Über 1000 Tote befürchtet

18. März 2019 20:02; Akt: 19.03.2019 07:31 Print

Leichen treiben nach Zyklon in Flüssen

Wirbelsturm Idai hat in Mosambik ganze Landstriche verwüstet. Präsident Filipe Nyusi glaubt, dass die Zahl der Toten auf mehr als 1000 ansteigen könnte.

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Der tropische Wirbelsturm Idai hat in Mosambik ein Bild des Grauens hinterlassen – und eine noch ungeklärte, vermutlich enorm hohe Zahl von Todesopfern. Ganze Landstriche waren am Montag verwüstet, Dörfer und Städte standen unter Wasser, aus Häusern wurden Ruinen und Vorratskammern von den Fluten mitgerissen.

Die Zahl der Toten infolge des Sturms in Mosambik könnte nach Angaben von Präsident Filipe Nyusi auf bis zu 1000 oder sogar mehr ansteigen. Bislang seien erst 84 Todesfälle bestätigt, doch Einschätzungen von Helfern und der Anblick des Gebiets aus der Luft liessen auf eine verheerende Katastrophe schliessen, sagte Nyusi am Montagnachmittag im staatlichen Radiosender Radio Moçambique. Im benachbarten Simbabwe sprach die Regierung von bislang 89 Toten und Hunderten Vermissten.

Leichen trieben in Flüssen

Der Zyklon mit der Stärke vier von fünf war in der Nacht zum Freitag mit Windböen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde vom Indischen Ozean her kommend in der Nähe der Grossstadt Beira in Mosambik auf Land getroffen. Es folgten Sturmfluten und massive Überschwemmungen. Tausende Menschen verloren ihr Zuhause, mindestens 1300 Menschen wurden laut Katastrophenschutz verletzt.


Der tropische Wirbelsturm Idai löste in Mosambik und Zimbabwe Erdrutsche und Sturzfluten aus. Video: Tamedia

Beim Überfliegen des Katastrophengebietes habe er gesehen, dass in den über die Ufer getretenen Flüssen Pungué und Buzi zahlreiche Leichen trieben, sagte Präsident Nyusi. «Alles deutet daraufhin, dass wir mehr als 1000 Todesopfer haben könnten.»

Die Zahl schien zunächst eine grobe Schätzung zu sein. Hilfsorganisationen warnten jedoch, dass das Ausmass der Krise immer noch nicht absehbar sei. Hinter vorgehaltener Hand sagte ein Helfer, es könne durchaus Hunderte Tote geben.

90 Prozent des Gebietes zerstört

Beira, die zweitgrösste Stadt des Landes mit rund 500'000 Einwohnern, ist seit dem Eintreffen des Sturms ohne Strom, ohne Kommunikationsnetz und ohne Landverbindung zur Aussenwelt. Erst am Sonntag konnten Helfer erstmals mit Hubschraubern auf dem beschädigten Flughafen der Stadt landen und dank Satellitentelefonen über das Ausmass der Krise berichten.

«Das Ausmass der Zerstörung ist enorm. Es scheint, dass 90 Prozent des Gebietes komplett zerstört sind», erklärte am Montag Jamie LeSueur, ein leitender Mitarbeiter des Roten Kreuzes (IKRK). Viele betroffene Orte im Umland seien weiterhin von der Aussenwelt abgeschnitten.

Nun drohen Krankheiten

Zahlreiche Strassen waren überflutet oder nicht mehr befahrbar. Auch zahllose Äcker waren überflutet, weswegen Tausende Kleinbauern bald auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein könnten. Das Welternährungsprogramm (WFP) will dort in Kürze rund 600'000 Menschen unterstützen.

Auch das Uno-Kinderhilfswerk Unicef, die Caritas und das Rote Kreuz planten eine Ausweitung ihres Hilfseinsatzes und riefen zu Spenden für Mosambik und Simbabwe auf. Den Helfern zufolge drohen wegen der Überschwemmungen in dem Gebiet auch Durchfallerkrankungen.

Schweiz schickt Hilfe

Mosambik gehört einem Uno-Index zufolge zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Die Regierung dürfte mit der Bewältigung der sich nun abzeichnenden humanitären Katastrophe überfordert sein.

Die Schweiz schickte am Wochenende ein Spezialistenteam und Hilfsgüter nach Mosambik, wie das Aussendepartement (EDA) mitteilte. Die Experten des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) nahmen demnach von der Hauptstadt Maputo aus eine Lagebeurteilung vor und leiteten erste Soforthilfemassnahmen. Zusätzlich sandte die Schweiz 12 Tonnen Hilfsmaterial nach Mosambik.

(vro/sda)