, dass in den Schulzimmern, in denen er unterrichtet, ein Kreuz hängt.

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Die Behörden machten als Grund für die Kündigung in erster Linie jedoch das gestörte Vertrauensverhältnis geltend. Der Lehrer weist diese Argumentation zurück und bezeichnet die Kündigung als missbräuchlich.

Er habe sich nun einen Anwalt genommen und wolle die Kündigung anfechten, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA am Montag. Damit bestätigt er einen Bericht der «NZZ am Sonntag».

Vor mehr als einem Jahr hatte der Lehrer das Kruzifix von der Wand genommen. Die Situation verschärfte sich, als er das Präsidium der Schweizer Freidenker-Vereinigung Sektion Wallis übernommen hatte.

Der Pädagoge geht davon aus, dass seine Weigerung, das Kreuz wieder aufzuhängen, Grund für seine Entlassung war. Mitte September hatte er die Anweisung erhalten, die Kreuze wieder an ihren Platz zu hängen. Das unterliess er aber.

Lehrer allzu provokativ

Die Walliser Dienststelle für Unterrichtswesen bestätigt die Massnahmen gegen den Lehrer. Es stünde den Lehrern nicht zu, ihre eigenen Regeln aufzustellen, sagte der Dienststellenchef Jean- François Lovey.

Nach seiner Nominierung als Präsident der Freidenker hatte der Lehrer die Behörden kontaktiert. Diese hatten ihm zu verstehen gegeben, dass er allzu provokative Aktionen vermeiden solle.

Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, ist seinerseits überzeugt: «Für eine fristlose Kündigung reicht das nicht.»

Schliesslich bestehe durch das Abhängen eines Kruzifix' keine unmittelbare Gefährdung der Schülerinnen und Schüler. «Anders sieht es bei einer ordentlichen Kündigung aus.» Zum konkreten Fall nimmt Zemp keine Stellung.

(sda)