Smarte Patrone entwickelt

16. Juni 2012 17:22; Akt: 17.06.2012 02:26 Print

Lenkmunition fürs Sturmgewehr

In den USA ist eine Gewehrkugel entwickelt worden, die es in sich hat: Die Patrone findet ihr Ziel dank Lasertechnik – mit kleinen Rudern korrigiert sie wenn nötig ihre Flugbahn.

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Die «Sandia News» berichtet über den erfolgreichen Nachttest der Munition.

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Die Sandia National Laboratories in Albuquerque haben eine lange Tradition: Es ist zusammen mit einem Labor in Los Alamos, ebenfalls in New Mexico, die Wiege des US-Atombombenprogramms. Heute gehört das Gelände zum Rüstungsriesen «Lockheed Martin» - und nach wie vor arbeiten dort Wissenschaftler an Innovationen für die Kriegsführung. Ihr neuster Coup: eine smarte Patrone.

«Lenkrakete» fürs Gewehr

Die selbstlenkende Geschosse können mit Laser markierte Ziele in zwei Kilometer Entfernung treffen, behaupten die Erfinder. «Wir haben eine vielversprechende Technologie entwickelt, mit der kleine Projektile gelenkt werden können. Sie könnte verglichen mit anderen Projekten kostengünstig und schnell umgesetzt werden», erklärt Wissenschaftler Red Jones in den «Sandia Lab News». Es gebe nur noch wenige technische Probleme, die aber schnell gelöst werden könnten.

Wie funktioniert diese «Lenkrakete» fürs Gewehr? Eine zehn Zentimeter lange Patrone wird an der Spitze mit einem optischen Sensor versehen, der das mit Laser markierte Ziel erfasst. Seine Informationen gibt er an einen 8-Bit-Chip weiter, der als Kontrollzentrum fungiert. Der Chip korrigiert die Flugbahn, indem er kleine Ruder am Ende der Patrone über elektromagnetischen Motoren einsetzt und so gegensteuert. Die Frequenz dabei ist 30 Hertz: «Das heisst, wir können pro Sekunde 30 mal korrigieren», so Jones.

Erste Tests erfolgreich

Erste Test im Computer liefen nicht nur erfolgreich, sondern hätten laut Jones zu «dramatischen Verbesserungen» geführt. Würde mit einen normalen Patrone auf ein 1000 Meter entferntes Ziel gefeuert, liege der Schütze rund neun Meter daneben. Mit der smarten Munition wären es noch 20 Zentimeter. Teure Spezialgeräte gegen die Trägheit wie in Lenkraketen brauchen die Kugeln wegen ihrer geringen Grösse nicht.

Im Praxistest konnten Kugeln abgefeuert werden, die mit herkömmlichem Schiesspulver Mach 2,1 erreichen. Mit Spezialpulver sollten noch höhere Geschwindigkeiten möglich sein, glauben die Forscher. Ein auf die Spitze montiertes LED-Licht diente als Beweis, dass Batterie und Elektronik den Schuss heil überstehen. Nun sucht die «Sandia Corporation» nach einem Unternehmen, mit dem es die Munition produzieren kann. Forscher Jones wird traurig sein, das Projekt aus den Händen zu geben. «es war eine der coolsten Dinge, an denen ich je gearbeitet habe.»

(phi)